Heute im Garten gefunden. Ist das eine Blindschleiche oder doch eine heimische Schlange? Die war riesig.

by Annabett93

9 comments
  1. Ja ist eine Blindschleiche. Wenn du das nächste Mal eine findest, dann fass sie bitte nicht an und heb sie auf keinen Fall hoch – die Tiere stehen sonst unter extremem Stress und werfen unter Umständen sogar ihren Schwanz ab. Das schwächt sie sehr und der wächst auch nicht mehr nach, verstümmelt sie also für den Rest ihres Lebens. 

  2. Wieso nimmt man einfach Tiere auf die Hand. Hättest du sie nicht auch einfach inruhe lassen können?

  3. Aus gegebenen Anlass:

    Ich hatte einmal eine Liebschaft mit
    Einer Blindschleiche angefangen;
    Wir sind ein Stück Leben zusammen gegangen
    Im ungleichen Schritt und Tritt.
    Die Sache war ziemlich sentimental.
    In einem feudalen Thüringer Tal
    Fand ich – nein glaubte zu finden – einmal
    Den ledernen Handgriff einer
    Damenhandtasche. Es war aber keiner.
    Ich nannte sie »Blindschi«. Sie nannte mich
    Nach wenigen Tagen schon »Eicherich«
    Und dann, denn sie war sehr gelehrig,
    Verständlicher abgekürzt »Erich«.
    Allmittags haben gemeinsam wir
    Am gleichen Tische gegessen,
    Sie Regenwürmer mit zwei Tropfen Bier,
    Ich totere Delikatessen.
    Sie opferte mir ihren zierlichen Schwanz.
    Ich lehrte sie überwinden
    Und Knoten schlagen und Spitzentanz,
    Schluckdegen und Selbstbinder binden.
    Sie war so appetitlich und nett.
    Sie schlief Nacht über in meinem Bett
    Als wie ein kühlender Schmuckreif am Hals,
    Metallisch und doch so schön weichlich.
    Und wenn ihr wirklich was schlimmstenfalls
    Passierte, so war es nie reichlich.
    Kein Sexuelles und keine Dressur.
    Ich war ihr ein Freund und ein Lehrer,
    Was keiner von meinen Bekannten erfuhr;
    Wer mich besuchte, der sah sie nur
    Auf meinem Schreibtisch steif neben der Uhr
    Als bronzenen Briefbeschwerer.
    Und Jahre vergingen. Dann schlief ich einmal
    Mit Blindschi und träumte im Betti
    (Jetzt werde ich wieder sentimental)
    Gerade, ich äße Spaghetti.
    Da kam es, daß irgendwas aus mir pfiff.
    Mag sein, daß es fürchterlich krachte.
    Fest steht, daß Blindschi erwachte
    Und – sie, die sonst niemals nachts muckte –
    Wild züngelte, daß ich nach ihr griff
    Und sie, noch träumend, verschluckte.
    Es gleich zu sagen: Sie ging nicht tot.
    Sie ist mir wieder entwichen,
    Ist in die Wälder geschlichen
    Und sucht dort einsam ihr tägliches Brot.
    Vorbei! Es wäre – ich bin doch nicht blind –
    Vergebens, ihr nachzuschleichen.
    Weil ihre Wege zu dunkel sind.
    Weil wir einander nicht gleichen.

    Blindschl, von Joachim Ringelnatz

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