Also wir haben aktuell eine Blumenwiese, allerdings wächst die echt hoch und wenn man sie einfach lässt kommen da teils 1,50m hohe Pflanzen raus. Sieht dann auch schon eher nach Urwald aus als nach Wiese.

Jetzt hat meine Frau diese Samen bestellt, aber ich bin mir unsicher ob die gut sind.

https://www.dehner.de/de/de/product/balkonkasten-blumen-mix-saatgut-von-kiepenkerl-X003728268/

Die sehen eher nach Besteckblumen aus als nach einigermaßen nicht invasiven Blumen. Hat jemand erfahrung ob sich das so als Wiese überhaupt eignet?

by vergorli

1 comment
  1. **TL;DR**: Es kommt drauf an was du willst. Die Mischung von Kiepenkerl oder anderen “Baumarktmischungen” sind ökologisch weitestgehend wertlos bis kontraproduktiv.

    **Zum Thema Wiese**: Eine Wiese ist eigentlich eine landwirtschaftliche Nutzfläche. In der Regel werden damit Flächen bezeichnet, die zur Heugewinnung genutzt werden. Pflanzensoziologisch (d.h. von der Zusammensetzung der Arten her) kann man verschiedene Wiesentypen unterscheiden; die häufigste ist aber die Wiese auf mittleren Standorten. Historisch war dies bis zur zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft die sogenannte Glatthafer-Wiese. Die namensgebende Grasart ist ca. 1,50m hoch, andere Arten in der Wiese werden auch gerne mindestens 1m hoch (etwa Pippau, verschiedene andere Grasarten).
    Wenn du also eine Wiese hast, die so hoch wird (und die verwendete Mischung eine Glatthaferwiese vorsah), dann spricht das allgemein für passende Standortbedingungen. Weitere Arten könnten dir sagen, ob die Wiese auch wirklich artenreich ist: Mageriten, Acker-Witwenblume, Flockenblume, Wiesen-Pippau, Löwenzahn (Leondonton hispidus), Echtes Labkraut, verschiedene Nelkenarten usw. – um nur ein paar der Blumen zu nennen.

    **Was du hast**: Man kann nicht viel erkennen, aber ich würde da auch noch warten. Man erkennt zwei-drei Kleearten (Inkarnatklee, Rotklee, ich glaube Fadenklee), eine einzelne Margerite, Kleinen Wiesenknopf, Flockenblumen. Das sieht eigentlich in Ordnung aus und entspricht im Groben dem o.g. Biotoptyp.

    **Was du willst**: Wenn ich es richtig verstehe, wollt ihr eher einen mit Blumen durchwachsenen Rasen haben (also etwas kürzeres). Ich bin immer nur den umgekehrten Weg gegangen (vom Rasen zur Wiese), daher wäre das hier nur mein Plan wie ich es angehen würde – falls da jemand Erfahrung mit hat, würden mich Verbessungsvorschläge sehr interessieren: Ich würde die Fläche einmal im kommenden Spätsommer sehr kurz mähen, gründlich vertikutieren oder ankratzen und dann mit einer 100% Blumenmischung oder einer Mischung für Magerrasen einsäen (Alternativ ganz umhacken, feinkrümelig rechen, sanden, einsäen, anwalzen). Eure Fläche ist vermutlich nicht mager; daher schadet es auch nicht, vorher noch ordentlich Sand aufzubringen. Achte auf Verwendung zertifizierten Regio-Saatguts (einfach in die Suchmaschine hauen); aus den anderen Mischungen verschwinden mit der Zeit die Blumenarten überwiegend, weil die nicht auf Mitteleuropa angepasst sind.
    Wichtig ist dann in den Folgejahren die richtige Mahd: immer das Schnittgut abräumen. In den Anfangsjahren mindestens zweimal mähen, grob gesagt immer wenn die Wiese am schönsten ist (bzw. wenn du gelb, rot, blau und weiß als Blütenfarbe siehst; lass das ein-zwei Wochen blühen und dann schneiden). Schnittgut auf der Fläche trocknen lassen für ein paar Tage (damit die Samen abgeworfen werden) und dann weg damit. So holst du die Nährstoffe aus der Fläche heraus und sorgst über die Zeit dafür, dass die Fläche artenreicher wird und die “fetten” Grasarten sollten zugunsten von Straußgräsern (fein-nadelige Gräser, ca. 30-50cm hoch mit feinen Büscheln) verschwinden. Wenn die dominant sind, bist du vorerst am Ziel.

    Ich hoffe das hilft euch weiter. Vielleicht schreibst du ja mal, was ihr am Ende draus gemacht habt.

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