Viele Schweizer Unternehmen tun sich weiterhin schwer damit, Menschen mit Behinderung gleichberechtigt einzubeziehen. Das zeigt eine neue Studie des Vereins Swiss Diversity, der BKW und der ZHAW. Befragt wurden Fachpersonen aus Grossunternehmen und KMU.

Gemäss Studie bleibt Inklusion oft Theorie: Zwar gibt es in vielen Organisationen Richtlinien, aber nur 42 Prozent der Befragten sagen, dass diese im Alltag auch wirklich umgesetzt würden. Inklusion hat zudem eine tiefere Priorität als andere Themen der Gleichstellung und Diversität.

Häufig fehlen Wissen über die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung und es bestehen Vorurteile. Probleme gibt es vor allem bei der Rekrutierung, bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen und bei der Personalentwicklung. 

Hindernisse sehen die Befragten auch in den gesetzlichen Vorgaben. Diese seien zu stark an wirtschaftliche Zumutbarkeit gebunden, und es fehle eine einheitliche Regelung der Unterstützungsleistungen. Positiv ist: Über 70 Prozent der Teilnehmenden sehen ihre Organisation bereit, mehr für Inklusion zu tun.

Wo Inklusion bereits funktioniert

Ein anderes Bild zeigt die Realität von Blindspot. Blindspot setzt sich für Inklusion und Vielfaltsförderung ein und betreibt unter anderem mehrere Restaurants, in denen gemischte, vielfältige Teams arbeiten. “30% der Angestellten in unseren Unternehmen leben mit einer Behinderung. Diese Quote ist relativ hoch”, erzählt Jonas Staub, Gründer von Blindspot. In der Schweiz leben 15 bis 22 % der Bevölkerung mit einer Behinderung.

“Wir können aufzeigen, dass unsere Unternehmen im Vergleich mit ähnlichen Betrieben an ähnlichen Standorten sogar besser funktionieren. Unsere Betriebe sind nicht von Staats- oder Kantonsseite mitfinanziert.” Es sei wirtschaftlich sinnvoll, alle Menschen, die etwas leisten wollen, auch einzusetzen, so Jonas Staub an der Medienkonferenz zum Thema. Es brauche aber eine Sensibilisierung fürs Thema und auch Beratung und Unterstützung.

Auch die Studie empfiehlt mehr Schulungen für Führung und HR, klare Ziele für die Umsetzung von Inklusionsmassnahmen und einfachere sowie einheitlichere gesetzliche Regeln.(sda/neo1)