1:2 gegen Belgien –

Niederlage und andere Komplikationen – so lief das Debüt von Rafel Navarro

Trainer Rafael Navarro der Schweizer Frauenfussballnationalmannschaft blickt während eines Freundschaftsspiels gegen Belgien in Jerez nachdenklich drein. (2025)

Niederlage beim Debüt: Trainer Rafel Navarro während des Spiels der Schweiz gegen Belgien im spanischen Jerez.

Foto: Salva Castizo (Freshfocus)

Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass der Trainerwechsel des Schweizer Nationalteams ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen wäre. Zuerst die wochenlange Hängepartie rund um Pia Sundhage: Der Verband trennte sich erst spät von der Schwedin und verschenkte so zwei Spiele, in denen ein Nachfolger bereits mit dem Team hätte arbeiten können. Und am Freitag nun die Premiere von Rafel Navarro, dem neuen Nationaltrainer.

Die Schweiz verliert den Test gegen Belgien mit 1:2. Doch damit nicht genug. Nach dem ersten Spiel muss Navarro das Team nämlich aus privaten Gründen verlassen – Grund ist der Gesundheitszustand seines Vaters. Und bis der Spanier wieder zu den Spielerinnen zurückkehrt, wird Athletiktrainer Norbert Callau das Training leiten. Einen Assistenztrainer hat das Nationalteam aktuell nicht.

Abgesehen von diesen unerwarteten Komplikationen macht die Partie gegen Belgien aber durchaus Mut, was die Zukunft der Schweizer Teams betrifft. Denn schon im ersten Auftritt sind die Ideen und Pläne des Spaniers klar zu erkennen. Und man kann viel von dem sehen, was man von einem ehemaligen Assistenztrainer des FC Barcelona erwarten darf: Dominanz, Ballbesitz und Flexibilität.

Alisha Lehmann gelingt der einzige Schweizer Treffer

Die Schweiz spielt in einer neuen Grundordnung, einem 4-3-3, verändert diese Struktur aber bei eigenem Ballbesitz. Zudem ist das Schweizer Spiel geprägt von vielen Positionswechseln: immer wieder tauschen Schertenleib, Reuteler, Xhemaili oder Valotto im Zentrum die Rollen. Das führt zu vielen flüssigen Kombinationen und die Schweiz hat phasenweise bis zu 70 Prozent Ballbesitz. Ein Wert, den man in der defensiveren Ausrichtung unter Sundhage kaum je gesehen hat. 

Lange kommt man jedoch nicht zu gefährlichen Chancen und gerät in der ersten Halbzeit in Rückstand: Laura Deloose erzielt das 1:0 für Belgien mit dem ersten Torschuss. Erst in der 67. Minute gelingt der eingewechselten Alisha Lehmann der Ausgleich für die Schweiz, ehe Belgien in der 72. Minute den Siegtreffer erzielt. Viel zu einfach, weil in diesem Moment in der Defensive die Zuteilung und die Intensität nicht stimmen. Und auf der anderen Seite verteidigt Belgien kompakt.

So endet Navarros Debüt mit einer Niederlage und wohl auch der Erkenntnis, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt. Zumal an diesem Abend auch Captain Lia Wälti verletzt fehlt. Die nächste Chance haben der Nationaltrainer und sein Team aber bereits am Dienstag: Dann treffen die Schweizerinnen im letzten Länderspiel des Jahres auf Wales.

Tore: 36. Deloose 0:1. 64. Lehmann 1:1. 72. De Caigny 1:2.

Schweiz: Peng; Crnogorcevic (60. Riesen), Calligaris, Ivelj, Maritz; Schertenleib, Reuteler, Xhemaili (79. Sow); Valotto (60. Lehmann), Fölmli (46. Csillag), Beney (93. Wandeler).

Bemerkungen: Schweiz ohne Wälti (verletzt).

Schweiz

Schweiz

1 : 2

Belgien

Belgien

Spielende

Niederlage im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Rafel Navarro: Die Schweizerinnen verlieren gegen Belgien 1:2.

93. Minute

Kurz nachdem Wandeler für Beney eingewechselt wird, kommen die Belgierinnen noch zu einem Eckball. Dieser bleibt aber so wie fast ihr ganzes Spiel, ungefährlich. Trotzdem kommen sie zu zwei Toren. Eigentlich fast schon Wahnsinn.

91. Minute

Die Schweizerin kommt nochmal in den gegnerischen Strafraum. Aber nein, mit ihrem Zuspiel findet sie keine Mitspielerin. Auch diese «Chance» zunichte gemacht. Ja, das wird wohl nix mehr mit einem Tor.

90. Minute

Ja, der Ballbesitzfussball, der von Navarro gefordert wird, ist sichtbar. Nein, die Schweizerinnen sind noch nicht das offensivstarke Team, das sich so viele wünschen. Das kann dem Trainer aber sicherlich nicht vorgeworfen werden, hat er doch erst wenige Tage mit dem Team trainieren können.

87. Minute

…aber irgendwie kann ich Ihnen gerade nicht viel Hoffnung machen, dass es hier noch zum Ausgleich kommt. Doch, doch, die Schweizerinnen sind weiterhin in chronischem Ballbesitz, doch irgendwie habe ich die Hoffnung verloren, dass der Ball irgendwann gefährlich in den Strafraum oder aufs gegnerische Tor fliegt. Feines Klein-Klein-Spiel ohne Ertrag.

82. Minute

Der nächste Eckball für das Team von Trainer Navarro. Und dieser steht etwas sinnbildlich für die letzten Minuten der Unkonzentriertheit. Riesen spielt den Ball direkt in die Beine einer Belgierin, die direkt den Konter einleitet. Sow kann im Schweizer Strafraum blocken.

78. Minute

Drei Schüsse aufs Tor, zwei Tore: Das sind die Zahlen der Belgierinnen, die in diesem Spiel sehr effizient auftreten, die Fehler der Schweizerinnen direkt bestrafen. Im zweiten Durchgang treten die Belgierinnen doch etwas aktiver aus als noch in der ersten Halbzeit. Doch das darf den Schweizerinnen niemals passieren, dass sie mehrheitlich dominant auftreten, der Gegner derart passiv und doch kassiert man zwei Gegentore.

73. Minute

Erst kommt Csillag im belgischen Strafraum zum Abschluss, scheitert aber an der Torhüterin. Gleich im Anschluss kommen die Belgierinnen zu einem Angriff über rechts. Flanke in den Schweizer Strafraum, Peng bleibt im Tor anstatt den Ball zu pflücken und De Caigny kann aus nächster Distanz einköpfen. Schlecht gemacht von Goalie und Verteidigung. 1:2, Belgien führt wieder.

71. Minute

Unter der Woche sagte Schertenleib noch, dass sie sich in vergangener Zeit am meisten im Defensivverhalten verbessert hat. Das ist sichtbar, doch in dieser Situation vergisst sie diese Aufgabe total, die Belgierin kann über die rechte Seite aufs Schweizer Goal laufen, doch der Abschluss gehört zur Kategorie: mau.

70. Minute

Nach diesem Ausgleich laufen die Schweizerinnen hoch an, versuchen die Belgierinnen damit früh zu verunsichern und schaffen das auch relativ gut. Und wenn sich die Gegnerinnen dann mal lösen, stoppt sie in eine Abseitstellung oder ein Fehlpass. Die Schweizerinnen bleiben hier das dominante Team, daran ändert auch der Distanzversuch von Belgiens Jacobs nicht, der ins Aussennetz fliegt.

63. Minute

Sie kommt, sieht und trifft! Alisha Lehmann profitiert von Abstimmungsschwierigkeiten der Belgierinnen, die sich im eigenen Strafraum selbst abschiessen. Die Schweizerin reagiert auf diese Slapstick-Einlage am schnellsten und trifft aus spitzem Winkel. Auslgeich! 1:1

62. Minute

Die Schweizerinnen kommen aus guter Position zum Freistoss. Schertenleib läuft an und schiesst den Ball aus rund 25 Meter zu zentral aufs belgische Goal, kein Problem für die Torhüterin.

60. Minute

Lehmann und Riesen kommen in die Partie, Vallotto und Crnogorcevic verlassen das Feld.

58. Minute

Nach rund 15 Minuten in der zweiten Halbzeit kommen auch die Belgierinnen ein erstes Mal vor das Schweizer Tor. Die Folge: Eine klassische Bogenlampe. Heisst: Eine Belgierin erwischt den Ball nicht richtig und schiesst diesen kerzengerade in die Luft. Die Schweizerinnen freuts, denn die sind wieder im Ballbesitz. Attraktiv ist diese Partie weiterhin nicht.

54. Minute

Die Schweizerinnen rennen allesamt nach vorne, Schertenleib mit der horizontalen Spielverlagerung – und kurz darauf verlieren die Schweizerinnen den Ball. Zu viele Ballverluste im letzten Drittel, zu wenig Konsequenz um und im gegnerischen Strafraum. An diesem Fazit ändert auch Csillags Schuss aus spitzem Winkel nichts. Abstoss.

49. Minute

Die Schweizerinnen starten wieder aktiver als ihre Gegnerinnen in die Halbzeit. Ein Freistoss, der als Flanke in den belgischen Stafraum fliegt, kann aber noch nicht für grosse Torgefahr sorgen. Vier Minuten gespielt und wir sind wieder beim gleichen Fazit wie bei Halbzeit eins: Viel Ballbesitz, zu wenig Torgefahr.

45. Minute

Csillag kommt neu in die Partie, Fölmli bleibt in der Kabine.

Halbzeitende

Riola Xhemaili von der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft schiesst den Ball während eines Freundschaftsspiels gegen Belgien in Jerez.

Auch Riola Xhemaili (links) hat den Weg zum belgischen Tor noch nicht ganz gefunden.

Foto: Salva Castizo (Freshfocus)

Die Schweizerinnen können auf diesen Rückstand nicht direkt reagieren, die Belgierinnen wirken aber auch nicht, als würden sie gleich noch einen drauflegen wollen. Sie scheinen mit diesem einen Goal ganz zufrieden zu sein. Dürfen sie auch: Es ist eine weltmeisterliche Effizienz, die die Schweizer Gegnerinnen in der ersten Halbzeit an den Tag legen. Das Team von Rafel Navarro hingegen hat weiterhin sehr oft den Ball, weiss in der Offensive aber immer noch zu wenig damit anzufangen. Und während ich diese Zeilen schreibe, kommen die Belgierinnen zum nächsten Abschluss – Peng hält sicher. Und kurz darauf bittet die Schiedsrichterin in die Kabine. Pause und bis später!

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