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In Deutschland liegt die Krankheitsquote beim Autobauer Mercedes-Benz höher, als in anderen Regionen. Personalchefin Britta Seeger nennt mehrere Gründe.

Stuttgart – Der Autokonzern Mercedes-Benz kämpft nicht nur mit der gravierenden Wirtschaftskrise, sondern gerade im Heimland Deutschland offenbar schon länger mit einem hohen Krankenstand in der Belegschaft. Konzernchef Ola Källenius hatte bereits Ende 2024 das System der Krankschreibung angeprangert und daraus Nachteile für den Standort abgeleitet. Personalchefin Britta Seeger schlägt in einem aktuellen Interview in eine ganz ähnliche Kerbe, obwohl sie auch erklärt, dass der Krankenstand beim Traditionskonzern nicht so hoch ist, wie oftmals genannt, und von Werk zu Werk stark variiert.

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Der SAP-Konzernsitz in Walldorf aus der Luft fotografiert (links). Eine Mitarbeiterin von Phoenix Pharma geht durch eine Lagerhalle in Gotha, Thüringen (Mitte), eine Skulptur, die eine Kurbelwelle und Kolben eines Motors darstellt, steht vor der Mahle-Konzernzentrale in Stuttgart (rechts).

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Der mutmaßlich zu hohe Krankenstand in Deutschland wird bereits seit langem als einer der Gründe genannt, warum die Bundesrepublik wirtschaftlich immer mehr den Anschluss verliert. Britta Seeger erklärte im Gespräch mit dem Handelsblatt jedoch, dass sich die Lage bei Mercedes-Benz im Vergleich zum Vorjahr bereits verbessert habe. Trotz dieser Verbesserung sei man „längst nicht auf internationalem Niveau“. Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp hatte auch die Ärzte für den hohen Krankenstand verantwortlich gemacht, da sie „sinnlos krankschreiben“ würden.

Mercedes-Personalchefin Britta Seeger nennt Gründe für vergleichsweise hohen Krankenstand

Laut der Personalvorständin liegt die Verbesserung des Krankenstands bei Mercedes-Benz auch an Gesprächen, die die Führungskräfte mit den Mitarbeitern geführt haben, um herauszufinden, warum es bei manchen eine bestimmte Auffälligkeit bei Krankschreibungen gibt. „Das hat geholfen“, erklärte Britta Seeger. „Bei einigen wenigen, die falsch gespielt haben, haben wir arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen. Das ist auch ein bestärkendes Zeichen für Beschäftigte, die jeden Tag die Extrameile gehen.“ Dennoch ist der Krankenstand in Deutschland nicht auf dem Niveau anderer Regionen, wofür die Personalchefin mehrere Gründe nennt.

Gründung17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück)HauptsitzStuttgart, Baden-WürttembergBrancheAutomobilindustrie, FinanzdienstleistungenProduktePremium-Automodelle, Vans, FinanzdienstleistungenLeitungOla Källenius (Vorstandsvorsitzender)Mitarbeiter175.000 (Ende 2024)Umsatz145,6 Milliarden Euro (2024)

Ein Grund sei, dass die Krankschreibung im Zuge der Corona-Pandemie stark vereinfacht worden und dass viele Arbeitnehmer aus Vorsicht auch bei kleineren Beschwerden zu Hause geblieben seien. „Das war damals richtig, heute ist man manchmal vielleicht zu vorsichtig“, sagte Seeger und machte deutlich: „Und es ist meiner Meinung nach zu einfach, sich in Deutschland krankschreiben zu lassen.“ dm-Chef Christoph Werner hatte in der Vergangenheit erklärt, dass der Krankenstand niedriger wäre, wenn er sich auf das Einkommen auswirken würde.

Mercedes-Vorständin Britta Seeger bei einem Interview auf der IAA Mobility in München im Jahr 2023.

Laut Mercedes-Personalchefin Britta Seeger ist es in Deutschland zu einfach, sich krankschreiben zu lassen. © Matthias Balk/dpaMercedes-Benz will Ausfälle in der deutschen Belegschaft minimieren

Mercedes-Benz hat ein umfassendes Sparprogramm ausgerufen und zahlt Mitarbeitern hohe Summen, damit sie den Konzern verlassen. Zugleich will der Autobauer aber eben auch die vergleichsweise hohen Ausfälle in der deutschen Belegschaft minimieren. „Wir arbeiten mit unserem Betriebsrat und dem werksärztlichen Dienst intensiv an den Themen Ausfall und Krankheitstage“, erklärte Britta Seeger. „Wir versuchen dabei, Muster zu erkennen, welche Gründe es gibt.“ Ein Stellhebel sei die Erkenntnis, dass der Krankenstand in Bereichen, in denen die Mitarbeiter zufriedener seien, geringer ausfalle. (Verwendete Quelle: handelsblatt.de)