„Es ist mir eine Ehre, mich an Weihnachten zum ersten Mal als Staatschef an Sie zu wenden“, sagt Großherzog Guillaume zu Beginn seiner ersten Weihnachtsrede. Im vergangenen Jahr hatte Großherzog Henri bei seiner letzten „Chrëschtried“ angekündigt, dass er am 3. Oktober 2025 zugunsten seines Sohnes Guillaume vom Thron abdanken werde.

Guillaume betont, dass die Werte, die er beim Thronwechsel angesprochen hatte – wie Zusammenhalt, Solidarität, Offenheit und Toleranz – nicht nur auf dem Papier stünden. Vielmehr seien das Werte, „die wir leben und die Brücken zwischen den Menschen in unserer Gesellschaft bauen“.

Der Begriff „Werte“ durchzieht die Rede wie ein roter Faden, insgesamt zehnmal fällt das Wort. Der Staatschef bedankt sich erneut für die große Sympathie und das Vertrauen, das ihm die Bevölkerung entgegenbrachte. „Ich werde mein Bestes tun, um diesem Vertrauen gerecht zu werden“, versichert Guillaume. Zudem kündigt er an, dass er und seine Frau, Großherzogin Stéphanie, versuchen werden, „so oft wie möglich vor Ort bei den Menschen zu sein“.

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Zusammenhalt in Krisenzeit

„Ab dem kommenden Jahr gibt es eine weitere Gelegenheit dazu, bei der wir Ihnen begegnen möchten. Die „Joyeuses Entrées“ sind eine Tradition, die nach einem Thronwechsel stattfindet. Dann werden wir fünf verschiedene Regionen des Landes besuchen. Wir freuen uns darauf, diese Momente mit Ihnen zu teilen und gemeinsam die Werte zu feiern, die unser Land ausmachen“, so Guillaume.

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Der Großherzog äußerte sich auch kurz zum Ukraine-Krieg. Dieser Krieg habe den Frieden und die Sicherheit infrage gestellt, die man in Europa als verlässliche Errungenschaften betrachtet habe – „auch für unser Land im Herzen der Europäischen Union, dem größten Friedensprojekt unserer Zeit“. Guillaume sieht dennoch Resilienz „bei den Ukrainerinnen und Ukrainern, in Europa, wo nationale und internationale Gesten der Solidarität Hoffnung geben und uns daran erinnern, dass Zusammenhalt in Krisenzeiten am wichtigsten ist.“

Luxemburg ist klein durch seine Größe, doch groß durch seine Einheit.

Guillaume

Guillaume weist darauf hin, dass nicht alle Menschen auf der Welt den Wohlstand von Luxemburg genießen können und auch hier im Land Menschen in Armut und prekären Verhältnissen leben. „Nicht jeder hat ein Dach über dem Kopf und die hohen Lebenshaltungskosten machen es vielen Menschen schwer, über die Runden zu kommen – besonders Alleinerziehende und junge Menschen, die ins Berufsleben einsteigen.“

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Eine Familie, wo jede Stimme zählt

„In einem kleinen Land sind wir nicht nur Nachbarn, sondern eine Familie. Eine Familie, in der jeder seinen Platz, seine Stimme und seine Verantwortung hat. Sie macht uns stark, weil sie auf Vertrauen, Solidarität und Zusammenhalt gründet“, betont Guillaume. Seiner Ansicht nach ist dies die Stärke Luxemburgs: klein durch seine Größe, doch groß durch seine Einheit. Zudem betonte der Staatschef, wie wichtig es sei, Wert auf Zuhören und Dialog zu legen, um trotz Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlicher Herkunft harmonisch in der Gesellschaft miteinander zu leben.

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Er bedankt sich bei den Ehrenamtlichen, die das ganze Jahr über zu diesem Zusammenhalt beitragen. Diese Botschaft richtete er auch an die Menschen, – darunter viele Grenzgänger – die an den Festtagen arbeiten, etwa in den Notdiensten, bei der Polizei und der Armee.

Zum Abschluss seiner Rede wünscht Guillaume der Bevölkerung in den drei Amtssprachen (Luxemburgisch, Deutsch und Französisch) sowie auf Englisch und Portugiesisch schöne Weihnachten und ein frohes neues Jahr.