ruhr24Service

DruckenTeilen

Person hält viele Euroscheine in der Hand.

Künftig gilt auch in Deutschland eine harte Obergrenze für Bargeld. © SKATA/Imago

Barzahlungen ohne Limit gehören bald der Vergangenheit an. Die EU hat eine Obergrenze beschlossen, die auch Deutschland betrifft.

Dortmund – Die Europäische Union hat bereits 2024 eine weitreichende Entscheidung getroffen: Ab Sommer 2027 greift EU-weit eine Bargeld-Obergrenze von 10.000 Euro. Mit der Maßnahme wollen die Mitgliedstaaten Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eindämmen.

Bargeld-Obergrenze in Deutschland: Was ändert sich für Bürger ab 2027?

In Deutschland können Verbraucher bislang unbegrenzt hohe Beträge bar bezahlen. Lediglich bei Summen über 10.000 Euro müssen Käufer ihre Identität nachweisen und die Herkunft des Geldes belegen. Händler sind verpflichtet, diese Daten zu erfassen und aufzubewahren (mehr Finanz-Themen bei RUHR24).

Ab Sommer 2027 dürfen Barzahlungen die Grenze von 10.000 Euro nicht mehr überschreiten. Die neue EU-Verordnung sieht zudem vor, dass bereits ab 3.000 Euro die Daten der Käufer erfasst werden müssen. Diese Regelung erweitert die bestehenden Identitätsnachweispflichten deutlich. Zusätzlich kommt ab Januar 2026 auf alle Bürger eine Änderung bei den Euro-Münzen zu.

Ausnahmen bei der Bargeld-Obergrenze: Wann die 10.000-Euro-Grenze nicht gilt

Die Bargeldobergrenze gilt nur für gewerbliche Transaktionen. Zahlungen zwischen Privatpersonen bleiben von der Regel ausgenommen – es sei denn, eine der beiden Parteien handelt beruflich mit dem Verkaufsobjekt. Wer sein Auto direkt vom Nachbarn kauft, darf den Betrag weiterhin unbegrenzt bar bezahlen. Anders verhält es sich, wenn der Nachbar Autohändler ist.

Mehr zu Finanzen

Neue Schufa-Regeln ab 2026: Vier Änderungen betreffen alle Bürger

11 Millionen Bank-Kunden werden aufgefordert: „Erneuerung starten“

Sparkasse kündigt plötzlich Kunden-Konten – das ist der Grund

EU-Mitgliedstaaten mit bereits niedrigeren Bargeldobergrenzen können diese beibehalten. Frankreich hat beispielsweise eine Grenze von 1.000 Euro festgelegt, Spanien ebenfalls. Die EU-Regelung schafft einen Mindeststandard, lässt aber strengere nationale Vorschriften zu.

Bargeld-Obergrenze in Deutschland: Diese Regelungen gelten bereits heute

Deutschland kennt bereits einige Einschränkungen bei Barzahlungen. Seit Januar 2020 gilt im Edelmetallhandel ein Barzahlungslimit von 1.999,99 Euro für anonyme Käufe. Bei höheren Beträgen muss der Händler die Identität des Kunden feststellen und entsprechende Dokumente aufbewahren.

Seit dem 1. April 2023 ist die Barzahlung beim Immobilienkauf komplett verboten. Notare müssen bei der Beurkundung prüfen, wie die Immobilie bezahlt wurde.

Bargeld-Obergrenze in Europa: So unterschiedlich sind die Regelungen

Die Bargeld-Obergrenzen variieren in Europa stark. Während Deutschland bislang keine Grenze kennt, haben viele Länder bereits strengere Vorschriften:

Belgien: 3.000 Euro bei Waren und DienstleistungenBulgarien: 10.000 Lew (ca. 5.108 Euro)Dänemark: 20.000 Kronen (ca. 2.689 Euro) für HändlerEstland: Keine HöchstgrenzeFinnland: Keine gesetzliche HöchstgrenzeFrankreich: 1.000 Euro für Steuerinländer, 15.000 Euro für SteuerausländerGriechenland: 500 Euro (Ausnahme: Autokauf)Island: Keine HöchstgrenzeIrland: Keine ObergrenzeItalien: 5.000 Euro seit Januar 2023Kroatien: 10.000 EuroLettland: 7.200 EuroLitauen: 5.000 Euro seit November 2022Luxemburg: Keine HöchstgrenzeMalta: 10.000 Euro für bestimmte WarenNiederlande: Keine Höchstgrenze für PrivatpersonenNorwegen: 40.000 Kronen (ca. 3.841 Euro) bei GegenständenÖsterreich: Keine HöchstgrenzePolen: 15.000 PLN (ca. 3.300 Euro) zwischen GewerbetreibendenPortugal: 3.000 Euro, für Steuerinländer 1.000 EuroRumänien: 5.000 Lei (ca. 1.016 Euro) pro Tag an UnternehmerSlowakei: 15.000 Euro seit Juli 2023Slowenien: 5.000 Euro für UnternehmenSpanien: 1.000 Euro, für Steuerausländer 10.000 EuroSchweden: Keine HöchstgrenzeTschechien: 270.000 Kronen (ca. 10.509 Euro) pro TagUngarn: 1,5 Millionen HUF (ca. 41.695 Euro) pro Monat für juristische PersonenVereinigtes Königreich: Keine HöchstgrenzeZypern: Keine HöchstgrenzeKeine Service-News mehr verpassen:

Alle Nachrichten zu Service-Themen direkt aufs Smartphone – jetzt RUHR24 bei Google folgen!

Kritik an Bargeld-Obergrenze: Eingriff in Freiheitsrechte befürchtet

Die Bargeldobergrenze stößt auf unterschiedliche Reaktionen. Eine Studie der Deutschen Bundesbank ergab, dass 93 Prozent der Befragten weiterhin selbst entscheiden möchten, ob sie bar bezahlen. Viele Bürger sehen in Bargeld ein wichtiges Mittel, um ihre Privatsphäre zu schützen.