In einer bei jungen Menschen beliebten Bar in Crans-Montana kam es zu einer Reihe von Explosionen. In der Schweiz herrscht nach dem Feuerinferno zu Jahresbeginn große Erschütterung.

Noch kurz zuvor war das Knallen der Feuerwerkskörper über das Hochplateau von Crans-Montana gehallt. Wenig später zerrissen Explosionsgeräusche und das Heulen der Sirenen die ausgelassene Stimmung im Schweizer Nobel-Skiort. Dicht an dicht hatten sich Feiernde auf der Tanzfläche der Bar „La Constellation“ gedrängt. Eines Lokals, das vor allem bei jungen Menschen beliebt war, das regelmäßig Gruppen anzog, die sich Sportübertragungen auf großen Bildschirmen ansahen, die sich hier auf ein Bier trafen, die sich im Untergeschoß die Nächte auf klebrigem Boden um die Ohren schlugen.

Gegen 1.30 Uhr, da hatte das neue Jahr gerade erst begonnen, beendete eine Feuertragödie die Silvesterfeier. Rund 40 Menschen starben in den Flammen, die Behörden sprechen von etwa 100 teils schwerverletzten Personen.

Zunächst war Rauch in der Bar im Zentrum von Crans-Montana festgestellt worden, zeitgleich ging ein Notruf bei der Polizei ein, woraufhin die Feuerwehr alarmiert wurde. Die ersten Polizeistreifen trafen kurz darauf am Einsatzort ein, wenig später folgte ein größeres Aufgebot von Feuerwehr und Polizei.

Augenzeugen berichten von der Panik, die unter den Feiernden ausbrach, als diese versuchten über enge Stiegen ins Freie zu fliehen. Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte er, er habe gesehen, wie Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten. Auf von Schweizer Medien verbreiteten Bildern waren ein brennendes Gebäude und fliehende Menschen zu sehen.

Ein Rettungsarzt sagte dem Sender RTS, Menschen seien mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Über dem Ort wurde ein Überflugverbot verhängt. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten. Der Skiort ist Luftlinie gut 100 Kilometer entfernt. Anlaufstellen für Angehörige wurden eingerichtet. Auch psychologische Betreuungsangebote werden geschaffen, um Familien zu unterstützen und Informationen bereitzustellen.

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz sagte. Die Explosionen, von denen Anrainer berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

Nach Angaben der Behörden ist bisher unklar, wie es zu der Katastrophe gekommen ist. Auf einer Pressekonferenz hieß es, es werde Zeit brauchen, den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Schweizer Medien zufolge wurde das Feuer bzw. die Explosion womöglich durch den Einsatz von Pyrotechnik während eines Konzerts ausgelöst.

Die Feuertragödie löste bei Anrainern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Guy Parmelin, der sein Amt als Bundespräsident erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat.“

Den Behörden zufolge stammen einige Opfer aus dem Ausland. Weitere Angaben machten sie mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und aus Rücksicht auf die betroffenen Familien zunächst nicht. Österreicher waren nach derzeitigem Stand nicht unter den Opfern, hieß es am Donnerstag aus dem Außenministerium in Wien.

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Jänner finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. (APA/AFP/me)

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