Laut ORF-Sportarchiv hat Prevc den drittgrößten Halbzeitvorsprung in der Tournee-Geschichte: 1963 führte der Norweger Toralf Engan 37,3 Punkte vor dem Deutschen Max Bolkart, 2005 der Finne Janne Ahonen 35,9 Zähler vor Thomas Morgenstern. In beiden Fällen brachten die Führenden ihren großen Vorsprung am Ende in Bischofshofen ins Ziel.

„Hoch werma’s nimma g’winnen“, meinte auch Hörl in Anspielung an Toni Pfeffers legendären Pausensager beim 0:9 des ÖFB-Teams 1999 gegen Spanien. Aufgeben ist für den Salzburger naturgemäß aber keine Option. „Wir werden immer in Lauerstellung sein, angreifen und gut springen. Abgerechnet wird erst in Bischofshofen. Es sind noch zwei Stationen, es kann viel passieren“, betonte der 27-Jährige.

Podestplätze für Hörl und Embacher in Garmisch

Jan Hörl und Stephan Embacher kamen bei der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen dem siegreichen Domen Prevc am nächsten. Auch in der Gesamtwertung lagen sie direkt hinter dem führenden Slowenen.

Hörl findet Verkürzung „nicht in Ordnung“

Am Neujahrstag fehlten Hörl im ersten Durchgang nur 3,2 Punkte auf Prevc. Da sei es schon sehr knapp gewesen, betonte der Gesamtzweite vom Vorjahr. Im Finale verkürzte die Jury unmittelbar vor Hörl den Anlauf, was den Pongauer störte. „Das war vielleicht nicht die beste Entscheidung. Aber es ist so, ganz in Ordnung finde ich es nicht.“

Domen Prevc jubelt

GEPA/Thomas Bachun

Zwei von zwei: Domen Prevc hat sich den bisher drittgrößten Halbzeitvorsprung in der Tournee-Geschichte erarbeitet

Embacher bestätigte unterdessen seine Topform, der 19-jährige Shootingstar sprang zum zweiten Mal in seiner Karriere nach seinem zweiten Platz im November in Falun auf ein Weltcup-Podest. „Voll mega. Ich habe zwei richtig coole Sprünge gezeigt“, sagte der Tiroler, der in der Qualifikation am Vortag zudem den Schanzenrekord aufgestellt hatte. In der Gesamtwertung kletterte Embacher um vier Positionen nach oben und liegt als Dritter nun 41,5 Zähler hinter Prevc.

Es sei „schon sehr“ emotional gewesen, gemeinsam mit Hörl auf dem Podium zu stehen, sagte Embacher, der am Neujahrstag von seinen Eltern und seiner Freundin unterstützt worden war. Sein Fokus liege weiterhin darauf, so viele coole Sprünge wie möglich zu zeigen, betonte der Teenager, der seit mehreren Jahren von Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer gefördert wird.

Prevc springt in eigener Liga

Coole Sprünge zeigt Prevc seit Wochen fast ausnahmslos, weshalb ein Grand Slam mit vier Tagessiegen derzeit wahrscheinlicher erscheint als ein großer Fehler. Der Sieg beim Neujahrsspringen sei schon seit seiner Kindheit auf der „Bucket List“ gestanden, sagte der 26-Jährige nach seinem siebenten Weltcup-Sieg in den jüngsten acht Bewerben. „Jetzt kann ich noch entspannter sein. Das Geheimnis ist, im Sommer jeden Tag konsequent dranzubleiben.“ Auf dem Bergisel hatte Prevc im Vorjahr mit einem neunten Platz sein bisher bestes Resultat erzielt.

Vierschanzentournee

Ergebnisse, Programm und Statistik

Mario Stecher sah in seiner Halbzeitanalyse Potenzial bei den ÖSV-Adlern. „Wir springen auf einem sehr guten Level, schöpfen aber noch nicht alles aus. Das unterscheidet uns von Prevc“, so der Sportdirektor, der den Slowenen freilich als „haushohen Favoriten“ bezeichnete. „Wir würden auch keinem wünschen, dass er das noch verliert. Aber wir werden versuchen, um Tagessiege zu kämpfen. Wenn Hörl und Embacher ihre besten Sprünge auspacken, können wir ihn kitzeln.“

Tschofenig und Kraft bereits geschlagen

Nicht mehr wirklich im Kampf um den Titel befinden sich hingegen Titelverteidiger Daniel Tschofenig und Stefan Kraft nach einem verpatzten Bewerb. Tschofenig hat nach einem neunten Rang 63,2 Punkte Rückstand, Kraft begrub seinen Tournee-Traum wie schon öfter in Garmisch-Partenkirchen mit einem 26. Platz. „Es ist ein Auf und Ab“, sagte Tschofenig, der sich seine Schwankungen nicht erklären konnte.

Kraft haderte mit seiner Anlaufgeschwindigkeit. „Ich war im ersten Durchgang einen km/h hinterher. Und das auf einer Schanze, wo nicht alles von selbst geht und kein Selbstvertrauen da ist. Es hat nicht viel zusammengepasst“, ärgerte sich der Salzburger. Auf die ausverkaufte Kulisse in Innsbruck freut sich der Tournee-Sieger 2014/15 aber schon. „Wenn ich mir eine Schanze aussuchen kann zum Trainieren, wenn ich nicht so in Form bin, ist es der Bergisel. Das hat immer gut geholfen.“

Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

Endstand:

1.

Domen Prevc

SLO

143,0 / 141,0

303,1

2.

Jan Hörl

AUT

141,0 / 131,5

287,7

3.

Stephan Embacher

AUT

134,0 / 141,5

287,1

4.

Ren Nikaido

JPN

137,5 / 138,0

284,1

5.

Ryoyu Kobayashi

JPN

130,5 / 141,0

277,8

6.

Felix Hoffmann

GER

134,0 / 136,0

275,9

7.

Philipp Raimund

GER

134,0 / 135,0

271,0

8.

Kacper Tomasiak

POL

130,5 / 129,5

260,8

9.

Daniel Tschofenig

AUT

132,5 / 129,0

257,4

10.

Maximilian Ortner

AUT

130,5 / 133,0

255,1

.

Gregor Deschwanden

SUI

132,0 / 134,0

255,1

12.

Anze Lanisek

SLO

128,5 / 135,0

254,9

13.

Manuel Fettner

AUT

133,0 / 125,5

253,4

14.

Wladimir Sografski

BUL

131,0 / 132,0

251,8

15.

Naoki Nakamura

JPN

128,5 / 132,0

251,7

16.

Kristoffer Eriksen Sundal

NOR

127,5 / 124,0

250,7

17.

Robin Pedersen

NOR

131,5 / 131,0

249,4

18.

Johann Andre Forfang

NOR

130,0 / 130,0

248,0

.

Sandro Hauswirth

SUI

127,5 / 132,0

248,0

20.

Kamil Stoch

POL

129,0 / 129,0

242,1

21.

Pius Paschke

GER

126,0 / 128,5

240,1

22.

Marius Lindvik

NOR

126,5 / 130,5

239,4

23.

Maciej Kot

POL

127,0 / 128,0

239,2

24.

Jonas Schuster

AUT

124,5 / 127,5

238,8

25.

Yukiya Sato

JPN

124,5 / 129,0

238,5

26.

Stefan Kraft

AUT

123,0 / 123,0

232,2

27.

Valentin Foubert

FRA

125,0 / 125,0

231,5

28.

Antti Aalto

FIN

126,0 / 119,5

225,5

29.

Isak Andreas Langmo

NOR

124,0 / 112,5

215,4

30.

Mackenzie Boyd-Clowes

CAN

118,5 / 115,0

201,0

Gesamtwertung

Stand nach zwei von vier Bewerben:

1.

Domen Prevc

SLO

619,8

2.

Jan Hörl

AUT

584,8

3.

Stephan Embacher

AUT

578,3

4.

Felix Hoffmann

GER

573,2

5.

Ryoyu Kobayashi

JPN

572,8

6.

Philipp Raimund

GER

566,6

7.

Ren Nikaido

JPN

565,2

8.

Daniel Tschofenig

AUT

556,6

9.

Kacper Tomasiak

POL

540,5

10.

Anze Lanisek

SLO

539,5

11.

Maximilian Ortner

AUT

537,8

12.

Kristoffer Eriksen Sundal

NOR

536,3

13.

Naoki Nakamura

JPN

530,4

14.

Jonas Schuster

AUT

526,5

15.

Manuel Fettner

AUT

525,6

16.

Wladimir Sografski

BUL

522,5

17.

Stefan Kraft

AUT

518,6

18.

Gregor Deschwanden

SUI

515,9

19.

Kamil Stoch

POL

513,3

20.

Johann Andre Forfang

NOR

509,8