Für Charles Munster und seinen älteren Bruder Grégoire beginnt am Samstag in Yanbu in Saudi-Arabien mit der Rallye Dakar ein Rennsport-Abenteuer der besonderen Art. Im Jahr 2000 waren mit den Motorradpiloten Chrëscht Beneké und Carlo Arendt erstmals Luxemburger bei diesem legendären Rennen (damals noch Rallye Paris-Dakar) vertreten. Jetzt starten die Munster-Brüder dort – allerdings im Rallyewagen.
8.000 Kilometer, verteilt auf 13 oftmals lange Etappen durch weite Gebiete der Großen Arabischen Wüste, warten auf das Brüderpaar. Für beide könnten die Voraussetzungen im 323 Teilnehmer starken Feld nicht unterschiedlicher sein.
Charles Munster war 2024 bei der Safari Rallye in Kenia am Start. Foto: AFP
Der 24 Jahre alte Charles Munster wurde in das Programm „KTM X-Bow powered by G-Rally” integriert und startet mit einem G-Ecko-Buggy in der kleinen Klasse T3. Navigiert wird er vom erfahrenen Co-Piloten Xavier Panseri. Der drei Jahre ältere Grégoire Munster wechselt dagegen komplett die Seite. Der WM-Fahrer übernimmt die für ihn ungewohnte Rolle des Co-Piloten. In der Prototypenklasse zeigt er Jourdan Serderidis in einem Ford Raptor den richtigen Weg.
Nachdem Charles Munsters Karriere bei den herkömmlichen Rallyes etwas ins Stocken geraten war, stieg der 24-Jährige um und ging 2024 erstmals bei einer Rallye-Raid-Veranstaltung (Rennen im Gelände) an den Start: „Ich fahre schon immer gerne Enduro-Motorrad und das Entdecken von unbekanntem Gelände hat mir auf Anhieb gefallen. Leider verfügte ich bei meinen Anfängen nicht über wettbewerbsfähiges Material, und so wechselte ich wieder zurück zu den normalen Rallyes.“
Das werden sehr lange Renntage, an die ich noch nicht gewöhnt bin.
Charles Munster
Dem Mitglied des COSL-Förderkaders bot sich dann aber die Gelegenheit, es unter wesentlich besseren Bedingungen noch einmal bei den Rallye-Raids zu versuchen. Überzeugende Leistungen bei der Baja Portugal und der Rallye Marokko sicherten ihm einen Startplatz bei der Rallye Dakar und einen Vertrag für die neue Saison.
Trotz seiner guten Vorbereitungen – bereits vor Wochen stellte Charles Munster auf eine spezifische Ernährung für Marathonrallyes um – bleibt ein solches Rennen eine besondere Herausforderung. „Das werden sehr lange Tage, an die ich noch nicht gewöhnt bin. Da ich nicht genau weiß, was mich erwartet, versuche ich, die Sache ohne Druck anzugehen. Ich will mein Rennen fahren und versuchen, anzukommen.“
Charles Munster (links) bei der Rallye Luxembourg 2024 in Hosingen. Foto: Alexander Daleiden
Vor allem bei den extrem langen Etappen (500 km Wertungsprüfung und 400 km Verbindungsetappe), bei denen es gilt, den passenden Rhythmus zu finden, kann der Neuling auf die enorme Erfahrung seines Co-Piloten (zwölf Dakar-Teilnahmen) zurückgreifen.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Neben der Tatsache, dass er bei der Rallye Dakar auf sein Jugendidol Sébastien Loeb sowie andere namhafte Piloten trifft, freut es Charles Munster vor allem, dass auch sein Bruder mit dabei ist. Die Rolle des Co-Piloten übernimmt dieser nur, weil Serderidis‘ etatmäßiger Assistent verhindert ist.
Komplettes Neuland betritt Grégoire Munster damit aber nicht. Bereits vor einem Monat navigierte er den griechisch-belgischen Gentleman-Piloten bei der East African Safari Classic. Nach acht langen Renntagen erreichten sie dort Platz drei.
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Der 27-Jährige machte seine Sache gut und bekam deshalb das Angebot, diese Rolle auch bei der Rallye Dakar zu übernehmen. „Das wird keine einfache Aufgabe. Denn im Gegensatz zu normalen Rallyes, bei denen der Co-Pilot den Streckenaufschrieb ansagt, habe ich hier ein Roadbook“, sagt Grégoire Munster.
Da steht drin, wo man beispielsweise an einer Kreuzung hinfahren muss oder welche Himmelsrichtung es einzuschlagen gilt. „Zudem müssen viele Wegpunkte angefahren und Kontrollpunkte passiert werden. Und es gilt, sich in den Dünen nicht zu verlieren“, erklärt der Luxemburger.
Grégoire Munster wird in der neuen Saison nicht mehr zum M-Sport-Fahreraufgebot gehören. Foto: Getty Images
Sollte die Rallye Dakar nach Plan verlaufen, wird es für das Mitglied des COSL-Elitekaders im Januar keine Verschnaufpause geben. Direkt einen Tag nach der Zielankunft in Yanbu beginnt bereits der Streckenaufschrieb für die Rallye Monte Carlo.
„Das wird schon eine Herausforderung, direkt von der Ankunft der Rallye Dakar zur Rallye Monte-Carlo überzuwechseln“, so Grégoire Munster, der den Eröffnungslauf der neuen WRC-Saison in einem Ford Puma Rally1 bestreitet. Da er in der neuen Saison nicht mehr zum M-Sport-Fahreraufgebot gehört, wird dies voraussichtlich sein vorerst letzter WM-Start mit einem Rally1-Auto sein.
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