Aktuell zeige sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt noch „verhalten“, heißt es in der Aussendung. Das heißt in Zahlen: Im Dezember lag die Zahl der Arbeitslosen und Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen an Schulungen des Arbeitsmarktservice (AMS) bei 434.572, das ist ein Plus von 8.560 Personen oder 2,0 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote lag Ende Dezember bei 8,4 Prozent, ein Plus von 0,2 Prozent bzw. knapp über 10.000 gegenüber Dezember 2024.

Die Arbeitslosigkeit unter Frauen erhöhte sich im Dezember laut den Zahlen um 6,6 Prozent, unter Männern fiel das Plus mit 0,5 Prozent deutlich geringer aus. Im Vergleich zum Dezember 2025 wurde bei Frauen ein Plus von 5,3, bei Männern ein Minus von 0,3 Prozent errechnet. Die Zahlen für Dezember und jene im Jahresabstand unterscheiden sich teils deutlich.

Weniger Lehrstellen verfügbar

Die Jugendarbeitslosigkeit sank Ende Dezember leicht, um 0,4 Prozent. Die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden stieg jedoch deutlich, um 14,2 Prozent (oder 1.323), die Zahl der offenen Lehrstellen sank hingegen um 1.496.

Grafik zeigt Arbeitslosigkeit in Österreich seit 2013. Im Jahr 2025 beträgt die Arbeitslosigkeit in Österreich 8,4 Prozent.

Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

Die Zahl der Personen ohne Job mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft stieg im Dezember moderat, um 1,8 Prozent, bei Inländern stieg sie um 3,6 Prozent. Die Langzeitarbeitslosigkeit stieg deutlich. Die Zahl der Personen, die als langzeitarbeitslos gelten und mindestens seit einem Jahr beim AMS vorgemerkt sind, lag zuletzt bei 102.491 (plus 11.556 bzw. 12,8 Prozent).

Zahl der Langzeitarbeitslosen stark gestiegen

„Da die Zahl der Arbeitssuchenden schon über viele Monate ansteigend ist, wächst auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen mit Status arbeitslos und mindestens einem Jahr AMS-Vormerkung“, heißt es in der Aussendung zur Erklärung. Die Zahl der beim AMS gemeldeten verfügbaren Jobs sank laut der Aussendung Ende Dezember gegenüber dem Vorjahr um 16,2 Prozent auf 67.647.

Allerdings verlangsame sich der Anstieg der Arbeitslosenzahlen, heißt es in der Aussendung aus dem Ressort von Ministerin Korinna Schumann (SPÖ). Die Beschäftigtenzahl wachse wieder leicht, gegenüber dem Vorjahr dürfte die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse um etwa 4.000 gestiegen sein.

Etwas optimistischere Prognosen für 2026

Das Ministerium verwies auch auf die letzte Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), laut der im neuen Jahr ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um 4.000 Personen zu erwarten sei. Die „unselbständige Aktivbeschäftigung“ soll laut Prognose um ca. 27.000 zunehmen. „Nach langen Jahren der Rezession blicken wir dem kommenden Jahr vorsichtig optimistisch entgegen. Die prognostizierte wirtschaftliche Erholung wird 2026 auch eine Belebung des Arbeitsmarktes bringen“, schrieb Schuhmann.

Grafik zeigt Arbeitslosigkeit in Österreich im Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 2 %.

Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

„Über den Berg sind wir aber noch nicht“, so die Ministerin in der Aussendung. Die Situation, „insbesondere für langzeitbeschäftigungslose und ältere Personen sowie für Jugendliche“, bliebe auch „im nächsten Jahr herausfordernd“ und verlange eine aktive Arbeitsmarktpolitik.

Unterschiedliche Trends

Der Arbeitsmarkt zeigte laut der Aussendung im Vorjahr unterschiedliche Trends: Die Arbeitslosigkeit sei im Jahresschnitt um 6,6 Prozent gestiegen, die Beschäftigung mit kaum einer Änderung (plus 0,1 Prozent) „insgesamt stabil geblieben“.

Debatte

Wie neue Jobs schaffen?

Frauen seien 2025 mit einem Plus von 8,9 Prozent stärker betroffen gewesen als Männer (plus 4,9 Prozent), das habe unter anderem mit der schrittweisen Anhebung des Regelpensionsalters von Frauen zu tun. Es hätten sich auch branchenspezifische Unterschiede gezeigt, so das Ministerium. Rückgänge im produzierenden Gewerbe und der Industrie seien durch Beschäftigungszuwächse im Dienstleistungssektor kompensiert worden.

AMS-Chef Kopf erwartet Trendwende

Er könne sich vorstellen, dass man mit den kommenden Daten Ende März sinkende Arbeitslosenzahlen sehen werde, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Freitag im Ö1-Mittagsjournal.

Er erwarte jedenfalls eine Stabilisierung oder einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ein großes Problem sei, dass der Bundesregierung aktuell das Geld für große Konjunkturpakete fehle.

OeNB-Gouverneur: „Zeichen von Aufschwungphase“

Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter, aktuell sind rund 435.000 Menschen ohne Job. OeNB-Gouverneur Martin Kocher zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch, was die Lage auf dem Arbeitsmarkt betrifft.

Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), geht ebenfalls von einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt aus. Unternehmen würden am Beginn eines Aufschwungs nicht so viele Arbeitskräfte einstellen. Er rechne jedoch nach einem wirtschaftlich verhaltenen Jahr im Frühjahr mit einer Trendwende auf dem Arbeitsmarkt, sagte der Ökonom in der ZIB2.

ÖGB und AK fordern mehr Geld und Personal

Die Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Helene Schuberth, warnte in einer Reaktion vor einem Fachkräftemangel: „Kurzfristig wirkt die Lage stabil, langfristig steuern wir jedoch auf massive Engpässe zu.“ Schuberth verlangt statt Sparmaßnahmen „zielgerichtete Investitionen in eine aktive Arbeitsmarktpolitik“.

Auch die Präsidentin der Arbeiterkammer (AK), Renate Anderl, sieht einen Zusammenhang zwischen steigender Frauenarbeitslosigkeit und der Anhebung des Frauenpensionsalters sowie der schlechten Lage im Handel. Sie will mehr Personal für das AMS, mehr Kapazitäten in frauenspezifischen Beratungseinrichtungen und mehr Qualifizierungen.

zeigt die Arbeitslosenquote in Österreichs Bundesländern im Dezember 2025 und deren Veränderung zum Vorjahr. Österreichweit beträgt die Arbeitslosenquote 8,4 Prozent.

Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

Industrie wünscht sich „positiven Reformschock“

Einen „positiven Reformschock“ wünschte sich der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, laut Aussendung. „Immer weitere Bürokratie für die Betriebe, wie jüngst durch neue Hitzeschutzpläne verordnet oder wie sie durch aufwändige Entgeltberichte demnächst droht, ist kontraproduktiv“. Nur mit Reformen könne die Industrie „gestärkt aus der Krise hervorgehen und ihren Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarkts leisten“.

Der Generalsekretär des ÖVP- Wirtschaftsbundes, Kurt Egger, erklärte, dass das von der Regierung auf den Weg gebrachte Entbürokratisierungspaket ein wichtiger erster Schritt zur spürbaren Entlastung der Unternehmen und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sei. Der Vorsitzende der Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, verlangte mehr Investitionen in Qualifizierung und sprach sich für „einen Stopp des Arbeitskräfteimports aus Drittstaaten in Billigentlohnersektoren“ aus.

FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch ortete eine „fehlgeleitete Regierungspolitik“ als Wurzel des Problems – nur mit der FPÖ und einem „Volkskanzler Herbert Kickl“ könne es wieder bergauf gehen. Für die Grünen forderte Arbeitssprecher Markus Koza mehr Geld für eine aktive Arbeitsmarktpolitik. Kritik übte er an dem geplanten Zuverdienstverbot beim Arbeitslosengeld.