Gestern, 18:57
Der Direktor des Spitals Sion rechnet für viele Verletzte mit einer langwierigen Behandlung. Viele der meist jungen Leute hätten nicht nur äussere Verbrennungen erlitten, sagte Eric Bonvin am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten glühend heisse Gase eingeatmet, was bei einigen wahrscheinlich zu inneren Verbrennungen geführt habe. «Das ist eine wirklich katastrophale Situation», sagte Bonvin.
Bonvin warnte, der Weg zur Genesung der Schwerverletzten werde wahrscheinlich lang und beschwerlich. «Für diejenigen mit schweren Verbrennungen dauert die Intensivbehandlung mehrere Monate», sagte er. «Aber es gibt noch Hoffnung. Sie sind jung, und das bedeutet, dass sie noch viel Lebenskraft haben.» Das Durchschnittsalter der Verletzten liege bei rund 20 Jahren.
Ärzte waren auf Skiunfälle eingestellt
Bonvin sagte, das Spital sei zum Jahreswechsel gut besetzt gewesen, weil man wegen der vielen Touristen mit zahlreichen Skiunfällen gerechnet habe. «Das ist jedes Jahr eine sehr stressige Zeit für unsere Notfallstation», sagte er. Darüber hinaus seien viele Mitarbeiter nach der Katastrophennachricht spontan ins Spital geeilt. Trotzdem sei das Krankenhaus schnell an seine Kapazitätsgrenze gestossen – innerhalb weniger Stunden seien 80 Schwerverletzte eingetroffen.
Bonvin berichtete, 55 Schwerverletzte seien mit Rettungswagen in die Klinik eingeliefert worden. Weitere Verletzte seien selbst gekommen, einige wurden von Angehörigen gebracht. Bis Freitagnachmittag wurden die meisten in andere Spitäler verlegt, einige konnten bereits entlassen werden.
«Es handelt sich um eine sehr spezielle Situation, da Verbrennungen anfangs nicht unbedingt sichtbar sind; die Nervenenden sind verbrannt, sodass das Empfinden ausfällt, und die betroffene Person befindet sich vor allem in einem Schockzustand», beschrieb der Arzt die Lage in der Nacht. In solchen Momenten zähle jede Minute.
Manche Angestellte hätten Verletzte behandelt, ohne zu wissen, ob womöglich einige ihrer Angehörigen unter den Patienten sind. «Es war für alle schwer zu ertragen. Wahrscheinlich auch, weil sich jeder fragte: «War mein Kind, mein Cousin, jemand aus der Region auf dieser Party?» Die Bar sei wegen ihrer Partys ziemlich bekannt. «Ausserdem ist es immer traumatisch, wenn man junge Leute ankommen sieht.»