Die Ansprache des Vorsorgemarktes sollte nicht ausschliesslich durch digitale Kanäle erfolgen. Der hohe Anteil digitaler Lösungen bei Anlagekonten – etwa doppelt so hoch wie bei allen 3a-Lösungen, über alle Altersgruppen hinweg – bietet jedoch interessante Einblicke, wie Kunden für die digitale Vorsorge und darüber hinaus gewonnen werden können.
Digitale Vorreiter zeichnen sich aus durch:
Effizientes mobiles Onboarding: Optimierte, vollständig digitale Kontoeröffnung in wenigen Minuten. Im Gegensatz dazu brechen 68% der Nutzer bei umständlichen Anmeldeprozessen ab. Wie unsere Digital Maturity Study zeigt, haben Schweizer Banken beim digitalen Onboarding insgesamt erhebliche Fortschritte gemacht, obwohl weitere Verbesserungen möglich sind.
Transparente Preisgestaltung: Klare und leicht verständliche Gebührenstrukturen.
Effektive Empfehlungsprogramme: Nutzung und Stärkung der Mundpropaganda zur Kundengewinnung, auch digital.
Die Optimierung der Nutzererfahrung ist von grösster Bedeutung. Unsere Digital Maturity Study zeigt, dass Schweizer Banken und globale Wettbewerber oft mit Zugänglichkeit, Möglichkeiten zur Personalisierung des Benutzererlebnisses und komplexeren Funktionen zu kämpfen haben. Die Behebung dieser Mängel kommt der kapitalmarktbasierten Altersvorsorge zugute und ermöglicht es Banken, den Cross-Selling-Anteil zu steigern und digitale Touchpoints zu monetarisieren. Zum Beispiel könnte ein Kunde, der ein Vorsorgeanlagekonto eröffnet, ein weiteres für private Anlagen eröffnen, wenn dies einfach zugänglich ist.
Die Gebühren für digitale Lösungen sind tendenziell niedriger, mit Gesamtkostenquoten (TER) zwischen 0,15% und 0,55%. Diese primär App-basierten Plattformen nutzen passive Anlagestrategien mit ETFs und Indexfonds und operieren im Self-Service-Modell ohne persönliche Finanzberatung.
Angebote mit höheren Preisen umfassen oft eine Mischung aus passiven und aktiv verwalteten Fonds, Zugang zu Filialnetzen oder persönliche Beratungsdienste. Die Kosten liegen typischerweise über 1% und können 2% übersteigen, wenn zusätzliche Gebühren wie Ausgabe-, Verkaufs- oder Depotgebühren enthalten sind.
Verhaltensökonomie bietet wirkungsvolle Instrumente zur Steigerung der Kundenbindung. Zum Beispiel können Auto-Enrolment- oder Auto-Escalation-Funktionen die Beitragsraten im Laufe der Zeit stetig erhöhen, ohne dass Anleger aktive Entscheidungen treffen müssen. Viele Systeme, insbesondere in den USA und zunehmend auch in Grossbritannien, bieten Optionen an, bei denen die Beiträge jährlich um einen kleinen Prozentsatz oder im Einklang mit Gehaltserhöhungen automatisch steigen, es sei denn, der Kunde widerspricht. Es hat sich gezeigt, dass diese Optionen einen positiven Einfluss auf die langfristige Sparakkumulation haben.
Ebenso können gezielte “Nudges” (Anstösse) Einzelpersonen subtil zu besseren finanziellen Entscheidungen leiten. Dazu gehören personalisierte Mitteilungen, die die voraussichtlichen Auswirkungen erhöhter Beiträge auf das zukünftige Renteneinkommen aufzeigen, oder digitale Aufforderungen, die den Prozess der Anpassung der Sparbeträge vereinfachen.