Mehr Todesopfer durch Lawinen als in der laufenden Saison gab es zuletzt im Winter 2018/2019 mit 14 Todesopfern, wie der Leiter der Alpinpolizei, Hans Ebner bestätigte. In den vergangenen Jahren gab es im Vergleichszeitraum zwischen einem und sieben Todesopfer.
Allein am Samstag kamen nach Lawinenunglücken in Salzburg und in der Steiermark acht Menschen ums Leben – mehr dazu in Drei Tourengeher bei Lawinenabgang getötet.
Lawine in Großarl traf Alpenvereins-Tour
Opfer mitunter sehr erfahren
Unter den bundesweit 13 Lawinen-Opfern waren meist Tourengeher, dazu kamen zwei Variantenfahrer und ein Wanderer. Auch bei den Lawinentoten am Samstag dürfte mangelnde Erfahrung nicht das Thema gewesen sein. Bei der betroffenen Gruppe in Salzburg handelte es sich sogar um eine geführte Alpenvereinstour im Rahmen des Winterausbildungsprogramms.
Nur teilweise „erhebliche“ Gefahr
Die meisten Lawinenunglücke ereignen sich bei Stufe drei – bei erheblicher Lawinengefahr, sagte der Leiter der Alpinpolizei. Allerdings sei die Lawinengefahr auch für erfahrene Tourengeher oft „schwer einzuschätzen“. In den am Samstag betroffenen Gebieten etwa herrschte nur teilweise Lawinenwarnstufe drei, sonst überwiegend „mäßige“ Lawinengefahr – unterhalb von 1.800 Metern wurde die Lawinengefahr sogar als „gering“ eingestuft. Ähnlich sehen die Prognosen für Montag aus.
Arnold Studeregger, Leiter des Lawinenwarndienstes in der Steiermark betonte allerdings, dass es in diesem Winter ein starkes „Altschnee-Problem“ gebe. Dadurch sei der Schneedeckenaufbau ungünstig, weil sich der Schnee nicht verbinden könne. Auch beim Lawinenabgang im Pusterwald habe es sich um eine „klassische Skitourenlawine“ gehandelt, die am Hangfuß liegen geblieben sei. Dadurch seien letztlich Schneemassen von bis zu 180 cm zusammengekommen, unter denen die Opfer zu liegen kamen.
Steilheit des Geländes maßgeblich
Große Gefahr bestehe speziell hinter Kämmen, Geländekanten und in steilen Rinnen und Mulden. Schneebrettlawinen könnten an diesen Gefahrenstellen vereinzelt schon durch kleine Zusatzbelastung ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen. „Die Lawinenwarndienste haben grundsätzlich sehr gute und detaillierte Prognosen“, so Ebner, der aber darauf hinweist: „Letztlich geht es immer um die Steilheit des Geländes. Wenn man unter 30 Grad Anstieg bleibt, ist die Gefahr nicht so groß.“
Überlebenschancen bis zu 20 Minuten
Der Hauptgrundsatz für Skitourengeher sei, nicht allein unterwegs zu sein, appellierte Ebner. „Wenn eine Verschüttete oder ein Verschütteter innerhalb von 15 bis 20 Minuten herausgeholt wird, sind die Überlebenschancen eigentlich recht gut.“ Wenn Alleingänger verunglücken, erfolgt die Alarmierung hingegen oft erst zu spät – beispielsweise durch eine Vermisstenmeldung von Angehörigen. Skitourengeherinnen und -geher sollten zudem immer eine Notfallausrüstung dabeihaben. Dazu zählen in erster Linie ein Handy, ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), eine Sonde und eine Schaufel.
Ausrüstung wichtig, aber „keine Garantie“
Diese Geräte würden im Fachhandel oft als Set angeboten: „Ich würde sagen, ab etwa 350 Euro ist man dabei“, betonte Ebner. Insbesondere wer schärfere Skitouren in steilerem Gelände in Angriff nimmt, sollte sich auch die Anschaffung eines Lawinenrucksacks mit Airbag überlegen. Dieser soll helfen, an der Oberfläche zu bleiben, wenn die Schneemassen ins Tal schießen.
Allerdings geben die Airbags nur bedingt Schutz: Wenn die Lawine in einer Mulde liegen bleibt und von oben weitere Schneemassen nachkommen, können die Sportler dennoch tief verschüttet werden. Selbst eine gute Notfallausrüstung, die sich mit Kosten von 1.000 Euro aufwärts niederschlagen kann, sei daher „keine Garantie“, und der Umgang mit Notfallgeräten müsse auch geübt werden. Angeboten werden solche Übungen vom Alpenverein ebenso wie von den Naturfreunden oder etwa Skischulen.