„Tout à la poubelle“, so beschreibt Pasquale Volza ergriffen den Moment, in dem sein Lebenswerk innerhalb weniger Minuten zerstört wird. Das Restaurant und Hotel MiaZia in Beles brennen in der Nacht von Freitag auf Samstag fast vollständig nieder. Nach ersten Erkenntnissen könnte Brandstiftung die Ursache sein.
Der 45-Jährige mit italienisch-luxemburgischer Staatsbürgerschaft führt das Restaurant-Hotel MiaZia seit dem 17. April 2018. „Fast genau acht Jahre lang haben mein Team und ich dem Hotel und dem Restaurant Seele eingehaucht“, sagt er. Als ihm bewusst wird, dass der achte Geburtstag wohl nicht wie geplant gefeiert werden kann, kommen ihm die Tränen. In dieser Zeit hat er sich einen Ruf aufgebaut, auf den er sichtlich stolz ist. Normalerweise wirkt er gefasst und kontrolliert – jemand, den so leicht nichts erschüttert. Doch in der Brandnacht verliert selbst er die Kontrolle. „Darauf ist man nicht vorbereitet“, sagt er und zieht an seiner Zigarette.
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Gerade liefen mehrere Projekte gleichzeitig, darunter die „Semaine de la femme“. In seinem Betrieb arbeiten 16 Angestellte, einige seit dem allerersten Tag – darunter Putzkraft Rosa und Pizzaiolo Davide. Das Hotel verfügt über 16 Zimmer, von denen am Abend des Unglücks sieben belegt waren. Auch das Fest des heiligen Laurentius möchte Volza wieder feiern. Der Schutzpatron zahlreicher Berufsgruppen, die mit offenem Feuer arbeiten – Bäcker, Bierbrauer, Textilreiniger und Köche – wird traditionell am 10. August mit der „Fête de la Saint-Laurent“ geehrt.
Hotelleiter Pasquale Volza macht sich Gedanken und Sorgen um seine Angestellten. Foto: Marc Wilwert
Vom Dachstuhl bleibt nicht mehr viel übrig. Erst 2020 wurden Arbeiten am ganzen Haus durchgeführt. Foto: Marc Wilwert
Die Spurensicherung der Polizei war den ganzen Montag im Einsatz. Foto: Marc Wilwert
Ein ruhiger Abend – bis 23.15 Uhr
Gegen 23 Uhr schien der Tag beendet. Nur seine Familie war noch im Restaurant. Man aß gemeinsam, trank ein Glas – ein ruhiger Abschluss. Dann, um 23.15 Uhr, der erste Alarm: Eine automatisierte Benachrichtigung erreicht Pasquales Handy. Nichts Ungewöhnliches, denkt er. Die Sensoren seien extrem sensibel, schon Zigarettenrauch oder eine zu heiße Dusche könnten Fehlmeldungen auslösen. Erst am Abend zuvor hatte es gegen halb zwei einen Fehlalarm gegeben.
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Doch diesmal ist alles anders. Wenige Minuten später steht das Gebäude in Flammen. Für Volza ist schnell klar: Da muss ein Brandbeschleuniger im Spiel gewesen sein. Das Gebäude besteht überwiegend aus Beton, wurde 2020 saniert, im September 2024 kam eine neue Klimaanlage hinzu, im Oktober 2025 eine neue Heizung.
Volza rennt nach draußen, die Sicherheitstreppe hinauf, schreit: „Sortez, sortez!“ Ein Mann im Zimmer 519, direkt neben dem Notausgang, weigert sich zunächst, das Gebäude zu verlassen. Später stellt sich heraus, dass er der mutmaßliche Brandstifter ist. Volza ruft die 112, dann die 113. Nur wenige Minuten später trifft die Polizei ein.
„Es sind mehr Prozeduren, als man erwartet“, sagt er. Polizei, Versicherungen, Arbeitsamt, die Gemeinde wegen der Ausweispapiere – alles muss geregelt werden.
Die Folgen der Nacht
Die Spurensicherung untersucht, ob ein Brandbeschleuniger verwendet wurde und welches Motiv dahinterstecken könnte. Volzas größte Sorge gilt jedoch seinen Angestellten. „Das Personal absichern, damit sie das Arbeitslosengeld bekommen, das ihnen zusteht – das hat Priorität“, sagt er. Dazu gehören die 59-jährige Rosa, der 61-jährige Pizzaiolo Davide und 13 weitere Mitarbeitende.
Er selbst hat vieles verloren: Ausweispapiere, Unterlagen, die Kasse – all das befand sich in einem Hotelzimmer. Gelebt hat er dort jedoch nicht. „Um abschalten zu können, muss ich Arbeit und Zuhause trennen“, sagt Volza. Das Restaurant blieb von den Flammen verschont, doch die massiven Löscharbeiten richteten erheblichen Schaden an. Zwischen 300.000 und 400.000 Liter Wasser und Schaum fluteten das Gebäude. Von etwa 23.30 Uhr bis 7 Uhr morgens kämpfte die Feuerwehr, erst zwischen 11 und 12 Uhr am Folgetag verließen die Einsatzkräfte den Ort.
Der Schaden geht in die Millionen. Mauern, Elektrik, Dach, Sicherheitsstandards, automatische Beleuchtung – alles muss erneuert werden. Selbst der Versicherer war noch in derselben Nacht vor Ort in Beles. Voraussichtlich wird es mehrere Jahre dauern, bis das Hotel wieder öffnen kann.
Geld ist nicht alles, der menschliche Faktor steht für Volza im Vordergrund. Foto: Marc Wilwert
Acht Jahre hat Pasquale den MiaZia geführt – wie es weitergeht, muss er noch herausfinden. Foto: Marc Wilwert
Das Feuer hat sich rasend schnell über das Dachgeschoss ausgebreitet. Foto: Marc Wilwert
Das Hotel in der Rue des Alliés wird wohl mehrere Jahre geschlossen bleiben müssen. Foto: Marc Wilwert
Der Schaden durch die vermutliche Brandstiftung beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Foto: Marc Wilwert
Volza wurde später ins Krankenhaus gebracht, um einen Herzinfarkt auszuschließen. Blutdruck und Puls waren stark erhöht, zwei Blutanalysen folgten. Noch in derselben Nacht konnte er das Krankenhaus wieder verlassen. Von Sonntag auf Montag habe er zum ersten Mal wieder erholsam geschlafen.
Solidarität und Zukunftspläne
Die Gemeinde zeigt sich solidarisch. Passantinnen und Passanten bieten spontan Hilfe an, sogar eine Online-Spendenaktion wird gestartet – ohne dass Volza zunächst davon wusste. „Ich bin stolz auf die Werte, die in unserer Gesellschaft herrschen“, meint er.
Heute stehen fast alle Fenster des Gebäudes offen, damit die Luft zirkulieren kann. Einige Rollläden bleiben geschlossen. Der Geruch des Brandes jedoch bleibt.
Den Brandgeruch werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr los.
Pasquale Volza
Leiter des MiaZia
Trotz allem blickt er nach vorn. „Ich komme stärker zurück. Ich habe ein Team, das hinter mir steht. Wir schaffen das gemeinsam“. Seit 28 Jahren arbeitet er in der Gastronomie, führte früher eine „Frittebud“ in Rümelingen. Andere Gastronomen haben ihn bereits kontaktiert, Hilfe angeboten, nachgefragt, wie es weitergeht. „Es ist noch zu früh, etwas zu sagen. Zunächst mal muss ich das verdauen.“
Er lächelt – müde, aber entschlossen. „Auch wenn es keine Lösung gibt – wir werden eine finden. Ich gebe nicht auf. Unkraut vergeht nicht.“