Rund 1.600 Windräder stehen bereits vor deutschen Küsten. Tausende weitere sollen bis 2050 hinzukommen. Die Energiegewinnung aus Windkraft in der Nordsee soll bis dann fast verzehnfacht werden.. Das beschloss der Nordsee-Gipfel in Hamburg am Montag, an dem sich zahlreiche Länder, darunter Luxemburg, beteiligten.
Bedingungen für Investitionen sollen verbessert und Kosten gesenkt werden. Geplant sind Windparks mit einer Stromanbindung an mehr als ein Land. Die Nordsee-Staaten wollen bis zu 100 Gigawatt Erzeugungsleistung grenzüberschreitend vernetzen.
Der Industrie werden mit der Vereinbarung Ausschreibungen für Windkraft-Anlagen in der Nordsee über 2030 hinaus zugesichert und damit Planungs- und Investitionssicherheit gestellt. Im Gegenzug verpflichtet sich die Branche, die Gesamtkosten für die Stromerzeugung bis 2040 um 30 Prozent zu senken. Zudem sollen bis 2030 in Europa 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten investiert und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Nach Angaben des europäischen Windverbands Wind Europe können derzeit bereits 32 Millionen Haushalte aus den 35 GW-Offshore-Windenergie mit Strom versorgt werden. Bei 300 GW im Jahr 2050 könnte die Zahl auf mehr als 330 Millionen wachsen. Die größte Kapazität hat Großbritannien mit rund 15 GW Leistung. Auf Deutschland entfallen 7,3 GW und auf die Niederlande 4,5 GW.
Kritik der Umweltverbände: „Das Maß verloren“
Mehrere große Umweltorganisationen begrüßen den Ausbau der Offshore-Windenergie grundsätzlich als wichtigen Baustein für den Klimaschutz, warnen aber zugleich, dass der Ausbau nur im Einklang mit dem Meeresschutz erfolgen dürfe.
Klimaschutz und Meeresschutz müssten „zusammengedacht werden“, da gesunde Meere selbst essenziell für den Klimaschutz seien. Dabei bemängeln die Umweltverbände, dass der Vorbereitungsprozess des Nordseegipfels intransparent gewesen sei und NGOs unzureichend eingebunden wurden.
Der Ausbau der Windkraft, so die Umweltverbände dürfe nicht zulasten der Natur gehen. „Einige Akteure haben beim Ausbau der Windenergie auf See das Maß verloren“, sagt der Meeresexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Kim Detloff. „Ökologische Auswirkungen von massiven Lebensraumverlusten vieler Seevögel bis zu irreversiblen Veränderungen des Ökosystems Nordsee drohen unbeherrschbar zu werden.“ Das Narrativ des „Kraftwerks Nordsee“ sei fatal.
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