Der neue IWP‑Subventionsreport zeigt erstmals im Detail, wer Bundessubventionen erhält – und zeichnet das Bild eines stark wachsenden, wenig transparenten Schweizer Subventionsstaats.

Für 2025 weist der Bund ein ausgabeseitiges Subventionsvolumen von rund 48,6 Milliarden Franken aus; mehr als die Hälfte der laufenden Bundesausgaben fliesst damit in Subventionen, was über 6 Prozent des Bruttoinlandproduktes entspricht. Inflationsbereinigt sind die Subventionen seit 2015 um 9 Milliarden Franken beziehungsweise 22,8 Prozent gestiegen, bis 2028 soll das Volumen real um weitere 2,6 Milliarden oder 5,4 Prozent wachsen.

Sugar beets are harvested by means of a beet harvester, photographed in Wildegg, in the Canton of Aargau, Switzerland, on November 12, 2019

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Die zehn grössten Positionen vereinen fast drei Viertel des Gesamtvolumens; dominierend sind die Zuschüsse an AHV, IV und Bahninfrastrukturfonds sowie die Direktzahlungen an die Landwirtschaft.

Die AHV erhielt seit 2015 real 116,9 Milliarden an Bundeszuschüssen (11,9 Mrd. im Jahr 2025).
Der öffentliche Verkehr bekam 54,5 Milliarden (5,7 Mrd. 2025).
Die IV kassierte 43,4 Milliarden (4,2 Mrd. 2025).
Kürzungen musste nur die Landwirtschaft hinnehmen: Sie erhielt 2,8 Milliarden im letzten Jahr.

Insgesamt wurden 20.641 Empfänger identifiziert, die vom Geldsegen profitieren. Rund 82 Prozent der Zahlungen fliessen an staatliche oder staatsnahe Akteure – Sozialversicherungen, Kantone, Bund, staatsnahe Unternehmen wie die SBB, Hochschulen und öffentliche Infrastrukturträger. Die SBB sind mit 2,43 Milliarden der volumenmässig grösste Einzelbezüger.

«Allein die Anzahl der Subventionsempfänger verdeutlicht die Komplexität und Grösse des Subventionsapparats. Das verringert die Transparenz und erschwert die demokratische Kontrolle der öffentlichen Mittelverwendung für die Bürger», sagt Prof. Christoph A. Schaltegger, Direktor des IWP und Co-Autor der Studie. «Tausende Subventionszahlungen dominieren das Budget in Bundesbern. Mit dem IWP-Subventionsreport wird zum ersten Mal umfassend dargelegt, an wen die Steuergelder tatsächlich fliessen. Es ist eigentlich erstaunlich, dass bisher noch keine gebündelte Veröffentlichung der Daten durch staatliche Stellen erfolgte», ergänzt der IWP-Forscher und leitende Autor der Studie Dr. Martin Mosler.

Ökonomisch bewertet die Studie Subventionen vor allem danach, ob sie öffentliche Güter bereitstellen, Externalitäten internalisieren oder Grundversorgung sichern – oder ob es sich um industriepolitische Privilegien mit starken Verzerrungen handelt. Am Beispiel Landwirtschaft zeigt sie die Ambivalenz: Die Direktzahlungen von 2,812 Milliarden werden mit Kulturlandschaft, Biodiversität und Versorgungssicherheit begründet, stehen aber einer hohen Umweltbelastung, ausgeprägtem Protektionismus, hohen Verbraucherpreisen und internationalen Wettbewerbsverzerrungen gegenüber. Subventionen machen rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Bruttoeinnahmen aus; kaufkraftbereinigt liegen die Lebensmittelpreise etwa 70 Prozent über dem EU‑Durchschnitt, Fleischpreise sogar etwa 130 Prozent.

Kritisch beurteilt die Studie zudem zentrale klimapolitische Subventionen: Netzzuschlagsfonds und Gebäudeprogramm (zusammen rund 1,6 Milliarden) gelten als ineffizient, weil sie mit CO2‑Handels-Systemen konkurrieren, hohe Vermeidungskosten erzeugen und ausgeprägte Trittbrettfahrereffekte aufweisen. Weitere problematische Posten sind etwa 107 Millionen zugunsten der Luftfahrt oder 47 Millionen für die Filmförderung, deren Nutzen primär branchenpolitisch sei.​ Insgesamt zeigt der Bericht, dass zwar ein Teil der Subventionen ökonomisch begründbar ist, ein grosser Anteil aber ineffiziente Anreize setzt, Wettbewerb verzerrt oder klimapolitisch verpufft.​

Mit Blick auf Schuldenbremse, Entlastungspakete und eine drohende Fiskallücke sieht der Report in der Subventionspolitik den zentralen Spielraum zur Stabilisierung der Bundesfinanzen, ohne zwingend Steuern zu erhöhen. Der Abbau verzerrender, ökologisch schädlicher oder sozial schlecht zielgenauer Subventionen könnte fiskalische Entlastung, Effizienzgewinne und ökologische Verbesserungen gleichzeitig ermöglichen. Vorgeschlagen werden institutionelle Reformen: ein öffentliches, von der Eidgenössischen Finanzverwaltung geführtes Register der Subventionsempfänger, ein explizites Prüfmandat der Eidgenössischen Finanzkontrolle mit regelmässigen Berichten an das Parlament, ein niederschwelliges Finanz‑ beziehungsweise Subventionsreferendum auf Bundesebene sowie eine Modernisierung der IT‑ und Rechnungslegungsinfrastruktur der Bundesverwaltung.

In der Summe plädiert der IWP‑Subventionsreport für eine Subventionsreform, die ökonomische Effizienz, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Zielgenauigkeit verbindet – und damit den Subventionsstaat verkleinert, ohne den Leistungsstaat zu schwächen.