Menschenhandel nimmt in Luxemburg weiter zu. Dies bestätigt der neue Bericht der beratenden Kommission für Menschenrechte (CCDH). „Die Zahlen geben kein komplettes Bild. Wir sind davon überzeugt, dass die Realität viel düsterer ist“, erklärte Fabienne Rossler, Generalsekretärin des CCDH, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Vor diesem Hintergrund stellen sich einige Fragen: Wer sind die Opfer von Menschenhandel? Wo findet er statt und welche Verbesserungen verlangt die CCDH? Das „Luxemburger Wort“ hat den Bericht analysiert.

Gibt es in Luxemburg Menschenhandel?

Ja. Die Zahl der Opfer steigt seit Anfang der 2010er-Jahre kontinuierlich an. In den Jahren 2023 und 2024 wurden in Luxemburg 152 Personen als Betroffene von Menschenhandel registriert. Von 2010 bis 2016 lag die Gesamtzahl bei 79 Fällen. Laut Rossler sind die hohen Zahlen unter anderem auf eine große Zwangsprostitutionsaffäre mit 86 Opfern, hauptsächlich aus Russland und der Ukraine, zurückzuführen, die im Jahr 2021 von der Polizei aufgedeckt wurde.

Aufgrund der Illegalität des Menschenhandels können viele Opfer nicht identifiziert werden. Die Generalsekretärin unterstreicht, dass der Zugang zu den identifizierten Betroffenen kompliziert ist.

Wer sind die Opfer in Luxemburg?

Laut dem CCDH-Bericht waren 2023 und 2024 83 Frauen und 69 Männer von Menschenhandel betroffen. Frauen waren dabei einem höheren Risiko ausgesetzt, insbesondere der sexuellen Ausbeutung.

Der Großteil der Betroffenen ist zwischen 23 und 40 Jahre alt. Im Jahr 2024 wurde ein minderjähriges Opfer im Alter von zwölf bis 17 Jahren identifiziert, bei dem es Hinweise auf einen „Verkauf“ gab. „Dies konnte jedoch nicht bestätigt werden“, betont die Generalsekretärin. Die meisten Opfer stammen aus Nicht-EU-Staaten wie China, Russland, der Ukraine und Albanien.

„Bei Schlussfolgerungen mit diesen Zahlen sollte man vorsichtig sein, damit es nicht zu Stereotypen kommt“, warnt die Generalsekretärin.

Wo findet Menschenhandel statt?

Im Bericht wird Menschenhandel in zwei Kategorien aufgelistet: sexuelle Ausbeutung und Ausbeutung im Arbeitswesen. Frauen sind überwiegend von sexueller Ausbeutung betroffen, Männer stärker von Arbeitsausbeutung.

Ein Bereich, der sich in den vergangenen Jahren stark in Bezug auf Menschenhandel entwickelt hat, ist der Horeca-Bereich (Hotellerie, Gastronomie und Cafés). Die Zahl der Fälle stieg von vier im Jahr 2014 auf 28 im Jahr 2023 und 22 im Jahr 2024. Hier stammen die vorwiegend männlichen Betroffenen hauptsächlich aus China. Von Menschenhandel betroffen ist ebenfalls das Bauwesen. Hier stieg die Zahl von zwei Fällen im Jahr 2014 auf 20 im Jahr 2023. Die meisten Opfer sind Männer albanischer Abstammung.

Das CCDH weist darauf hin, dass Menschenhandel zunehmend über Onlineplattformen stattfindet. So wurden von den 152 Opfern in den Jahren 2023 und 2024 ganze 51 online rekrutiert.

Wie werden diese Statistiken erhoben?

Die im Bericht des CCDH verwendeten Statistiken stammen aus der Datenbank der Kriminalpolizei und von den verschiedenen involvierten Akteuren wie der „Inspection du travail et des mines“ (ITM). Diese ist befugt, Personen, die vom Menschenhandel betroffen sind, zu identifizieren. In den vergangenen Jahren soll die Sammlung von Daten sich verbessert haben. „Aber die Kriminalpolizei benutzt noch immer eine Excel-Tabelle, die für die Anzahl der Fälle nicht ausreichend ist und nicht die ideale Lösung ist, um Menschenhandel in Luxemburg zu verfolgen“, betonte Rossler.

In die Statistiken fließen sowohl identifizierte als auch mutmaßliche Opfer ein. Seit 2022 identifiziert die Polizei auch Personen, die von „InfoTraite“, einem Hilfedienst für Opfer von Menschenhandel, gemeldet werden. 2022 wurde eine weitere Kategorie in die Statistiken der Polizei eingeführt. Dabei handelt es sich um Fälle, die von der ITM an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden. Der Zusatz beider Kategorien soll dabei helfen, die Problematik im Großherzogtum besser zu verstehen.

Während der Pressekonferenz wies die Generalsekretärin des CCDH darauf hin, dass die ITM proaktiver arbeite und somit mehr Betroffene identifizieren könne.

Lesen Sie auch:Strafrechtler bemängelt lückenhafte Kriminalstatistik in Luxemburg

Die Berichterstatter weisen darauf hin, dass sie während der Sammlung der statistischen Daten auf mehrere „anhaltende Hindernisse“ gestoßen sind. Dazu zähle die Excel-Tabelle der Kriminalpolizei. Die CCDH sieht diese als unzureichend an und fordert ein professionelleres Datensystem.

Was genau wird bemängelt und wie soll es verbessert werden?

In dem 212-seitigen Bericht der CCDH werden einige Mängel aufgezeigt und gleichzeitig diverse Verbesserungen empfohlen. Unter anderem werden der Begleitausschuss und die Datensammlung der Kriminalpolizei angesprochen.

Ein dem Justizministerium unterstehender Begleitausschuss koordiniert die Aktivitäten zur Vorbeugung und Bekämpfung von Menschenhandel. Dieser Ausschuss sollte sich mindestens dreimal im Jahr treffen, kam im Jahr 2024 aber nur einmal zusammen. Die CCDH bemängelt die interne Koordination des Begleitausschusses als „ineffizient“. Auch die Empfehlung, einen Koordinator auf nationaler Ebene einzusetzen, wurde nicht umgesetzt.

Im Bericht wird gefordert, den nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Menschenhandel aus dem Jahr 2016 zu aktualisieren, der seitdem nicht überarbeitet wurde.

Lesen Sie auch:Warum Luxemburg Daten zu LGBTIQ-feindlichen Übergriffen braucht

Um die statistischen Daten besser erfassen zu können, empfiehlt die CCDH, die Excel-Tabelle der Kriminalpolizei zu ersetzen und eine offizielle Zusammenarbeit mit dem Statec einzugehen. Für die CCDH wäre eine weitreichendere Datensammlung ratsam, in der sowohl alle Informationen zu den Opfern, wie zur Begleitung oder zum Statuswechsel, als auch zu den Tätern erfasst werden.

„Luxemburg hat noch immer kein Zeugenschutzprogramm“, bemängelt Noémie Sadler, Präsidentin des CCDH. Bereits in ihren Berichten von 2021 und 2024 hatte sie ein solches Programm gefordert. Laut dem CCDH würde ein solches Programm die Bekämpfung von Menschenhandel verstärken.

Die CCDH sieht eine positive Entwicklung in der Aus- und Fortbildung der Akteure, die an der Bekämpfung von Menschenhandel beteiligt sind. Dadurch habe sich Identifizierung und Behandlung von Opfern verbessert. Dies betrifft sowohl die Justiz mit Fortbildungen für Richter als auch involvierte NGOs. Die CCDH empfiehlt, diese Maßnahmen zu intensivieren.