Die Schweizer Detailhändler rechnen mit einem schlechten Jahr. Doch aktuelle Daten zeigen: Nicht alle Branchen leiden. Für Lebensmittel geben die Menschen etwa mehr Geld aus, während Kleider-Läden darben. Die Gründe.
31.01.2026, 06:0531.01.2026, 06:05
Stefan Ehrbar / ch media
Der Detailhandel leidet. Läden schliessen, Preise sinken, Flächen bleiben leer. Der Branchenverband Swiss Retail Federation teilte vor kurzem mit, die Umsätze seien 2025 unter jenen des Vorjahres geblieben – laut ersten Auswertungen um bis zu 1,3 Prozent. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Der tiefen Inflation, Reallohnerhöhungen und einem Preiskampf im Detailhandel stünden etwa höhere Prämien für die Krankenkassen gegenüber. Die Haushalte würden «auf die Ausgabenbremse treten». «Es bereitet uns Sorge», wird Direktorin Dagmar Jenni zitiert.
Der Rubel rollt: Die Händler an der Zürcher Bahnhofstrasse sind optimistisch.bild: keystone
Doch ist der Pessimismus berechtigt? Jüngere Daten zeichnen ein differenziertes Bild. Das Weihnachtsgeschäft lief überdurchschnittlich gut, wie die Swiss Retail Federation einräumt – ab Mitte Dezember sogar «sehr gut». Zum Teil wurden Rekorde erzielt. An der Zürcher Bahnhofstrasse waren am 13. Dezember über 86’000 Menschen unterwegs, so viele wie nie seit Beginn der Erhebung der Daten (ausgenommen Tage mit Grossanlässen). Auch in der St. Galler Einkaufsmeile Multergasse oder in der Freien Strasse in Basel waren mehr Menschen unterwegs als in den Vorjahren.
Hohe Passantenfrequenzen schlagen sich zwar nicht automatisch in höheren Umsätzen nieder, sagt Fanny Eisl, die Geschäftsführerin der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. Doch aus zahlreichen Rückmeldungen einzelner Betriebe ergebe sich «ein sehr positives Bild»: «Die Stimmung unter den Mietern war deutlich besser als erwartet».
Auch das Jahr 2025 als ganzes sei an der Bahnhofstrase als positiv wahrgenommen worden. Das liege auch an den ausländischen Gästen: «Der Tourismus war gut und kaufkräftig». Für dieses Jahr würden viele Mieter mit einem «anspruchsvollen Jahr» rechnen, sagt Eisl. Aber: «Sie bleiben vorsichtig zuversichtlich»
Erste Daten für das neue Jahr zeigen: Neben Verlierern gibt es auch Gewinner. Während die einen Händler sogar mit klassischen Läden zulegen, müssen andere wegen der Online-Konkurrenz und der Zurückhaltung der Konsumenten die Segel streichen. Drei Trends lassen sich derzeit ausmachen.
Letzteres bestätigt Bahnhofstrassen-Managerin Fanny Eisl. Frequenztreiber wie die Weihnachtsbeleuchtung oder Events hätten einen starken Einfluss darauf, wie die Strasse wahrgenommen werde. Auch die Aufenthaltsqualität werde wichtiger.
Städte, aber auch Betreiber von Einkaufszentren sind deshalb gefordert, in das Angebot zu investieren. Problematisch ist diese Entwicklung vor allem für kleinere Städte und Malls. Ihnen fehlen oft die nötigen Mittel. Diese Entwicklung zeigt sich etwa in Rapperswil-Jona, wo ein Einkaufszentrum gleich beim Bahnhof laut der «Linth-Zeitung» beinahe alle Mieter verloren hat, oder im vergleichsweise kleinen Schönbühl-Center in Luzern, das vom «Blick» schon als «Geister-Shoppi» bezeichnet wird. Ob es sich um Einzelfälle handelt oder um ein systemisches Problem, werden die nächsten Monate zeigen.