DruckenTeilen
Generalinspekteur Breuer warnt: Ein russischer Angriff auf die NATO ist womöglich schon vor 2029 denkbar.
Moskau – Die Warnung ist klar und konkret: Nach Einschätzung der Bundeswehr könnte Russland bereits in wenigen Jahren in der Lage sein, NATO-Staaten anzugreifen – möglicherweise früher als bislang angenommen.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hält einen russischen Angriff auf das Bündnis spätestens bis 2029 für möglich. „Die verschiedenen Indikatoren – Aufrüstung, Personalaufbau, wirtschaftliche und politische Entwicklungen – laufen auf einen Punkt zu: 2029. Könnte es früher passieren? Ja“, sagte Breuer in einem Interview mit seinem britischen Kollegen Richard Knighton der Süddeutschen Zeitung, wie European Pravda berichtet.

Generalinspekteur Breuer warnt: Ein russischer Angriff auf die NATO ist womöglich schon vor 2029 denkbar. © © IMAGO / ITAR-TASS / Symbolbild
Breuer verwies auf mehrere parallele Entwicklungen in Russland, die diese Einschätzung stützten. Dazu zählten vor allem die Aufrüstung der Streitkräfte und strukturelle Veränderungen im politischen und wirtschaftlichen System. Die NATO müsse deshalb ihre Einsatzbereitschaft kurzfristig erhöhen, militärische Fähigkeiten gezielt ausbauen und langfristig technologische Überlegenheit sichern.
Bundeswehr sieht mögliches Angriffsfenster bis 2029
Knighton erklärte in demselben Gespräch, ein exaktes Datum lasse sich nicht festlegen. Die Bedrohung nehme jedoch erkennbar zu. Russland sammle im Krieg in der Ukraine fortlaufend Erfahrungen, entwickle neue Technologien und habe bereits gezeigt, dass es bereit sei, souveräne Staaten anzugreifen.
US-Truppenabzug fällt in Phase wachsender Bedrohungsanalysen
Die Einschätzungen aus Militärkreisen fallen mit konkreten Entscheidungen der USA zusammen. Wie die New York Times unter Berufung auf drei US-Armeevertreter berichtet, stoppte das Verteidigungsministerium kurzfristig die geplante Verlegung von mehr als 4000 Soldaten nach Polen.
Militärparade am Tag des Sieges: Putins Verluste werden in Moskau deutlich

Es handelt sich demnach um die zweite größere Reduzierung amerikanischer Truppen in Europa innerhalb weniger Wochen. Zuvor hatte das Pentagon angekündigt, rund 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen und in die USA sowie an andere Standorte zu verlegen. Zudem wurde ein Plan gestrichen, eine mit Raketen ausgestattete Artillerieeinheit in Europa zu stationieren.
Die Entscheidungen trafen viele Militärvertreter laut dem Bericht überraschend. Sie fallen in eine Phase, in der europäische Sicherheitsbehörden verstärkt vor einer möglichen militärischen Bedrohung durch Russland warnen.
Analyse: Russland trotz Ukraine-Krieg zu begrenzten Angriffen fähig
Eine Analyse des Institute for the Study of War kommt zu dem Schluss, dass Russland trotz der laufenden Kampfhandlungen in der Ukraine weiterhin militärische Optionen gegenüber NATO-Staaten behält. Eine groß angelegte Offensive sei derzeit unwahrscheinlich, solange erhebliche Kräfte im Ukraine-Krieg gebunden seien.
Begrenzte militärische Operationen gegen einzelne NATO-Staaten seien jedoch wahrscheinlich möglich. Entscheidend sei dabei nicht allein der vollständige Wiederaufbau der russischen Streitkräfte, sondern der Zeitpunkt, zu dem die militärische Führung Russlands ihre Fähigkeiten als ausreichend für offensive Aktionen einschätze.
Die Analyse hebt zudem hervor, dass die ukrainischen Streitkräfte derzeit eine zentrale Rolle bei der Eindämmung russischer Vorstöße spielen. Sie verfügten über umfangreiche Kampferfahrung und hätten ihre Verteidigungsstrukturen kontinuierlich angepasst. Vergleichbare Fähigkeiten seien in NATO-Staaten an der Ostflanke bislang nicht im gleichen Umfang vorhanden.