Mindestens zwölf weitere Gemeinden in Sangaredi beklagen Landraub und die Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen: Brunnen und Quellen sind versiegt oder durch Dreck und Sedimente unbrauchbar geworden. Frauen müssen immer weitere Wege zurücklegen, um Wasser zu holen. Die Artenvielfalt schwindet und mit ihr Arzneipflanzen, seltene Tier- und Vogelarten. Nutztiere haben kaum Überlebenschancen.
Roter Staub, der durch die Bergbauaktivitäten entsteht, macht Äcker und Gärten unbrauchbar, dringt in Häuser und macht Menschen krank. Wenn tieferliegende Bauxit-Schichten mit Dynamit aufgesprengt werden, vertreiben Lärm und herumfliegende Steine Wildtiere und verletzen Menschen.
Mine mit Nachhaltigkeitssiegel zertifiziert
Seit langem fordern die landwirtschaftlich geprägten Dorfgemeinschaften angemessene Entschädigungen, Zugang zu sauberem Trinkwasser und ein Ende der gesundheitsschädlichen Staubbelastung. 2019 reichten deshalb 13 Dörfer eine Beschwerde bei der Weltbank ein, die eine Erweiterung der CBG-Mine durch einen Kredit mitfinanziert hat. Für die gleiche Minenerweiterung hat sich die Bundesregierung in Form einer ungebundenen Finanzkreditgarantie verbürgt. Aus Sicht der Betroffenen hat sich nach vier Jahren Verhandlung nur wenig verbessert. Trotzdem wurde die Mine kürzlich durch die Aluminium Stewardship Initiative, einem Branchensiegel für nachhaltige Beschaffung, zertifiziert.
„ASI behauptet, verantwortungsvolle Beschaffung zu fördern, aber die Zertifizierung der CBG-Mine zum jetzigen Zeitpunkt bewirkt das Gegenteil – es ist Greenwashing. Sie sendet ein Signal an den Markt, einschließlich der Autohersteller, dass CBG die jahrzehntelange Landnahme wiedergutgemacht hat. CBG hat zwar Schritte unternommen, um sich zu verbessern, und wir hoffen, dass sich diese Fortschritte fortsetzen, aber der Großteil des Schadens, den sie verursacht hat, ist noch nicht behoben“, sagte Mohamed Lamine Diaby, Direktor der guineischen NRO ADREMGUI.
Deutschland trägt Verantwortung
Die notwendigen Maßnahmen sind seit langem klar, werden aber von den Bergbauunternehmen nur schleppend oder gar nicht umgesetzt. Die guineische Zivilgesellschaft und Bergbaubetroffene fordern vor allem Entschädigungen für Landraub und Umweltzerstörung sowie eine maßgebliche Rolle bei der Planung von Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen. Deutsche Unternehmen, die Bauxit aus Guinea beziehen, und die Bundesregierung müssen endlich ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und sich für eine Verbesserung der Situation vor Ort einsetzen. Automobilhersteller wie Mercedes, BMW und Audi, aber auch Kreditgeber wie die ING DiBA tragen hier eine besondere Verantwortung.
Sowohl Unternehmen als auch Bundesregierung wissen mittlerweile um die Menschenrechts- und Umweltsituation vor Ort. Jetzt geht es darum zu handeln. Deutsche Unternehmen sollten die Minenbetreiber auffordern, Abhilfe- und Präventionsmaßnahmen für die Probleme endlich umzusetzen. Betroffenen Gemeinden sollte sowohl in der Ausgestaltung der Maßnahmen als auch in der Überprüfung der Umsetzung eine zentrale Rolle zukommen.
Parallel dazu braucht es Maßnahmen, um den deutschen bzw. europäischen Rohstoffverbrauch zu senken und dadurch die Gemeinden in Bergbauregionen zu entlasten. Weniger und kleinere Autos, ressourcensparendes Bauen und verstärkte Kreislaufführung können einen Beitrag dazu leisten.
Zudem müssen Kreditgeber wie die ING DiBa sowie die Bundesregierung, die sich für den Kredit verbürgt hat, Vergabekriterien nachschärfen und deren Einhaltung überprüfen, um zu verhindern das mit dem Geld Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen ermöglicht werden. Banken sollten außerdem für die durch ihre Kredite entstandenen Schäden haftbar gemacht werden.
Zentral für alle diese Schritte ist, die Einbindung der betroffenen Gemeinden und ihrer Vertreter:innen. Denn ob und welche Maßnahmen wirksam sind, kann niemand besser beurteilen als die Menschen vor Ort.
Gastbeitrag von Hendrik Schnittker, Referent für Energie- und Rohstoffwende bei PowerShift e.V.