Der Chef der Einheitsregierung in Libyen, Fajes al-Sarradsch, hat nach den tagelangen Demonstrationen sein Kabinett umgebildet. Der bisherige Vizeverteidigungsminister Salah Eddine al-Namrusch ist zum Verteidigungsminister befördert worden, der General Mohammad Ali al-Haddad wird neuer Armeechef. Innenminister Fathi Baschagha wurde bereits suspendiert.
In Tripolis und weiteren westlibyschen Städten, die sich unter der
Kontrolle der Einheitsregierung befinden, hatte es zuletzt massive
Proteste gegen die politische Elite gegeben. Hunderte Demonstrierende
forderten unter anderem ein Ende der Korruption sowie der Energie- und
Wasserkürzungen. Sicherheitskräfte waren teils mit scharfer Munition
gegen die Demonstrierenden vorgegangen.
Als Reaktion auf die Proteste hatte Sarradsch einen Umbau des Kabinetts versprochen. Laut einer Mitteilung wurde Innenminister Baschagha wegen seiner „Äußerungen zu den Protesten und Vorfällen in Tripolis und anderen Städten“ suspendiert. Dieser sagte vor seinen Anhängern, dass er bereit sei, befragt zu werden. „Ich habe nichts zu verbergen.“ Er verurteilte zudem die weitverbreitete Korruption „in allen Sektoren“ des Landes. Baschagha wird von den Sicherheitsbehörden in Libyen unterstützt.
Nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägt. Seit 2015 befindet sich die Einheitsregierung im Bürgerkrieg mit dem General Chalifa Haftar, dessen Truppen große Teile im Osten und Süden des Landes kontrollieren. Zuletzt hatten beide Parteien in getrennten Erklärungen einen Waffenstillstand ausgerufen.