In Kenia sind bei landesweiten Protesten gegen die Regierung im Gedenken an die tödlichen Proteste vor einem Jahr mindestens acht Menschen getötet worden. Aus einer Erklärung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International geht hervor, dass zudem 400 Personen verletzt wurden, darunter Demonstrierende, Polizisten und Journalisten.
Die Polizei soll Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstrierenden eingesetzt haben, wie Medien und ein Vertreter des Roten Kreuzes berichteten. Auch Schüsse sollen gefallen sein. Der Stellungnahme zufolge werden momentan acht Menschen mit Schusswunden behandelt. Eine Erklärung der Polizei lag zunächst nicht vor.
60 Menschen starben bei Demonstrationen vor einem Jahr
Die Demonstration wollte mit Kundgebungen an die tödlichen Proteste gegen eine Steuerreform vor einem Jahr erinnern. „Wir kämpfen für die Rechte unserer jugendlichen Altersgenossen und Kenianer und für die Menschen, die seit dem 25. Juni gestorben sind“, sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur Reuters in Nairobi.
Die Proteste vor einem Jahr richteten sich gegen das Steuergesetz der Regierung von Präsident William Ruto, das mit höheren Steuern, etwa auf Grundnahrungsmittel, die Lebenshaltungskosten weiter in die Höhe zu treiben drohte. Einige Demonstranten versuchten, die Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen. Die Polizei ging dagegen mit Härte vor. Insgesamt starben 60 Menschen. Obwohl Ruto die umstrittenen Steuererhöhungen zurückzog, hielt die öffentliche Wut über die Gewalt der Sicherheitskräfte an.
Ähnliches Vorgehen der Polizei wie vor einem Jahr
In Nairobi sperrte die Polizei vom frühen Morgen an alle großen Zufahrtsstraßen, wodurch vielen Teilnehmern des Protests der Weg in die Innenstadt erschwert wurde. Zudem wurden Regierungsgebäude mit Stacheldraht abgeriegelt. Auch in anderen Städten des Landes gab es Berichte über Proteste. In der
Stadt Kikuyu am Rande von Nairobi sollen Demonstranten ein
Gerichtsgebäude in
Brand gesetzt haben. Die kenianische Regierung hatte Radio- und Fernsehsender angewiesen, die Live-Berichterstattung über die Proteste einzustellen. Sowohl der Herausgeberverband als auch Oppositionspolitiker versuchten, einen Gerichtsbeschluss gegen diese Anordnung zu erwirken.
Die deutsche Botschaft rief die in dem ostafrikanischen Land lebenden Deutschen dazu auf, nur notwendige Fahrten zu unternehmen. Aus mehreren Orten gab es Berichte über Plünderungen am Rande der Proteste.
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