Der Präsident des Rates, Giorgia Meloniwird am Mittwoch, dem 25. März, dem ersten Tag nach dem Ende von Eid al-Fitr, dem Fest zum Abschluss des Ramadan, nach Algier reisen. Der Besuch wurde am 3. Februar, kurz vor dem Ende des islamischen Fastenmonats, nach einem Telefongespräch zwischen Meloni und dem algerischen Präsidenten angekündigt. Abdelmadjid TebbouneDie Mission wurde daher lange vor dem Konflikt im Iran vereinbart, der durch die militärische Intervention Israels und der USA am 28. Februar ausgelöst wurde und das globale geopolitische Gleichgewicht sowie die internationalen Märkte erschütterte. In diesem Sinne findet der heutige Besuch in einem grundlegend veränderten energie- und strategischen Kontext statt und gewinnt dadurch noch mehr Bedeutung. Das Treffen zwischen Meloni und Tebboune zielt darauf ab, die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Italien und Algerien, strategischen Partnern im Mittelmeerraum, zu stärken, insbesondere im Gassektor angesichts der starken Spannungen auf den internationalen Märkten. Die Mission findet vor dem Hintergrund der Instabilität im Nahen Osten und der Risiken für wichtige globale Energierouten statt – Faktoren, die europäische Länder dazu veranlassen, ihre Beziehungen zu zuverlässigen und geografisch nahen Lieferanten zu festigen. In diesem Kontext bleibt Algerien aufgrund der garantierten Mengen und der relativen Versorgungssicherheit ein wichtiger Partner für Rom.
„Der globale Energiemarkt steht unter starkem Druck, auch aufgrund der Risiken, die die Golfregion betreffen“, erklärt er gegenüber „Nova Agentur“ der algerische Analyst Redouane KhelifIn diesem Kontext stellt Algerien eine glaubwürdige, stabile und sofort verfügbare Alternative für Europa dar, insbesondere nach dem Rückgang der russischen Lieferungen infolge des Ukraine-Krieges. Algerisches Gas bleibt hinsichtlich der Liefermengen ein Eckpfeiler der italienischen Energiesicherheit. Laut Berechnungen von Nova auf Basis von Branchenzahlen importierte Italien im Jahr 2025 rund 20,1 Milliarden Kubikmeter Gas aus Algerien über die TransMed-Pipeline, was etwa 31 Prozent der Gesamtimporte entspricht. Die TransMed-Pipeline ist somit weiterhin eine Schlüsselinfrastruktur, bietet aber kurzfristig nur begrenztes Wachstumspotenzial. Sie ist nach Enrico Mattei, dem Gründer von Eni, benannt und ein Symbol der Energiekooperation zwischen Italien und Algerien seit den Jahren der Unabhängigkeit. Die Pipeline-Lieferungen, die durch langfristige Verträge zwischen Eni und Sonatrach – die 2027 auslaufen – geregelt sind, gewährleisten Stabilität und Kontinuität, bieten aber kurzfristig nur begrenztes Wachstumspotenzial.
Gleichzeitig gewinnt algerisches Flüssigerdgas (LNG), das flexibler ist und stärker von der Dynamik des Spotmarktes abhängt, an Bedeutung. Im Jahr 2025 erreichten 47 von insgesamt 221 LNG-Lieferungen aus Algerien Italien, was etwa 21 Prozent entspricht. Im Vergleich dazu waren es 2024 nur 31 von 150 Lieferungen. Dieser Trend verdeutlicht die Notwendigkeit, die Bezugsquellen zu diversifizieren und schnell auf potenzielle Angebotsengpässe zu reagieren. Algerien verfolgt eine offensivere Preisstrategie. Laut der Fachplattform „Attaqa“ erwägen die algerischen Behörden, jegliche Erhöhungen der Exportmengen an eine Neuverhandlung der Preise, angepasst an die internationalen Preise, zu knüpfen. Vorliegende Indizien deuten auf mögliche Steigerungen zwischen 15 und 20 Prozent bei zusätzlichen Lieferungen hin, sowohl per Pipeline als auch in Form von LNG, zu einem Zeitpunkt, an dem die europäischen Preise 70 US-Dollar pro Megawattstunde überschritten haben.
Die Stärkung der Energiekooperation ist Teil eines wachsenden bilateralen Wirtschaftsrahmens. Im Jahr 2025 erreichte der Handel zwischen Italien und Algerien 12,98 Milliarden Euro. Die italienischen Exporte in das nordafrikanische Land beliefen sich auf 3,2 Milliarden Euro (+13,8 %), während die Importe – 9,78 Milliarden Euro – weiterhin stark auf Energie konzentriert sind, wobei Gas etwa 83 % des Gesamtvolumens ausmacht. Neben dem Energiebereich zielt Melonis Besuch darauf ab, die industrielle Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken. Zu den Gesprächsthemen gehören Infrastrukturentwicklung, Investitionsförderung und die Festigung der Präsenz italienischer Unternehmen in Algerien. In diesem Zusammenhang wird auch die Möglichkeit der Gründung einer italienisch-algerischen Handelskammer erörtert, um den Handel zu erleichtern und den wirtschaftlichen Dialog zwischen den beiden Ländern zu strukturieren.
Nicht nur Gas: Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf weitere strategische Sektoren. Im Automobilsektor beispielsweise betreibt die Stellantis-Gruppe ein Werk in Oran, das mit der Marke Fiat verbunden ist. Im Agrar- und Lebensmittelsektor hat BF Spa Projekte zum Anbau von Hartweizen und zur Nudelproduktion initiiert und trägt so zur landwirtschaftlichen Entwicklung in Wüstengebieten bei. Die morgige Mission ist daher ein wichtiger Schritt zur Festigung der Partnerschaft zwischen Rom und Algier in einer Zeit, in der sich die globalen Energiebilanzen neu definieren. Algerien bestätigt zudem seine Rolle als Schlüsselland im Mattei-Plan für Afrika, mit bereits laufenden Initiativen in den Bereichen Ausbildung und agrarindustrielle Entwicklung. „In einem polarisierten globalen Kontext stellt Algerien eine der wenigen stabilen Optionen dar, die sich weder vollständig dem russischen, dem Golf- noch dem US-amerikanischen Block anschließt, was dem Land einen bedeutenden strategischen Vorteil verschafft“, so Khelif abschließend.
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