Frauen halten Familien am Leben, werden aber weiterhin ausgeschlossen
In vielen Haushalten sind Frauen heute die wichtigsten Ernährerinnen. Während Männer ihre Einkommensquelle in Viehzucht und Landwirtschaft durch die Dürre verloren haben, sichern Frauen das tägliche Überleben durch Kleinhandel oder das Sammeln und Verkaufen von Brennholz. Was früher als ergänzender Beitrag galt, ist heute oft die einzige Einkommensquelle. Trotz ihrer wachsenden wirtschaftlichen Rolle werden Frauen weiterhin nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen und haben nur eingeschränkten Zugang zu Finanzmitteln. Gleichzeitig übernehmen Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit – eine extreme Doppelbelastung.
Programme der humanitären Hilfe können helfen, die zentrale Rolle von Frauen in der Wirtschaft zu stärken. Wenn Frauen Zugang zu Einkommen und Finanzmitteln, beispielsweise über Spargruppen, haben, profitiert die ganze Familie. Die ganze Gemeinschaft profitiert, wenn Frauen in Entscheidungen eingebunden werden. Wichtig in der Programmarbeit ist: Wirtschaftliche Stärkung muss damit einhergehen, dass Frauen und Mädchen sichere Bewegungsräume haben, sie in der Care-Arbeit entlastet werden – etwa durch Betreuungsangebote – und dass Männer eingebunden werden, um familiäre Konflikte zu vermeiden.
„Die Krise bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Geschlechterverhältnisse grundlegend zu verändern. Wenn humanitäre und Entwicklungsorganisationen gezielt in die wirtschaftliche Führung von Frauen, die Perspektiven für junge Menschen und gemeindebasierte Schutzsysteme investieren, könnte die derzeitige Notlage in Somalia zu einem Wendepunkt führen – hin zu gerechteren und widerstandsfähigeren Geschlechterverhältnissen“, erklärt Sadia Allin, Landesdirektorin von Plan International in Somalia.