Der Sagenrundweg „Mauritius“ führt auf gut neun Kilometern durch Obstwiesen rund um Renchen. Unterwegs warten Aussichtspunkte, Hofläden, ein Biergarten – und die Geschichte eines zu Unrecht Verurteilten.
Der Sagenrundweg „Mauritius“ führt durch die typische Obstlandschaft rund um Renchen – mit weitem Blick bis zu den Höhen des Schwarzwalds.
Foto: Susanne Rexroth
20. Mär 2026 | 14:02 Uhr
3 Minuten
17. Apr 2026
Es gibt 32 sogenannte Sagenrundwege im Ortenaukreis. Einer davon führt durch Renchen und trägt den Namen „Mauritius“. Die zugrunde liegende Geschichte ist düster: Sie erzählt von Anton Graf, der zu Unrecht zum Tode verurteilt worden sein soll und am Tag nach seiner Hinrichtung als Geist in der Kirche erschien.
Wer sich heute auf den Wanderweg mit der Nummer sieben begibt, erlebt allerdings keine schaurige Atmosphäre – sondern eine überraschend entspannte Runde durch Obstlandschaft.
Rundweg in Renchen ist barrierearm und kurz
Der Rundweg beginnt am Friedhofsparkplatz in Renchen, knapp einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Diese Tour ist eher Spaziergang als anspruchsvolle Wanderung. Der Weg ist gut befestigt und überwiegend asphaltiert. Kinderwagen, Rollstuhl oder Fahrrad mit Anhänger kommen problemlos voran. Auch der Höhenunterschied von nur rund 32 Metern ist kaum der Rede wert.
Gleich zu Beginn wartet ein kleiner Höhepunkt der Runde: der alte Wasserturm auf dem Schlossberg. Von hier aus öffnet sich eine schöne Übersicht über Renchen. Im kleinen Park laden Bänke zum kurzen Innehalten ein – mit Blick über die Dächer der Stadt und hinaus ins Rheintal. Auf einer der Tafeln erzählt das kleine Gespenst die Geschichte des alten Schlosses.
Die Route führt bald in Richtung Ulm. Bei schönem Wetter lässt sich dort eine Pause im Biergarten der Brauerei Bauhöfer einlegen. Unter den Kastanien sitzt man angenehm schattig – ein passender Ort, um mehr als ein Drittel der Strecke hinter sich zu lassen.
Lamas machen einen Rastplatz zur kleinen Überraschung
Unterwegs tauchen kleine Überraschungen auf. An einer Stelle steht ein etwas eigenwilliger Rastplatz – dahinter kauen Lamas seelenruhig an Grashalmen. Spätestens hier wird klar, dass dieser Weg eher heiter als gespenstisch ist.
Im letzten Drittel der Strecke erreicht man Erlach. Entlang der Straße bieten zahlreiche Hofläden frische Produkte an. Wer ohne Proviant gestartet ist, kann sich hier eindecken – je nach Saison mit Äpfeln, Beeren oder saisonalem Gemüse. Kurz vor Renchen schließlich verrät das Gespenst auf einer weiteren Tafel, warum auf den Rötzmatten, der einstigen Hinrichtungsstätte der Stadt, blaue Lilien geblüht haben sollen.
Am Ende der Rundwanderung führt der Weg wieder zurück in Richtung Mergelgrube. Wer die dortigen Stufen vermeiden möchte, kann stattdessen über die Weidenstraße hinuntergehen. Der Weg führt hinter der Musikschule am Simplicissimus-Haus vorbei zurück auf die Straße Richtung Friedhof. Insgesamt misst der Rundweg 9,3 Kilometer – eine Strecke, die sich ohne Eile gut bewältigen lässt.
Die Strecke führt durch die Obstwiesen der Ortenau
Der Reiz liegt weniger in sportlicher Herausforderung als in der Landschaft. Die Strecke führt durch Obstwiesen, die für die Ortenau typisch sind. Im Frühjahr blühen hier Apfel- und Kirschbäume, im Sommer und Herbst hängen die Früchte schwer an den Zweigen. Immer wieder öffnet sich der Blick zum Schwarzwald. Hornisgrinde und Schliffkopf sind bei klarer Sicht gut zu erkennen.
Der Sagenweg verläuft teilweise identisch mit dem Renchner Obstlehrpfad und überschneidet sich streckenweise auch mit dem Grimmelshausen-Rundweg. Wer aufmerksam unterwegs ist, begegnet also nicht nur regionalen Sagenfiguren, sondern auch Spuren des Schriftstellers Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen.
Orientierung bietet das Wanderwegenetz des Schwarzwaldvereins. Zwischen den Wegweisern führt die bekannte gelbe Raute durch die Landschaft. An vielen Kreuzungen weist zusätzlich ein Pfeil mit einem kleinen Sagen-Gespenst den richtigen Weg.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf den Wanderkarten QR-Codes. Ein Scan mit dem Smartphone führt direkt zur jeweiligen Tour auf der Plattform Outdooractive. Dort lässt sich die Route auch über die kostenlose App navigieren.
Dass die Wege zuverlässig markiert sind, ist nicht selbstverständlich. Im Ortenaukreis kümmern sich die Wegewarte von rund zwei Dutzend Ortsvereinen ehrenamtlich um Beschilderung und Pflege. Ihr Engagement sorgt dafür, dass aus einer alten Gespenstergeschichte vor allem eines wird: ein angenehmer Rundweg durch eine der typischen Kulturlandschaften der Ortenau.
Der Sagenrundweg „Mauritius“ verbindet eine Legende mit einem Spaziergang.
Foto: BNN-Infografik
Kurzsteckbrief: Der Sagenrundweg „Mauritius“ bei Renchen verbindet eine alte Ortenauer Legende mit einer entspannten Wanderung durch die Obstlandschaft der Rheinebene. Start der 9,3 Kilometer langen Runde ist in Renchen am Friedhofsparkplatz.
Anfahrt mit dem Auto: über die A5 (Ausfahrten Achern oder Appenweier) und die B3 nach Renchen
Anfahrt mit ÖPNV: Mit der Regionalbahn nach Renchen. Vom Bahnhof aus sind es noch rund 900 Meter bis zum Friedhofsparkplatz.
Infos und gpx-Datei: bnn.de/ap5q