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Rebellen am Sonntag in der Wüstenstadt Kidal. © AFP
Kaum jemand in der EU mag Mali die Aufmerksamkeit geben, die es braucht. Das ist ein Fehler – denn autokratische Staaten wie Russland, China und die Vereinigten Arabischen Emirate bauen ihren Einfluss in Westafrika ungehemmt weiter aus. Ein Kommentar.
Die Wüstenstadt Kidal liegt 1.500 Straßenkilometer von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt – und keine 300 von der algerischen Grenze. Es war dementsprechend ein Zeichen der Stärke, als es der im Südwesten des Landes verankerten malischen Armee mit Unterstützung von russischen Kämpfern 2023 gelang, die zuvor über viele Jahre machthabenden Tuareg-Rebellen aus Kidal zu verdrängen. Am Wochenende haben Rebellen den Ort nun wieder eingenommen, während die dschihadistische JNIM-Gruppe – ein Zusammenschluss aus al-Qaida-Ablegern – im Süden Malis militärische Ziele attackierte.
Dass die russischen Einheiten in Kidal nach Verhandlungen mit den Tuareg-Rebellen die Stadt schlicht geräumt haben, ist als krasse Niederlage für das antiwestliche Militärregime in Bamako wie auch für Russland zu werten. Man mag den Impuls haben, das positiv einzuordnen – zumal NGOs der Armee und dem „Afrikakorps“ immer wieder heftige Menschenrechtsverbrechen vorwerfen. Doch tatsächlich kann niemandem an einem weiteren Zerfall Malis gelegen sein. Der Sudan ist hier ein mahnendes Beispiel.
Schon jetzt hat Malis Junta über Teile des Landes keine Kontrolle mehr. Vor allem die JNIM-Miliz ist dabei, parallele staatliche Strukturen zu schaffen – mit islamischer Gerichtsbarkeit und dem Versprechen, ein friedliches Leben führen zu können, wenn man die Herrschaft der Gruppe anerkennt und alimentiert. Für Liquidität sorgt wie in Burkina Faso und im Sudan unter anderem der Schmuggel von Gold. Immer wieder werden bei Angriffen auch große Waffenarsenale erbeutet.
Eine erfolgversprechende Strategie, wie man diesem Teufelskreis entrinnen kann, ist nicht in Sicht. Zwar wächst die Wirtschaft in Ländern wie Mali und Burkina – doch jenseits der Hauptstadtregionen kommt davon nicht viel an. Gute Ansätze gab es im Niger – wo gezielt in vom Terrorismus betroffene Communitys investiert wurde und es Aussteigerprogramme für Terrorgruppen-Anhänger gab. Doch die zivile Regierung, die diesen Ansatz verfolgte, wurde 2023 weggeputscht.
Und Europa? Die EU ist in der Region zwar entwicklungspolitisch noch präsent. Doch eine kohärente Sahel-Strategie fehlt. Kaum jemand mag der Region angesichts der vielen weltweiten Krisen Aufmerksamkeit einräumen. Das ist ein Fehler – denn autokratische Staaten wie Russland, China und die Vereinigten Arabischen Emirate bauen ihren Einfluss ungehemmt weiter aus.