Nach Spekulationen über seine Flucht ins Ausland hat sich Madagaskars Präsident Andry Rajoelina über das Internet zu Wort gemeldet. Da sein Leben in Gefahr gewesen sei, sei er „gezwungen gewesen, einen sicheren Ort zu finden“, sagte Rajoelina in einer am Montagabend im Onlinedienst Facebook verbreiteten Videoansprache. Er machte keine Angaben dazu, wo er sich aufhält.
Der französische Sender RFI hatte zuvor berichtet, nach wochenlangen regierungskritischen Protesten sei der Staatschef am Sonntag an Bord einer französischen Militärmaschine nach Le Réunion geflogen und von dort aus mit seiner Familie an einen unbekannten Ort weitergereist. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lehnte es am Montag ab, sich zu den Berichten über Rajoelinas angebliche Flucht zu äußern, zeigte sich zugleich jedoch „große Besorgnis“ über die Lage in Madagaskar.
Demonstrationen gegen Misswirtschaft – Präsident spricht von „Putschversuchen“
In dem Inselstaat im Indischen Ozean demonstrieren seit Ende September Zehntausende junge Menschen, die Rajoelinas Rücktritt fordern. Auslöser der Aufstände waren Strom- und Wasserausfälle, Missstände im Bildungssystem sowie hohe Arbeitslosigkeit und weitverbreitete Armut. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste mindestens 22 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt.
In den vergangenen Wochen habe es „Attentate“ auf ihn und „Putschversuche“ gegeben, sagte Rajoelina in seiner Ansprache am Montag. Eine Gruppe von Politikern und Militärs habe geplant, ihn zu ermorden. Der 51-Jährige forderte die Bevölkerung des vor der Küste Ostafrikas gelegenen Inselstaats auf, „die geltende Verfassung zu respektieren“. Später erklärte er sich „offen für einen Dialog, um einen Ausweg aus dieser Situation zu finden“.
Zuletzt hatte sich Rajoelina am vergangenen Mittwoch in der Öffentlichkeit gezeigt. Seine Vertreter hatten noch am Sonntagabend Gerüchte über seine Ausreise dementiert und behauptet, dass Rajoelina sich im Bunker des Präsidentenpalasts aufhalte.
Unklarheit über mutmaßlichen Aufstand von Soldaten in Eliteeinheit
Kurz zuvor gab es einen Aufstand von Soldaten der Eliteeinheit Capsat. Die Militäreinheit hatte Rajoelina einst geholfen, nach einem Putsch an die Macht zu kommen. Nun forderten die Soldaten den Rücktritt von Rajoelina und mehreren Regierungsministern. Die Einheit teilte mit, sie habe die Kontrolle über alle Streitkräfte des Landes übernommen. Rajoelinas Büro berichtete am Sonntag, es gebe einen illegalen Putschversuch. Ein Kommandeur von Capsat, Michael Randrianirina, bestritt, dass es einen Putsch gegeben habe.
Zahlreiche Soldaten schlossen sich den Protesten an. Allerdings gibt es in Madagaskar auch eine Gendarmerie, die separat von Polizei und Militär handelt.