In der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat am Montag, den 27. April 2026, der regionale Weltgesundheitsgipfel begonnen, um die Unabhängigkeit afrikanischer Gesundheitssysteme von internationalen Hilfsgeldern und Pharma-Importen zu forcieren. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutieren unter dem Motto „Afrikas Gesundheitssysteme neu gestalten“ über robustere Strukturen angesichts sinkender Entwicklungsgelder und hoher Staatsverschuldung.

Ein zentraler Aspekt der Verhandlungen ist die Förderung der lokalen Wertschöpfung durch Partnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Unternehmen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nutzt Kenia als Pilotland, um die Entwicklungszusammenarbeit enger mit privatwirtschaftlichen Kooperationen zu verknüpfen und so die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu verringern.

Die kenianische Gynäkologin und Gesundheitsberaterin Victoria Gamba betonte die Dringlichkeit, die Gesundheitsversorgung von Frauen trotz wegbrechender internationaler Mittel zu sichern. Sie mahnte eine Erhöhung der nationalen Budgets an, da Kenia derzeit nur sieben Prozent statt der von der Afrikanischen Union geforderten 15 Prozent für das Gesundheitswesen aufwendet.

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„Es ist nicht nachhaltig, Geld von einem anderen Land zu erhalten, denn die Mittel werden irgendwann versiegen. Und es entzieht Staaten die Möglichkeit, Prioritäten zu setzen“, sagte Gamba der taz im Vorfeld der Konferenz.

Gamba wies darauf hin, dass die Unterfinanzierung bereits zu einem eingeschränkten Zugang zu Verhütungsmitteln und steigenden Komplikationsraten bei Schwangerschaften führt. Sie verdeutlichte, dass hinter den Statistiken Schicksale von Familien stehen, die ihre Angehörigen verlieren.

„Nur eine Handvoll afrikanischer Länder erreicht das Ziel der Afrikanischen Union, mindestens 15 Prozent des Haushalts für das Gesundheitswesen bereitzustellen. In Kenia liegen die Ausgaben bei 7 Prozent“, kritisierte Gamba.

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Die Medizinerin erläuterte zudem die weitreichenden gesellschaftlichen Folgen der mangelnden Versorgung im Bereich der reproduktiven Rechte, die oft ideologischen Schwankungen unterworfen sei.

„Derzeit haben weniger Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln. Das bedeutet, es gibt mehr ungewollte Schwangerschaften, was wiederum bedeutet, dass diese Frauen nicht vorbereitet sind und mehr Schwangerschaftskomplikationen haben. Im Ergebnis sterben mehr Frauen“, so Gamba weiter.

Gamba appellierte an die Entscheidungsträger, die langfristigen Auswirkungen auf die Gemeinschaften nicht zu ignorieren.

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„Die Verluste sind nicht nur Datenpunkte“, sagte Gamba.

Die Expertin forderte mehr Forschung und Investitionen in einen Bereich, der bisher systematisch vernachlässigt wurde.

„Die Frauengesundheit wurde unterfinanziert, zu wenig erforscht und schlichtweg vernachlässigt“, sagte Gamba.

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Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) begleitet den Gipfel und fördert Kooperationen wie die zwischen dem deutschen Konzern Merck und der kenianischen Firma Universal. Ziel ist die lokale Produktion des Kinderpräparats Arpraziquantel gegen die Wurmerkrankung Bilharziose, wobei Merck das notwendige technologische Know-how überträgt.

„Die Zusammenarbeit mit Afrika im Gesundheitsbereich ist zentral – für die Menschen vor Ort und für uns. Krankheiten kennen keine Grenzen“, sagte die Ministerin vor der Reise.

Alabali Radovan betonte das wirtschaftliche Potenzial des Kontinents und die Bedeutung stabiler Gesundheitssysteme für die globale Sicherheit. Sie plant in Nairobi zudem Treffen mit Experten der Charité und des Robert Koch-Instituts, die mobile Labore für den Nachweis von Erregern wie Ebola oder Mpox bereitstellen.

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„Der afrikanische Kontinent ist ein Zukunftsmarkt mit 1,6 Milliarden Menschen“, betonte Alabali Radovan in einer Mitteilung.

Die Strategie umfasst auch die Ausbildung lokaler Fachkräfte, die unter anderem für die Installation von Malarianetzen geschult werden. Während die Bundesregierung auf die Einbindung der Privatwirtschaft setzt, gibt es von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen Kritik, da die Impfstoffversorgung durch Kooperationen mit Firmen wie Biontech weiterhin in privaten Händen bleibe.