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Elke Orth spricht im Museumscafé über ihre Liebe zu Afrika.Elke Orth spricht im Museumscafé über ihre Liebe zu Afrika. © Volker Heller

Das Ehepaar Elke und Kurt Orth pendelt zwischen Vogelsberg und Afrika. Elke Orth berichtet im Museum der Rabenau von ihrem außergewöhnlichen Leben.

Rabenau – Bisher kannte man vielleicht die „Berliner Luft“ als Synonym für ein freies Lebensgefühl. Komponist Paul Lincke vertonte 1904 das Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers Operette Frau Luna. Ein weiteres Luft-Erlebnis hatte fast genau 100 Jahre später das Ehepaar Elke und Kurt Orth.

Dies landete 2005 erstmals auf dem afrikanischen Kontinent (in Gambia), entstieg dem Flieger, atmete tief durch und war auf der Stelle verzückt. „Diese Luft – es war um uns geschehen“, verriet Elke Orth ihrem Publikum anlässlich der Premiere einer Bücherlesung im Museumscafé des Museums der Rabenau in Londorf.

Eigentlich wohnt das Ehepaar in Freienseen am Rande des Vogelsbergs. Tatsächlich leben beide Abenteurer zwischen zwei Welten. Bevor Afrika und schließlich Namibia zum auserkorenen Lieblingsort wurden, standen schon Ziele in Europa auf der Reiseliste. Lästige Anhängsel, „Bumster“ genannte Schnorrer, die sich ungefragt Touristen als Hilfe und Begleitung andienen, hätten ihre Begeisterung nicht geschmälert. Orth: „Die Leute haben gelacht, getanzt, haben Musik im Blut.“

Das Interesse für fremde Menschen, Kulturen und Bräuche nötige ihr Verständnis und Respekt ab, meinte Orth. Sie halte Regeln strenger ein, als mancher Einheimische es tue. 2006 kam Libyen an die Reihe. Machthaber Muammar al-Gaddafi hatte just einen Spaltbreit die Tür geöffnet. Ein Kameltreck durch das Akkakus-Gebirge, eine Wüstenlandschaft, wurde Wirklichkeit. 20 Kilometer am Tag, fantastische Felsformationen. Orth schwärmte vom Anblick der Tuareg auf ihren Reitkamelen. Geritten wird barfuß und auf einem Holzsattel. Steht ein Kamel auf, schaukelt es ziemlich hin und her. Einmal oben, sei man froh. Die Zügel müssten stets straff bleiben, sonst glaube das Kamel, es sei Pause, bleibe stehen und lege sich wieder ab. 2007 reiste das Paar dann erstmals nach Namibia. Das Land grenzt an Südafrika und den Atlantischen Ozean und ist nach der Mongolei das am zweitdünnsten besiedelte Land der Erde. Die Hauptstadt ist Windhoek, bis 1918 war Namibia deutsche Kolonie (Deutsch-Südwestafrika). Sehr viele Deutsche lebten dort. Irgendwie kenne hier jeder jeden. Orth: „Namibia ist ein Dorf, sagt man.“ In Swakopmund, der deutschesten Stadt, gebe es eine Brauerei mit Restaurant. Unweit davon auch ein Café. Daher der Titel eines ihrer zwei Bücher: „Afrika mit Schweinshaxe und Schwarzwälder Kirschtorte“.

Erst stand der Gedanke, dorthin auszuwandern, im Raum. Für Touristen gibt es ein 90-Tage-Visum. Das ebenso erstaunte wie zunehmend faszinierte Publikum im Museumscafé erfuhr nun von Erlebnissen mit dem Vogel Strauß, einem Leoparden, und 2021 im Nachbarland Botswana mit Elefanten, Nashörnern, Nilpferden, Löwen und Giraffen.

Im Juli 2024 Erwerb eines Hauses in der Finkenstein-Wohnsiedlung, zwölf Kilometer von Windhoek. Wiederum erfasste das Ehepaar dieses besondere Afrikagefühl. Orth: „Wir haben uns in dem Haus sofort heimisch gefühlt.“ Trotz Hausbesitzes gilt die 90-Tage-Regel. Jetzt versuchen sie, einen längeren Aufenthalt für Rentner herauszuschlagen. Über das Leben vor Ort hat die Autorin das zweite Buch geschrieben: „Das Beste aus beiden Welten“.