Gedenken, Tourismus und „grüne“ Industrie

Die dunkle Geschichte der Haifischinsel

Aktualisiert am 06.07.2025Lesedauer: 4 Min.

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Häuser im deutschen Baustil in Lüderitz (Namibia): Die Besatzung hat allerdings nicht nur in der Architektur ihre Spuren hinterlassen. (Quelle: ViewApart/getty-images-bilder)

Wellenrauschen, nackter Fels und blauer Himmel. Doch wer hier genau hinschaut, stößt auf ein Kapitel deutscher Geschichte, das lange verdrängt wurde – und bis heute nachwirkt.

Zwischen 1904 und 1908 führte das Deutsche Kaiserreich unter Generalleutnant Lothar von Trotha einen Vernichtungskrieg gegen die Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Deutsch-Südwestafrika war von 1884 bis 1915 eine Kolonie des Deutschen Kaiserreichs. Anhaltende Unterdrückung, Landenteignungen, Rassentrennung und Misshandlungen durch deutsche Siedler führten im Januar 1904 zum Aufstand der Herero gegen die Kolonialherren. Zunächst wurde der Gouverneur Deutsch-Südwestafrikas mit der militärischen Niederschlagung des Aufstands betraut, im Mai 1904 wurde Generalleutnant Lothar von Trotha hinzugezogen.

Von Trotha führte die Auseinandersetzung als Vernichtungskrieg und ließ seine Truppen mit brutaler Härte gegen die Aufständischen vorgehen. Unter seinem Befehl wurden die Herero zunächst militärisch bei der Schlacht am Waterberg geschlagen und anschließend systematisch verfolgt. Trothas berüchtigter „Vernichtungsbefehl“ vom Oktober 1904 verfügte die Vertreibung und Vernichtung aller Herero aus dem Kolonialgebiet. Die überlebenden Herero wurden in damals sogenannten Konzentrationslagern interniert und zu Zwangsarbeit herangezogen.

Der erste Genozid des 20. Jahrhunderts

Tausende Herero wurden in die lebensfeindliche Omaheke-Wüste getrieben, wo sie massenhaft verdursteten oder verhungerten. Die deutschen Truppen riegelten die Wüste mit einem 250 Kilometer langen Absperrgürtel ab. Der Krieg dauerte noch bis 1908 an. Von den zuvor 60.000 bis 80.000 Herero überlebten nur etwa 16.000. Auch etwa 10.000 Angehörige der Nama, die sich nach der Schlacht am Waterberg den Aufständischen anschlossen, fielen der deutschen Vernichtungspolitik zum Opfer.

Anführungszeichen

Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu Ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen.

Lothar von trotha, 2. Oktober 1904

Die Ereignisse werden heute mehrheitlich von Historikern als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts eingestuft. Nicht zuletzt das Streben, im internationalen Wettbewerb mit anderen Kolonialmächten, insbesondere Großbritannien, zu bestehen, führte zu diesen Ereignissen. Aber auch rassistische Motive, wie die Idee der „Überlegenheit der weißen Rasse“, die man damals mit pseudowissenschaftlichen Experimenten zu beweisen suchte, spielten dabei eine wichtige Rolle. Der militärische Vernichtungsbefehl („Schießbefehl“) von 1904, die systematische Verfolgung in die Omaheke-Wüste sowie die Errichtung von Konzentrationslagern markieren eine eklatante Gewaltgeschichte, die ihre Fortsetzung im späteren Verlauf des 20. Jahrhunderts fand.