Zwei Verbrechen binnen weniger Tage in einer brandenburgischen Kleinstadt lösen Bestürzung aus: Ein CDU-Mitglied wurde erstochen, eine Ukrainerin schwer verletzt. Ein 23-jähriger Pfleger aus dem westafrikanischen Guinea sitzt in Untersuchungshaft. Er hat die Taten gestanden.

Nach zwei Gewalttaten im brandenburgischen Beelitz ist Haftbefehl gegen den 23-jährigen Tatverdächtigen aus Guinea erlassen worden. Der Mann befindet sich wegen des Vorwurfs des Mordes und versuchten Mordes in Untersuchungshaft, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam am Dienstag sagte.

Er steht im Verdacht in einem Wohnhaus in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine 52 Jahre alte Frau mit einem Messer schwer verletzt zu haben. Zuerst hatten das Nachrichtenportal „Nius“ und die „Bild“ berichtet.

Bei den Ermittlungen ergaben sich Anhaltspunkte, dass der Mann in demselben Haus zuvor eine weitere Gewalttat verübt haben könnte, nämlich die tödliche Attacke auf einen 26-Jährigen vor knapp zwei Wochen, wie WELT aus dem Umfeld der Sicherheitsbehörden bestätigt wurde. Christoph R. war am 14. Januar leblos in seinem Bett aufgefunden worden, laut „Bild“ mit aufgeschlitzter Kehle. Der junge Mann war Mitglied der örtlichen CDU und der Jungen Union und engagierte sich als Wahlkampfhelfer.

Vor dieser ersten Gewalttat hatte es in dem Haus gebrannt. Die Ermittlungsbehörden hatten nach Vorlage des Obduktionsberichts allerdings bereits vor knapp einer Woche mitgeteilt, dass für den Tod des Mannes nicht das Feuer, sondern eine Messerattacke ursächlich gewesen sein soll.

Tatverdächtiger wohnte selbst in dem Apartmentkomplex

Der Verdächtige ist 23 Jahre alt und kommt aus Guinea. Aus Behördenkreisen wurde WELT bestätigt, dass es sich bei dem Tatverdächtigen beider Angriffe um Mahmadou-Alpha B. handeln soll.

Dieser arbeitete als Pfleger und war der Polizei bisher nicht wegen Straftaten bekannt, wie Brandenburgs Innenministerin Katrin Lange (SPD) am Dienstag mitteilte. Er sei nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ausreisepflichtig. Innenministerin Lange sagte einer Mitteilung zufolge, der Tatverdächtige lebe seit 2016 in Deutschland. Er verfüge über eine Aufenthaltserlaubnis bis zum 23. Januar 2025, deren Verlängerung fristgerecht beantragt worden sei. Weiter heißt es: „Er hat sich mittlerweile zu beiden Taten geständig eingelassen.“

Nach der Tötung des CDU-Mitgliedes hatten die Behörden zunächst gegen Unbekannt ermittelt. Auf die Spur von B. kamen die Ermittler offenbar erst, nachdem er in demselben Gebäude mutmaßlich ein weiteres Mal zugestochen hatte, diesmal auf die 52-jährige Hausbewohnerin aus der Ukraine. Laut „Bild“ wohnte Mahmadou-Alpha B. selbst in dem Haus seiner mutmaßlichen Opfer.

Inwiefern die Behörden ihn bereits nach der Tötung des CDU-Mitgliedes als möglichen Tatverdächtigen identifizierten, ist unklar. Die Pressesprecherin der für die Ermittlungen zuständigen Staatsanwaltschaft Potsdam war am Montagnachmittag für Nachfragen nicht erreichbar.

Bürgermeister erschüttert, CDU trauert um Parteimitglied

Der Bürgermeister von Beelitz-Heilstätten zeigte sich erschüttert nach den Gewalttaten. „Für niemanden ist es verständlich und nachvollziehbar, wie sich solche Taten ereignen können“, sagte Bürgermeister Bernhard Knuth (parteilos) laut einer Mitteilung auf der Internetseite der Stadt vom Montag.

„Auch wenn sich Gewalttaten momentan häufen und man das Gefühl haben könnte, dass sie an der Tagesordnung sind, sollten wir uns vor Augen führen, dass wir in unserem Land und in der Stadt Beelitz immer noch sicher leben.“ Knuth hoffe aber, „dass die politisch Verantwortlichen in unserem Land aus den Vorfällen der letzten Zeit die notwendigen Konsequenzen ziehen“. Der Bürgermeister sprach den Betroffenen sein tiefstes Mitgefühl aus.

Die CDU Brandenburg veröffentlichte am Dienstag einen Beitrag auf Instagram: „Mit tiefem Entsetzen und großer Trauer haben wir erfahren, dass unser geschätztes Mitglied Christoph nicht nur viel zu früh aus unserer Mitte gegangen ist, sondern durch eine grausame Gewalttat aus dem Leben gerissen wurde. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden“, hieß es.

Die CDU setze großes Vertrauen in die Arbeit der Behörden, dieses Verbrechen aufzuklären. „Es ist schwer zu ertragen, wie oft wir in letzter Zeit von Menschen Abschied nehmen mussten, die ihr Leben durch sinnlose und brutale Gewalt verloren haben.“

Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein ausreisepflichtiger Asylbewerber aus Afghanistan in Aschaffenburg einen zweijährigen Jungen und einen 41-jährigen Familienvater erstochen. Seitdem bestimmt das Thema Migration erneut den Bundestagswahlkampf.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Mann aus Guinea habe einen Duldungsstatus.

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