Die Regierung Somalias hat Pläne des Nachbarlandes Äthiopien und der abtrünnigen Region Somaliland als Angriff auf die eigene Souveränität verurteilt. Der Ministerrat des Landes am Horn von Afrika forderte nach einer Dringlichkeitssitzung, dass sich der UN-Sicherheitsrat und die Afrikanische Union schnellstmöglich mit der Angelegenheit befassen sollten.
„Somaliland ist Teil der Republik Somalia und Äthiopien hat internationale Normen verletzt“, hieß es in einer Mitteilung. Somalia rief zudem seinen Botschafter aus Äthiopien zu Konsultationen nach Mogadischu zurück.
Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed und Somalilands Präsident Muse Bihi Abdi hatten am Montag eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, der zufolge Somaliland Äthiopien einen Zugang zum Roten Meer gewähren will. Teil der Vereinbarung sei auch der Bau einer äthiopischen Militärbasis an der Küste Somalilands, hieß es.
Der Hafen von Berbera ist für den afrikanischen Kontinent ein wichtiger
Zugang zum Roten Meer und dem weiter nördlich gelegenen Suezkanal, der
den Handel bis nach Europa ermöglicht. Bislang hatte der fehlende Zugang
zum Meer Äthiopiens Wirtschaft behindert.
Die Vereinbarung zwischen Äthiopien und Somaliland kam für Somalia offenbar völlig überraschend. Nach Jahren politischer Spannungen hatte sich die somalische Regierung erst in der vergangenen Woche mit Somaliland auf eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Lösung aller offenen Fragen geeinigt.
Somaliland, eine Region im Norden Somalias mit rund 3,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, hat 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia erklärt, wird international aber nicht als unabhängiger Staat anerkannt. Der Hafen Berbera wird für den Handel mit Saudi-Arabien und anderen Staaten in der Region genutzt.