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Sarkozy weist Vorwürfe zu Libyen-Wahlkampfhilfe erneut zurück
Der frühere französische Präsident bestreitet den Erhalt libyscher Gelder für seinen Wahlkampf im Jahr 2007. Neben ihm stehen neun Mitangeklagte vor Gericht – darunter drei ehemalige Minister.
Publiziert: 07.04.2026, 16:35
Nicolas Sarkozy wehrt sich im Berufungsverfahren gegen seine Verurteilung zu fünf Jahren Haft.
Foto: AFP
Im Berufungsverfahren um Wahlkampfhilfe aus Libyen hat der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy seine Unschuld beteuert. Kein einziger Cent aus Libyen sei in seinen Präsidentschaftswahlkampf von 2007 geflossen, versicherte Sarkozy am Dienstag vor drei Richtern in Paris. Der Ex-Präsident wurde in dem Fall zu fünf Jahren Haft verurteilt, kam aber im November bereits nach 20 Tagen im Gefängnis bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens wieder frei.
«Ich bin dem französischen Volk die Wahrheit schuldig», sagte Sarkozy dem Richtergremium. «Ich bin unschuldig.» Der 71-Jährige ficht seine Verurteilung an, nachdem er im September wegen krimineller Verschwörung für schuldig befunden worden war. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er nach Überzeugung des Gerichts an einem Komplott beteiligt war, um Geld von der Regierung des inzwischen verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Austausch für politische und diplomatische Gefälligkeiten zu erhalten. Sarkozy hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und gibt an, sie seien politisch motiviert.
Bei dem Termin am Dienstag, zu dem auch Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy erschien, ging es um Sarkozys Zeit als konservativer Präsidentschaftskandidat und später als Präsident von 2007 bis 2012. In dem zwölfwöchigen Berufungsverfahren, das im März begann, werden alle Beweise und Zeugenaussagen im Zusammenhang mit ihm und neun Mitangeklagten – darunter drei ehemalige Minister – erneut geprüft. Sarkozy betonte, er habe sich 2011 für eine westliche Militärintervention in Libyen eingesetzt, nachdem die Regierung dort im Zuge des Arabischen Frühlings gewaltsam gegen Demonstrierende vorgegangen war.
Einsatz für Militärintervention
«Ich habe die Initiative ergriffen, Frankreich hat die Initiative ergriffen. Warum? Weil Gaddafi keinerlei Macht über mich hatte – weder finanziell, noch politisch oder persönlich», sagte Sarkozy. Gaddafi wurde im Oktober 2011 von Oppositionskämpfern getötet.
Angehörige französischer Opfer des Bombenanschlags von Lockerbie, bei dem 1988 insgesamt 270 Menschen getötet wurden, hatten sich in der vergangenen Woche bestürzt über mögliche Absprachen mit der Regierung Gaddafis geäussert. Diesem unsäglichen Leid wolle er mit der Wahrheit begegnen, sagte Sarkozy.
Die Finanzstaatsanwaltschaft wirft Sarkozy vor, er habe zugesagt, den Haftbefehl gegen Gaddafis Schwager und Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi aufzuheben, der als Drahtzieher des Anschlags gilt – im Gegenzug für Wahlkampfspenden. Sarkozy sagte, er habe nie zugunsten von Senussi gehandelt. «Ich habe ihm nie etwas versprochen.»
Der Anwalt der französischen Antikorruptionsorganisation Sherpa, Vincent Brengarth, erklärte, die Angeklagten hätten bisher nicht alle Ungereimtheiten in dem Fall aufklären können. «Die verschiedenen Anhörungen haben bisher nicht zu diesen Erklärungen geführt, und wir erwarten sie nun vom Hauptangeklagten, Nicolas Sarkozy», sagte er.
Sechs Monate Hausarrest stehen noch aus
Der Prozess vor dem Pariser Berufungsgericht soll bis zum 3. Juni dauern; ein Urteil wird für einen späteren Zeitpunkt erwartet.
Sarkozy wurde seit seinem Ausscheiden aus dem Amt in mehreren Gerichtsverfahren angeklagt. Im November bestätigte der Kassationsgerichtshof – Frankreichs höchstes Gericht – seine Verurteilung wegen illegaler Wahlkampffinanzierung für seine Wiederwahlkampagne 2012. Er wurde zu sechs Monaten Hausarrest mit elektronischer Fussfessel verurteilt. Die Strafe wurde noch nicht vollstreckt.
Der Prozess gegen Nicolas Sarkozy
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Nicolas Sarkozy wehrt sich im Berufungsverfahren gegen seine Verurteilung zu fünf Jahren Haft.
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