Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat bei seinem Besuch in Marokko für einen Ausbau der Zusammenarbeit mit dem nordafrikanischen Land geworben. „Marokko ist für uns ein Schlüsselpartner“, sagte der Minister am Mittwoch zum Auftakt seiner zweitägigen Reise. „Wir haben sehr enge politische Beziehungen, wir haben sehr enge wirtschaftliche Beziehungen – und Deutschland und Marokko wollen enger zusammenwachsen in der Zukunft.“ Er verwies unter anderem auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Kooperation bei Erneuerbaren Energien und die Anwerbung von Fachkräften.

Der Minister traf am Mittwochnachmittag in Rabat ein. Schwerpunkt der Reise ist der strategische Dialog beider Länder. Zunächst stand für Wadephul ein Besuch bei dem deutschen Automobilzulieferer SE Bordnetze Maroc auf dem Programm. Anschließend besuchte er die nationale Fußballakademie nahe Rabat. Zusammen mit Mitgliedern seiner Delegation und unterstützt vom ehemaligen Bundesliga-Profi Karim Bellarabi trat Wadephul zu einem kurzen Spiel gegen eine Mädchenauswahl an. 2030 ist Marokko zusammen mit Spanien und Portugal Hauptausrichter der Fußball-WM.

Später stand noch ein Empfang zum 70. Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko auf dem Programm. Für Donnerstag ist ein Treffen mit dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourita geplant, um den strategischen Dialog beider Länder fortzusetzen.

Zweitgrößter Handelspartner in Afrika

Der Maghreb-Staat ist nach Südafrika der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands in Afrika. Es gebe bei der wirtschaftlichen Kooperation noch „ein erhebliches Potenzial“, betonte der CDU-Politiker. „Marokko ist Vorreiter bei der Solar- und Windkraft auf dem afrikanischen Kontinent und schickt sich an, einer der führenden Produzenten weltweit von grünem Wasserstoff zu werden.“

Gerade vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs sei es geboten, „unabhängiger von fossilen Kraftstoffen zu werden und unsere Anstrengungen zu verstärken, in Erneuerbaren eine unabhängige Energieversorgung aufzubauen und eben auch zu diversifizieren.“ Dies sei „angesichts der Gefahrenlage und angesichts der Unkalkulierbarkeit mancher Preise das Zeichen der Zeit“.

Marokko verfüge zudem über kritische Rohstoffe und Fähigkeiten in der Produktion von Batterien. „Das sind alles Zukunftsfelder, die wir uns erschließen müssen, wo wir unsere Lieferketten diversifizieren müssen und wo wir dadurch eben unsere Abhängigkeiten auch verringern“, sagte der Minister.

Zugleich wolle er in Marokko um Fachkräfte werben, die nach Deutschland kommen wollen. Marokkanische Arbeitskräfte seien schon jetzt „eine wichtige Stütze in Berufen, in denen es einen Mangel in Deutschland gibt, etwa im Gesundheits- und Pflegebereich“.

Seit Kurzem sicheres Herkunftsland

Marokko ist für viele afrikanische Migranten ein Transitland auf dem Weg nach Europa. Anfang 2024 vereinbarte die Bundesregierung ein Migrationsabkommen mit Marokko, das darauf abzielt, die irreguläre Migration zu reduzieren und die Arbeitsmigration zu stärken.

Marokko steht seit Kurzem auf einer EU-Liste sogenannter sicherer Herkunftsländer, die ab Sommer für alle Mitgliedstaaten gilt. Damit sollen Asylanträge von Menschen aus dem nordafrikanischen Land künftig in einem beschleunigten Verfahren oder einem Verfahren an der Grenze bearbeitet werden.

Für Deutschland ist das nordafrikanische Königreich wegen seiner politischen Stabilität in der von zahlreichen Konflikten geprägten Region ein wichtiger Partner. Deutschland und Marokko hatten im Februar 2022 einen Neustart ihrer Beziehungen vereinbart, nachdem es zuvor zu Differenzen gekommen war – insbesondere hinsichtlich des Status der von Marokko beanspruchten Westsahara.

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„Wir verfolgen gemeinsam mit Marokko gemeinsame Interessen, etwa wenn es um eine langfristige Lösung des Nahostkonfliktes geht oder um Stabilität in der benachbarten Sahel-Region“, sagte Wadephul. Marokko hatte im Februar als erster arabischer Staat die Entsendung von Polizisten und Soldaten für eine Stabilisierungstruppe im Gazastreifen zugesagt.

Nichtregierungsorganisationen prangern immer wieder die Menschenrechtslage in Marokko an. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegte Marokko 2025 Platz 120 von 180 Staaten. (AFP)