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Die Vorbereitung auf ein wichtiges Radrennen besteht für gewöhnlich aus Intervallfahrten und Höhentraining. Doch dieses Mal kamen Impfungen gegen Gelbfieber und Hepatitis sowie das Schlucken von Malaria-Prophylaxe-Tabletten hinzu. Der Grund: Zum ersten Mal findet eine Rad-WM in Afrika statt: Vom 21. bis 28. September ist Ruanda der Gastgeber.
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Quelle: BILD, Twitter15.09.2025
Die Bedenken sind groß. Das diktatorisch regierte Ruanda ist in einen Krieg mit dem benachbarten Kongo verwickelt. Dort unterstützt das Land die rebellischen Milizen. Zwar wurde Ende Juni ein Friedensabkommen unterzeichnet, doch das deutsche Auswärtige Amt warnt immer noch vor Reisen in die Grenzregion.
Das EU-Parlament forderte sogar eine Absage der WM. Doch der Rad-Weltverband UCI ignoriert das. Präsident David Lappartient (52) verweist auf die Radsportbegeisterung in Ruanda, zudem dürfe der Sport nicht politisiert werden. Ruanda zahlte für den WM-Zuschlag eine Millionensumme an die UCI.
„Es ist ein Phänomen der Zeit, dass dubiose Länder und Machthaber den Sport anziehen, um sich darüber zu profilieren“, sagt der deutsche Kapitän Georg Zimmermann (27). „Ich als Sportler habe kein Mitspracherecht, wo eine WM ausgetragen wird.“
Der deutsche Teamchef Jens Zemke (58) sagt: „Wenn man strenge Maßstäbe anlegt, wird es irgendwann eng, ein Ausrichterland für eine WM zu finden. Überall auf der Welt gibt es Konfliktherde. Auch bei der Spanien-Rundfahrt überschatten die Pro-Palästina-Demonstrationen das Rennen.“
Zemke, der von 2012 bis 2016 für das afrikanische Team MTN Qhubeka tätig war, freut sich auf die WM-Premiere in Afrika: „Von Freunden weiß ich, dass in Ruanda eine große Radsport-Euphorie herrscht. Bei der Tour du Rwanda stehen jedes Jahr Menschenmassen am Straßenrand und sind völlig aus dem Häuschen.“ Georg Zimmermann sieht die Radsportbegeisterung in Ruanda „auf Tour-de-France-Niveau“.
Vor sechs Wochen beantwortete Zemke in einem Gruppen-Call alle Fragen der deutschen WM-Fahrer, u. a. zu den Themen Impfungen und Unterbringung. Das Mannschaftshotel in der Hauptstadt Kigali erfüllt den höchsten Standard, dennoch nimmt das Team wie immer einen eigenen Koch mit. Neu im Team ist eine Krankenschwester aus Ruanda, die im Notfall den Kontakt zu den Einheimischen herstellen soll.
Die Straßen sind entgegen aller Vorurteile in gutem Zustand. Die Strecke ist mit einer Länge von 267,5 Kilometern und 5475 Höhenmetern extrem anspruchsvoll. Die Temperaturen sind mit 25 bis 28 Grad auf Tour-de-France-Level, jedoch regnet es oft, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. „Das Rennen wird hammerhart“, sagt Zemke.
Kapitän Georg Zimmermann träumt von einem Platz in den Top 10. Der Tour-Dritte Florian Lipowitz (24) verzichtet auf einen Start. „Ich habe versucht, ihn zum Start zu überreden, aber er braucht eine Pause“, sagt Zemke.
Favorit ist Tour-Sieger und WM-Titelverteidiger Tadej Pogacar (26/Slowenien). Seine stärksten Gegner: Remco Evenepoel (25/Belgien), Tom Pidcock (26/England), Richard Carapaz (32/Ecuador), Egan Bernal (28/Kolumbien), Ben Healy (25/Irland) und Jay Vine (29/Australien).