Nach dem tragischen Tod eines 57-Jährigen aus dem Unterallgäu, der von einer Kobra gebissen wurde, ist die Bestürzung groß. Der Urlauber besuchte mit seiner Familie eine sogenannte „Schlangenbeschwörung“ in der beliebten Urlaubsregion Hurghada. Was als Unterhaltung für Touristen verkauft wird, hatte in diesem Fall tödliche Folgen. Nach dem Unglück bleiben neben Leid und Trauer vor allem Fragen: Warum werden überhaupt hochgiftige Tiere eingesetzt – und hätte der Vorfall verhindert werden können?
Bei Kobras handle es sich um die nahezu einzige Schlangenart, die sich so bedrohlich aufrichte und Angriffshaltung einnehme, erklärt Thomas Türbl, stellvertretender Leiter der Reptilienauffangstation in München und Facharzt für Reptilien. Ungefährliche Arten wie die Boa Constrictor oder die Königspython eignen sich für die Inszenierung einer Schlangenbeschwörung nicht, so der Facharzt. Theoretisch gebe es zwar Möglichkeiten, eine Kobra so zu behandeln, dass sie weniger gefährlich sei. In der Praxis erwiesen sich solche Ansätze jedoch häufig als unzuverlässig und kostspielig, sagt Türbl. Zudem seien sie aus Tierschutzgründen rechtlich nicht zulässig und bedeuteten erhebliches Leid für das Tier.
Giftschlangen den Giftzahn ziehen?
In anderen Ländern gebe es etwa die Praxis, giftigen Schlangen das Maul zuzunähen. „Die Schlangen stellen sich immer noch auf und wirken bedrohlich, können aber nicht mehr beißen“, sagt der Facharzt. Eine weitere Option sei die Entfernung der Giftdrüsen. Dabei würden jene Drüsen, die das Sekret produzieren, in einem operativen Eingriff chirurgisch entfernt – ein Vorgehen, das in Teilen Asiens oder in den USA verbreitet sei. „In Deutschland sind Amputationen verboten“, betont Türbl.
Tierschützer kritisieren Wildtiershows und warnen Touristen
Die verbreitete Vorstellung, man könne einer Schlange einfach die Giftzähne ziehen, weist er zurück: Das sei zwar grundsätzlich möglich, Zähne wüchsen jedoch nach. Zudem verfüge eine Schlange neben den Giftzähnen über rund 300 weitere Zähne. „Wenn sie beißt, entsteht trotzdem eine Wunde – möglicherweise kann dennoch Gift aus dem Mundraum in die Verletzung gelangen.“
Die Tierschutzorganisation PETA warnt seit Jahren vor Vorführungen mit Wildtieren. Dabei kritisiert Fachreferent Peter Höffken nicht nur Vorführungen mit Schlangen. Auch bei vermeintlichen Attraktionen wie Elefantenreiten oder Tiger-Selfies würden Jahr für Jahr zahlreiche Menschen verletzt oder getötet. „Jeder Reisende muss wissen: Anbieter von Wildtiervorführungen agieren absolut skrupellos. Sie beuten die Tiere in ihrer Obhut gnadenlos aus und scheren sich nicht um die Sicherheit der Zuschauenden“, betont der Tierschützer.