Angola hat ein Angebot zum Kauf einer Mehrheitsbeteiligung am traditionsreichen Diamantenkonzern De Beers abgegeben. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle. Damit zeichnet sich ein mögliches Ringen mit dem Nachbarland Botswana ab, das ebenfalls die Kontrolle über De Beers anstrebt.
Das Angebot stammt demnach von Endiama, dem staatlichen Diamantenunternehmen von Angola. Endiama habe dem bisherigen Mehrheitseigentümer Anglo American einen „konkreten und klar definierten Vorschlag“ vorgelegt und leite nun die „weiteren Maßnahmen“ ein, sagte der Vorstandsvorsitzende José Manuel Ganga Júnior einem Bloomberg-Bericht zufolge.
Auch Botswana strebt Mehrheitsbeteiligung an
Anglo American, ein an der Londoner Börse notiertes Bergbauunternehmen, will seinen 85-Prozent-Anteil an De Beers angesichts fallender Diamantenpreise verkaufen. Anglo bewertet De Beers Reuters zufolge mit 4,9 Milliarden Dollar, nachdem in den letzten zwei Jahren Wertminderungen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar verbucht wurden.
Neben Angola versucht demnach auch Botswana, wo De Beers die meisten seiner Edelsteine abbaut, seinen bisherigen Anteil von 15 Prozent auf eine Mehrheitsbeteiligung aufzustocken. Präsident Duma Boko bezeichnete das Vorhaben Bloomberg zufolge als „Frage der wirtschaftlichen Souveränität“.
Endiamas Angebot signalisiert eine Änderung der Ambitionen Angolas. Das Bergbauministerium des Landes hatte laut Bloomberg im September erklärt, es strebe eine „strategische“ Minderheitsbeteiligung an De Beers an, um eine Partnerschaft mit Botswana aufzubauen.
Endiama erwarte, dass Angola und Botswana eine Einigung erzielen, erklärte Ganga Júnior. Er wollte sich nicht dazu äußern, ob entsprechende Gespräche stattgefunden hätten. De Beers sei „ein so großes Unternehmen, dass wir glauben, dass es Platz für mehrere Partner gibt“, sagte er. Botswana hat als bestehender Aktionär das Recht, externe Angebote zu überbieten.
De Beers zählt zu den bekanntesten Diamantenproduzenten der Welt und ist in Botswana, Namibia, Südafrika und Kanada aktiv. In Angola arbeitet De Beers bereits mit Endiama zusammen; vor einigen Monaten meldeten beide laut Reuters die Entdeckung des ersten Kimberlit-Vorkommens im Land seit 30 Jahren. Kimberlit ist ein Gestein, in dem sich Diamanten bilden können.

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