Seitdem haben sich weder Deutschland noch andere EU-Länder aus der Umklammerung Frankreichs gelöst, das jede Annäherung zu den Putschisten abblockt und sogar seine Botschaft in Niamey schloss. Bis heute gibt es nur inoffizielle Kontakte und die Entwicklungszusammenarbeit wurde ebenfalls deutlich heruntergefahren.

Der Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Dezember war die Ausnahme und vermutlich ein Versuch, beim Auswärtigen Amt vergeblich ein Umdenken zu erwirken. Denn Europas Boykott hat fatale Wirkungen. Die Putschisten waren ursprünglich bereit, mit Europa zusammenzuarbeiten und hatten auf ein Signal gehofft. Als dies nicht kam, kündigte Niger die EU-Ausbildungsmissionen für Polizei und Militär und suspendierte den Anti-Migrationspakt.

Russland hat Europas Zögern aufmerksam beobachtet und schnell gehandelt. Moskau war wohl nicht direkt an dem Putsch beteiligt – aber war vorbereitet. Russische Diplomaten hatten ein feineres Gespür als europäische Vertreter für die Stimmung im Land und früh bemerkt, dass viele Menschen Bazoum zu viel Nähe zu Paris vorwarfen. Russland bot Stipendien für Studierende an und investierte auch in Oppositionsgruppen, die schnell beim Umsturz mit russischen Fahnen auftauchten, um den Putschisten zu helfen, die Straße zu mobilisieren. Der Rest war Routine. Russlands Botschafter für Niger, der in Bamako, reiste nach Niamey, um Militärmachthaber Tiani und Premierminister Zeine zu treffen. Dann folgte das Militärabkommen und nun der Besuch des Premierministers, der sich beim Ausstieg aus der Regierungsmaschine am Moskauer Flughafen mit traditioneller Kopfbedeckung vor einem Schneetreiben zu schützen versuchte.

Nun wird sich wohl das wiederholen, was schon in Mali nach der Ankunft von Wagner-Söldnern ab 2022 zu beobachten war: Niger wird die westlichen Kooperationen schrittweise beenden. Das Aufkündigen der EU-Missionen kam just, als das Militärabkommen mit Moskau unterzeichnet wurde. In Mali hatten die Europäer, von Frankreich gedrängt, seinerseits den Fehler gemacht, mit „Liebesentzug“ zu drohen, sollte sich die Militärregierung Wagner-Söldner ins Land holen. Das hat Malis Regierung erst recht in die Arme Russlands getrieben.