Geologen haben festgestellt, dass sich der afrikanische Kontinent schneller als bisher angenommen aufspaltet. Im Ostafrikanischen Grabensystem, speziell in der Turkana-Riftzone in Kenia und Äthiopien, hat der Riss in der Erdkruste bereits eine kritische Phase erreicht. Dies berichtet das Portal „sciencealert.com„.
Die Erdkruste ist dort mit etwa 13 Kilometern deutlich dünner als an den Rändern der Zone (über 35 Kilometer). Dies zeigt, dass der Prozess des Auseinanderbrechens bereits weit fortgeschritten ist. In geologischen Zeiträumen bedeutet das: In einigen Millionen Jahren wird sich hier ein neuer Ozean bilden.
Afrika driftet schneller auseinander als gedacht: Reißprozess beschleunigt sich
Diese Phase wird als „Necking“ bezeichnet. Wenn die Kruste in einer Riftzone dünner als etwa 15 Kilometer wird, wird sie schwächer und der Reißprozess beschleunigt sich. Schließlich wird die Kruste so stark gedehnt, dass Magma aufsteigt, an der Oberfläche erkaltet und eine neue ozeanische Kruste bildet. Anschließend wird Wasser – voraussichtlich aus dem Indischen Ozean – in das entstehende Becken einströmen und einen neuen Ozean bilden. Ein ähnlicher Prozess sei heute laut „sciencealert“ bereits in der Afar-Senke im Nordosten Afrikas zu beobachten.
Die Turkana-Riftzone ist reich an frühen Homininen-Fossilien und gilt als wichtiger Schauplatz der menschlichen Evolution.
3 Fakten zur Turkana-Riftzone
Die Turkana-Riftzone liegt im Norden Kenias (um den Turkana-See) und ist Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, einer großen kontinentalen Riftzone, in der sich Afrika langsam in Platten aufspaltet.
Die Region ist sehr trocken und heiß, hat aber durch den Turkana-See eine wichtige Wasserquelle – der See ist einer der größten Alkali- und Wüstenseen der Welt.
Die Turkana-Riftzone ist ein bedeutendes Gebiet für die Paläoanthropologie: Hier wurden wichtige fossile Funde früher Menschenformen gemacht, unter anderem der berühmte „Turkana Boy“ (Homo erectus/Homo ergaster, ca. 1,6 Mio. Jahre alt).
In den Sedimentabfolgen rund um den Turkana-See sind über Millionen Jahre Klimaschwankungen dokumentiert, was die Region zu einem Schlüsselgebiet für die Erforschung von Klima- und Umweltwandel macht.