Wie es dazu kommt, dass die junge Frau jetzt in Coesfeld Gästen genau den Kaffee ausschenkt, mit dem ihre afrikanische Familie handelt, das ist eine lange Geschichte und die erzählt Christian Laag, denn obwohl seine Frau perfekt Englisch, Französisch und mehrere afrikanische Sprachen spricht, ist ihr Deutsch noch fremd.

„Wir haben uns durch Zufall während des Corona- Lockdowns 2021 in Paris kennengelernt“, schaut Laag zurück. Assou studiert damals dort und möchte Krankenschwester werden. Christian ist bereits Geophysiker, hat in Bayreuth studiert, danach in einem weltweit renommierten Institut (IPGP Paris) gearbeitet und promoviert – ausgerechnet in der Stadt der Liebe. Und die erwischt die beiden so heftig, dass sie im August 2022 in Paris heiraten.

„Es war der 5. 8.“, verrät Laag und versichert, es sei reiner Zufall, dass das LAWI auch am 5. August eröffnet hat. „Das hat sich einfach so ergeben“. LAWI – das klingt wie das französische „la vie“ – „das Leben“ und ist zugleich eine Zusammensetzung aus den Familiennamen der beiden. 2023 geht Christian Laag zurück nach Deutschland. In Nottuln beim Unternehmen Nolte Geoservices GmbH hat er einen guten Job angeboten bekommen. Heute ist er dort Führungskraft.

Assou kommt etwas später nach Deutschland und möchte in den Christophorus Kliniken arbeiten, aber ihre mangelnden Deutschkenntnisse machen den beiden einen Strich durch die Rechnung. Obwohl die kleine Sophie das junge Ehepaar sehr glücklich macht, sucht Assou nach einer erfüllenden Aufgabe. So entsteht die Idee vom Café in Coesfeld und hier verkauft und verarbeitet Assou mit ihren Mitarbeiterinnen genau die Produkte, mit denen ihre Familie in Ruanda handelt: Tee und Kaffee.

„Den Tee und Kaffee meines Großvaters, den ich wie meinen Vater betrachte, hierher zu bringen, ist für mich ein großes Glück und eine Ehre“, übersetzt Christian Laag, wie seine Frau diese besondere Situation beschreibt. „Meinen Großvater bewundere ich sehr, und ich fühle mich so meiner Familie unmittelbar verbunden.“

Zwar wird das junge Paar von der Stadt unterstützt und erhält Landesmittel zur Gründung, „aber wenn ich gewusst hätte, wie viel bürokratischer Aufwand nötig ist, hätte ich es nicht gemacht“, schaut Laag zurück.

Den Kaffee lässt die Familie in Ruanda rösten, wo Assou Anfang des Jahres ihre Familie besucht hat – mit Sophie, die natürlich alle Herzen im Sturm eroberte. Der geröstete Kaffee wird nach Brüssel geflogen, muss durch den Zoll und wird auf seine Verkehrstauglichkeit geprüft und lebensmitteltechnisch analysiert. Dann kommt die Ware nach Coesfeld. „Ich stehe weiterhin in engem Austausch mit unseren lokalen Kaffeeröstern“, sagt Assou auf Englisch. „Wir sind regelmäßig in Kontakt, und sie fühlen sich sehr geehrt zu wissen, dass unser Kaffee hier in Coesfeld geschätzt wird.“

Bourbon Arabica heißt die Bohne, die einst auf verschlungenen Wegen von La Réunion nach Ruanda kam und ausschließliche Grundlage des Kaffees ist, der im LAWI ausgeschenkt und verkauft wird. „Wir arbeiten mit verschiedenen Röstungen“, sagt Laag, je nachdem ob Espresso, Latte Macchiato, Cappuccino oder andere Spezialitäten gebrüht werden sollen. „Die komplette Wertschöpfungskette verbleibt in Ruanda“, sagt er. „Das unterstützen wir gern.“

Apropos Unterstützung: Durch persönliche Kontakte hat das LAWI seine Produkt-Palette erweitert. Aus einer Destillerie in Hagen am Teutoburger Wald, geführt durch das Ehepaar Mandy und Sven Schröder, kommen die „Teuto-Spirits“ Gin, Limoncello und Arangino. Im Gegenzug werden Kaffee und Tee aus Ruanda für den Tasting-Room der Destillerie nach Hagen geliefert. Mit den alkoholischen Getränken – auch ständig wechselnde Weine und Stauder-Bier vom Fass – möchte das junge Paar vor allem am Spätnachmittag und frühen Abend Weinbar-Atmosphäre schaffen. Große Gerichte sind angesichts der kleinen Küche nicht möglich, aber ein Häppchen zum Bier oder Aperol Spritz ist zeitnah geplant. Das bedeutet viel Arbeit. Aber, lässt Assou ihren Mann übersetzen: „Dank meines Mannes, dessen Ehrgeiz mich überzeugt hat, dass dieses Konzept den Menschen in Coesfeld gefallen würde, empfinde ich große Freude und Stolz.“