Die regierende Junta in Mali hat eigenen Angaben zufolge Angehörigen des Militärs eine Zusammenarbeit mit dschihadistischen und separatistischen Gruppen bei jüngsten Angriffen im Land vorgeworfen. Wie die Staatsanwaltschaft am Militärgericht in Bamako mitteilte, gebe es »solide Beweise«, wonach »bestimmtes Militärpersonal« an den Attacken beteiligt gewesen sei. Dazu zählten aktive sowie kürzlich entlassene Offiziere. Die Erklärung wurde am Freitagabend (Ortszeit) im Staatsfernsehen verlesen.
Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, an »Planung, Koordinierung und Ausführung« der Angriffe mitgewirkt zu haben. Die Erklärung im Staatsfernsehen umfasste auch eine von der Justiz vorgelegte Liste möglicher Komplizen.
Aktive und ehemalige Soldaten sowie Politiker unter den mutmaßlichen Komplizen
Demnach sind unter den Beschuldigten drei aktive Soldaten, ein ehemaliger Soldat sowie ein Soldat, der »entlassen« worden war und bei Kämpfen nahe der wichtigsten Militärbasis des Landes in Kati, rund 15 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Bamako, getötet wurde. Auch politische Akteure sollen involviert gewesen sein, darunter der prominente, im Exil lebende Politiker Oumar Mariko.
»Die ersten Festnahmen wurden erfolgreich durchgeführt, und alle weiteren Täter, Mittäter und Komplizen werden aktiv gesucht«, hieß es in der Erklärung. Angaben dazu, wie viele Verdächtige identifiziert wurden und wer konkret festgenommen wurde, wurden nicht gemacht.
Separatisten wollen Militärlager eingenommen haben
Separatistische Gruppen teilten am Freitag mit, ein strategisch wichtiges Militärlager in der nordmalischen Stadt Tessalit eingenommen zu haben. Zuvor sollen sich die malischen Streitkräfte sowie ihre russischen Verbündeten aus dem Gebiet zurückgezogen haben. Die Angaben, die auf eine Videobotschaft der »Front für die Befreiung des Azawad« (FLA) basieren, lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Das Militärlager befindet sich nahe einem Flughafen und unweit der Grenze zu Algerien.
© Lea Dohle
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Nach Einschätzung von Beobachtern operieren die Separatisten teilweise gemeinsam mit der Gruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM), die Angriffe auf den internationalen Flughafen von Bamako sowie auf mehrere Städte im Zentrum und Norden des Landes für sich reklamiert hat. Seitdem wurden weitere Angriffe von Rebellen und islamistischen Gruppen auf mindestens zehn Orte gemeldet.
Militärregierung verlor Kontrolle über Großstadt Kidal
Bei einer Attacke auf sein Wohnhaus wurde der malische Verteidigungsminister Sadio Camara getötet. Die Militärregierung sowie mutmaßlich russische Kräfte, die die Regierung unterstützten, hatten in dieser Woche zudem die Kontrolle über die Großstadt Kidal verloren. Die jüngste Gewalt verstärkt die Befürchtungen, dass bewaffnete Gruppen ihre
Kontrolle weiter ausbauen und ihre Aktivitäten auch auf Nachbarländer
ausdehnen könnten.
Die mit der Terrororganisation Al-Kaida verbundene Gruppe JNIM rief die Bevölkerung zum Aufstand gegen die Regierung und zur Einführung der Scharia auf und kündigte an, die Hauptstadt Bamako zu belagern. Sicherheitskreisen zufolge wurden rund um die Stadt Kontrollpunkte errichtet. Übergangspräsident Assimi Goita teilte hingegen mit, die Lage sei unter Kontrolle. Weiter kündigte er an, die Aufständischen »zu neutralisieren«.
Die Militärregierung in Mali ist seit Staatsstreichen in den Jahren 2020 und 2021 an der Macht. Sie sieht sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten
konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf
Regierungstruppen verüben. Zudem sind kriminelle Banden in dem Land
aktiv. Die jüngsten koordinierten Angriffe haben Experten zufolge
allerdings eine neue Qualität.
Mali
Dschihadisten in Mali :
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Z+ (abopflichtiger Inhalt);
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Sie wollen die Scharia
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
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War hier alles vergebens?