07. Januar 2026
Christoph Jehle

Somalilands Küste liegt nur wenige Kilometer vom Jemen entfernt – für Israel ein strategischer Vorteil mit gefährlichen Folgen.
Vertreibung scheint zusehends zum Mittel der Wahl von Israels Premierminister Netanjahu zu werden, auch wenn er damit in der Praxis dann wieder scheitert, wie der im August 2025 angekündigte Versuch, die Palästinenser aus dem Gazastreifen in den Südsudan zu vertreiben.
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Die Regierung Netanjahu richtet inzwischen eine neue Behörde für eine freiwillige Ausreise von Palästinensern aus dem Gazastreifen ein. Die Einrichtung soll dem Verteidigungsministerium unterstellt werden und die freiwillige Ausreise von Bewohnern des Gazastreifens in Drittländer auf sicherem und kontrolliertem Wege vorbereiten.
In der aktuellen Konstruktion wurde jetzt die ehemalige britische Kolonie Somaliland, die 1950 mit dem Mandatsgebiet der Vereinten Nationen, dem vormaligen Italienisch-Somaliland zu Somalia zusammengefasst worden war und sich im Bürgerkrieg 1991 wieder aus der Verbindung losgelöst hatte, von der israelischen Regierung offiziell anerkannt.
Andere Staaten wie Äthiopien, Taiwan oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten ebenfalls Beziehungen, haben das Gebiet aber nicht offiziell als unabhängigen Staat anerkannt.
Der Aktion vorausgegangen waren Gespräche zwischen den Regierungen von Israel und Somaliland. Der israelische Vorstoß am Horn von Afrika stößt auf beträchtlichen Widerstand von Somalia und den Nachbarstaaten.
Scheinbarer Vorteil der Anerkennung Somalilands durch Israel
Ein anderer zentraler Grund für Israels Beziehungen zu Somaliland soll die Nähe dieser Region zum Jemen sein, wie die Times of Israel schrieb. Der Zugang zum Territorium und Luftraum Somalilands würde es Israel erleichtern, Angriffe gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen durchzuführen und sie zu überwachen. Die Miliz hatte nach dem Beginn des Gaza-Kriegs Ziele in Israel und vor allem Handelsschiffe mit mutmaßlichem Bezug zu Israel angegriffen.
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Nach Israels Anerkennung von Somaliland als Staat erklärten die Huthi, man werde es nicht hinnehmen, dass ein Teil Somalias dem Feind Israel als Stützpunkt diene. Es kann somit erwartet werden, dass Somaliland ein deutlich unsichereres Pflaster werden könnte und der Konflikt um Palästina weitere Kreise zieht, die US-Militärschläge wie gegen Iran herausfordern würden.
Für Somaliland steht jetzt noch eine Anerkennung durch die USA aus. Doch das Land würde für diese Anerkennung bezahlen müssen. In der Diskussion geht es um einen US-Zugang zu Rohstoffen wie Lithium, Öl und Gold, wobei Washington wohl nicht an Investitionen interessiert scheint, sondern eher an einer garantierten Beteiligung an Rohstoff-Erträgen.
Um Nutzungsrechte geht es auch am neuen Militär-Hafen nahe der somaliländischen Küstenstadt Berbera sowie einem weiteren US-Militärstützpunkt.
Das für Trump und Netanjahu wichtiger erscheinende Thema ist wohl die Frage, ob das Land bereit sei, palästinensische Flüchtlinge, oft auch als Vertriebene bezeichnet, aus Gaza aufzunehmen. Alle anderen diesbezüglichen Anfragen waren bislang wenig erfolgreich.
Die Bevölkerung des Gazastreifens steht Trumps Idee von den Luxusresorts an der Mittelmeerküste bislang noch im Weg. Da auch die Bevölkerung der Westbank den Plänen der israelischen Siedler entgegensteht, wird ein erfolgreicher Umsiedlungsplan für die Bevölkerung des Gazastreifens auch für die Westbank Folgen haben.
Auch ein weiterer US-Militärstützpunkt in der Nähe des Jemen mag für Trump ein Wunschtraum sein, dieser könnte jedoch für beträchtliche Unruhe am Horn von Afrika sorgen, denn im benachbarten Dschibuti, an der Meerenge von Bab al-Mandab, hat die Volksrepublik China ihren einzigen militärischen Auslandsstützpunkt und es ist nicht damit zu rechnen, dass Beijing darüber erfreut ist, dass es am Horn von Afrika zu noch mehr Unruhe kommt.
Somaliland ist eines der wenigen Länder, die keine diplomatischen Beziehungen zu China haben und Taiwan als den einzigen Vertreter des Reichs der Mitte betrachtet und jegliche Zusammenarbeit mit China ablehnt.
Neben China betreiben auch die USA derzeit im benachbarten Dschibuti den für sie strategisch wichtigen Marinestützpunkt Camp Lemonnier. Von dort wurden zuletzt Angriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen koordiniert. Chinas Einfluss auf Dschibuti wächst jedoch zunehmend, und Chinas Marine betreibt eine Militärbasis in Dschibuti, in der Nähe vom Camp Lemonnier.
Da die USA in Afrika derzeit gegenüber China drohen ins Hintertreffen zu geraten und sich zahlreiche Staaten inzwischen wirtschaftlich besser entwickeln, als erwartet und sich dabei bemühen, von reinen Rohstofflieferanten mit der Verarbeitung dieser Rohstoffe zu beginnen, erscheint es für die USA wichtig, dies mithilfe ihrer militärischen Macht entweder zu verhindern oder von der Entwicklung durch Rechtevermarktung zu profitieren.
Denn der Trump-Regierung geht es beileibe nicht darum, die demokratischen Bemühungen in Somaliland zu honorieren. Die USA stehen unter Zeitdruck, sich in der strategisch wichtigen Küstenregion am Golf von Aden besser aufzustellen.
Es geht um die Sicherheitslage im Roten Meer, die für den Handel der USA noch ziemlich wichtig ist und um die Länder rund um Israel, die dem Land bislang noch wenig gewogen erscheinen und aus US-Sicht nur militärisch beruhigt werden können.
Wenn andere Staaten der Anerkennung durch Israel folgen
Während Israel und die USA eine Abspaltung der Palästinensergebiete von Israel verhindern wollen, geht man in Somalia genau diesen Weg, offensichtlich, weil er Profit verspricht. Eine Anerkennung durch die USA würde das kleine Somaliland in Wirtschaftskreisen salonfähig machen.
Folgen andere Nationen, wäre Somaliland eine neues und somit das 196. souveräne Land der Welt. Die Anerkennung würde sowohl direkte internationale Investitionen ermöglichen, als auch eine Schuldenaufnahme beim Internationalen Währungsfonds ermöglichen und den Zugang zu Entwicklungshilfe freimachen.