Ein bislang wenig beachteter Vorgang aus dem Jahr 2014 markiert den Bruch zwischen Christina Block, ihrem Ex-Mann Stephan Hensel und dem Block-Imperium.
Während im Landgericht Hamburg wohl noch bis Ende dieses Jahres der Frage nachgegangen wird, ob Steakhaus-Unternehmerin Christina Block 2023 den Auftrag zur Entführung ihrer Kinder aus Dänemark gab, bringen WELT AM SONNTAG-Recherchen jetzt neue Details zur Vorgeschichte des Block-Dramas ans Licht.
Dabei geht es nicht um die Kinder oder den jahrelangen Sorgerechtsstreit zwischen Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel. Es geht um einen bislang kaum bekannten Vorgang aus dem Jahr 2014, der zum endgültigen Bruch zwischen den Blocks und Hensel führte.
Zweite Chance mit Block-Darlehen
Die Vorgeschichte: Nach der Hochzeit von Hensel und Block 2005 steigt der gelernte Bankkaufmann im Block-Unternehmen ein. Mit dem Segen von Patriarch und Schwiegervater Eugen Block macht er schnell Karriere, wird Chef der Block Fleischerei GmbH, dem Herzstück des „Block House“-Reichs. Doch im Oktober 2009 scheidet Hensel offiziell dort aus – laut Eugen Block wegen Fehlverhaltens. Dennoch bekommt Hensel ein positives Arbeitszeugnis ausgestellt.
Die Blocks lassen Hensel nicht fallen. Er erhält von ihnen 2011 rund 250.000 Euro, um sich ein eigenes unternehmerisches Standbein aufzubauen: Mit der Meat Factory Hamburg H&B GmbH will Hensel künftig mit tiefgekühltem Rindercarpaccio sowie Rind-, Schweine-, Straußen- und Lammfleisch handeln. Aber die Firma läuft nicht, die Blocks müssen immer mehr Geld nachschießen. Ende 2013/Anfang 2014 verhandelt Hensel schließlich mit den Blocks über eine Übernahme, er soll der Block-Gruppe in führender Position erhalten bleiben. Intern wird von einer „We are family“-Lösung gesprochen, also einer familieninternen Lösung.
Doch mitten in der heißen Phase der Übernahme kommt es im Frühjahr 2014 schließlich zu einem brisanten Vorgang: Die Meat Factory bestellt im Januar 4500 Kilo Semerrollen, zarte Teilstücke aus der Rinderkeule. Später wird das Fleisch als Carpaccio an eine belgische Firma weiterverkauft, deren Mitarbeiter sich schließlich im Mai in Hamburg bei Meat Factory mehrfach über die Farbe des Fleisches beschweren. Ihm wird schließlich der Prüfbericht eines Lebensmittelinstituts geschickt, der zeigen soll, dass mit dem Fleisch mikrobiologisch alles in Ordnung sei.
Fälschung von Prüfbericht
Allerdings: Wie dieser Redaktion vorliegende Unterlagen zeigen, fehlt auf dem weitergeleiteten Dokument eine entscheidende Angabe, die das Originaldokument enthält – nämlich die Angabe, dass das Fleisch ursprünglich aus Namibia stammt. Das ist nicht nur heikel, weil die Blocks traditionell Wert auf Fleisch von hoher Qualität aus Südamerika legen. Vor allem aber wurden im Dokument offenbar bewusst alle Namibia-Spuren getilgt – eine Fälschung also. Wer dafür verantwortlich ist, lässt sich heute nicht mehr sagen. Hensel, der damals immerhin Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer war, will Fragen dazu nicht beantworten.
Der Vorgang sorgt damals dafür, dass die Blocks die Übernahme auf Eis legen und sich aus der Firma zurückziehen wollen. Doch Hensel will das nicht auf sich sitzen lassen, schreibt an Eugen Block, dass er weiter zahlen solle. Er droht, notfalls Blocks Sohn zu verklagen, der für die Blocks neben Hensel in der Geschäftsführung vertreten ist. Aber Eugen Block lässt sich darauf nicht ein, will die Firma möglichst geräuschlos liquidieren. Dafür braucht er jedoch Hensels Firmenanteile. Trotz der hohen Verluste der Meat Factory fordert Hensel für seine Anteile zunächst zwischen 700.000 und einer Million Euro von Block. Das geht aus internen Firmenunterlagen hervor. Block entgegnet, die Firma habe keinen Wert mehr, daher will er nichts zahlen.
Ein wochenlanger Poker beginnt, bis sich Hensel und Eugen Block am 21. Juli 2014 einigen. Der von Eugen Block handschriftlich fixierte Deal enthält zehn Punkte: Demnach erhält Hensel 250.000 Euro für seine Anteile, bekommt ein halbes Jahr weiterhin sein Geschäftsführergehalt sowie einen Dienstwagen. Zudem muss er ein Darlehen von Eugen und seiner damals noch lebenden Frau Christa über 350.000 Euro nicht zurückzahlen. Angesichts der faktisch wertlosen Meat Factory ein erstaunlich gutes Geschäft für Hensel. Die unternehmerischen Beziehungen mit den Blocks enden damit, im selben Jahr erfolgt die Trennung von Hensel und Christina Block, in deren Zuge er ein Haus auf Sylt bekommt. Doch Frieden kehrt damit nicht ein, das Drama beginnt.