An diesem frühen Morgen drehen nicht nur die üblichen Jogger ihre Runden auf Deck 12, auch viele andere Gäste haben sich einen Platz an der Reling gesucht. Gegen sieben Uhr sollte die AIDAstella die Bucht von Antsiranana erreichen, hatte Kapitän Jan Peter Lindner am Vorabend erzählt. Der Zeitplan passt, und pünktlich gleitet das Kreuzfahrtschiff am kleinen Leuchtturm vorbei, der bei den Gästen sofort zum beliebten Fotomotiv wird. Ein langer Sandstrand ist noch menschenleer, auf der Steuerbordseite leuchten rötliche Steilklippen mit grünem Regenwald um die Wette. Langsam wendet der Kapitän das gut 250 Meter lange Schiff und steuert rückwärts den einzigen, größeren Liegeplatz im Hafen von Antsiranana an. Zwischen großen Containern warten hier schon Dutzende gelbe Tuktuks, eine lange Schlange an Geländewagen zieht sich von der Pier den Hügel bis zur Stadt hi­nauf. Die Fahrer winken fröhlich und machten Handyfotos vom Schiff, dann wird die Gangway ausgefahren und viele Urlauber betreten zum ersten Mal in ihrem Leben das Land Madagaskar.

Die Schiffe von AIDA steuern regelmäßig verschiedene Ziele im Indischen Ozean an. Eine Rundtour führt in zwei Wochen von Mauritius über La Réunion und die Seychellen bis nach Madagaskar. „Die AIDAstella hat weniger Tiefgang als große Kreuzfahrtschiffe und kann auch kleine Häfen anlaufen“, erzählt Kapitän Jan Peter Lindner, der seit mehr als 20 Jahren zur See fährt. Sein Traumziel sind die Seychellen, hier ankert das Schiff direkt vor der Insel La Digue. Mit Tenderbooten gelangen die Gäste an Land und spazieren durch ehemalige Kokosnussplantagen zum berühmten Traumstrand „Anse Source d‘Argent“ mit seinen markanten Granitfelsen. Zwei weitere Tage liegt das Schiff im Hafen der Seychellen-Hauptstadt Viktoria. Das kleine Stadtzentrum mit Uhrenturm und bunten Gebäuden im Kolonialstil ist fußläufig erreichbar, sehenswert ist auch der Botanische Garten, in dem die berühmte Coco de Mer mit ihren riesigen Kokosnüssen wächst. Für Bord-Lektor Michael Cornély ist Ma­dagaskar das spannendste Ziel der Reise. Die viertgrößte Insel der Welt ist für ihre eindrucksvolle Tier- und Pflanzenwelt bekannt und bietet auf der Kreuzfahrt einen Einblick in das „echte Afrika“.

Als das Kreuzfahrtschiff in den Hafen von Antsiranana einläuft, ist die ganze Stadt auf den Beinen. Madagassische Guides in grünen Shirts empfangen die Urlauber und lotsen sie zu ihren Bussen. Eine von ihnen ist Ralaivao Sophie. Die fröhliche Frau erzählt, dass der alte Name der Stadt Antsiranana „Diego Suarez“ auf portugiesische Seefahrer zurückgeht, die im 16. Jahrhundert anlandeten. „Später eroberten Franzosen das ganze Land“, gibt sie einen kurzen Einblick in die Geschichte des Landes. „Und seit 1960 ist Madagaskar unabhängig.“ Die wirtschaftliche Lage ist jedoch schwierig, die Arbeitslosigkeit hoch. Gerade an beliebten Aussichtspunkten versuchen daher viele Einheimische, etwas an die Touristen zu verkaufen. Für wenige Dollar gibt es Vanille, selbstgemachte Magneten oder Schnitzereien. Ralaivao Sophie zeigt ihrer Gruppe den heiligen Zuckerhut-Berg, dann rumpelt der Bus weiter durch Dörfer mit einfachen Wellblechhütten. Kinder winken am Straßenrand, überall laufen Zeburinder frei herum. Nach einem Stopp an den berühmten Affenbrotbäumen, den Baobab, und einem kurzen Shoppingbummel in Antsira­nana geht es zurück zum Schiff.

Am nächsten Tag erreicht die AIDAstella Nosy Be im Nordwesten Madagaskars. „Die Inselwelt ist noch ein echtes Paradies“, schwärmt Lektor Michael Cornély und besteigt eines der Ausflugsboote, das direkt am Kreuzfahrtschiff angelegt hat. An Bord begrüßen Guide Dophaise und Kapitän Olivier ihre Gäste, dann geht es in rascher Fahrt zum weißen Traumstrand auf Nosy Tanikely. Es ist überraschend wenig los, nur ein Dutzend Urlauber schnorchelt im seichten Wasser. Vor der Taucherbrille zeigen sich intakte Korallen, bunte Fischschwärme ziehen vorüber. „Habt ihr Schildkröten gesehen?“, fragt Dophaise. Die Schnorchler nicken glücklich.

Weiter geht es nach Nosy Komba. „Nosy heißt einfach Insel“, grinst der sympathische Guide und lockt im Regenwald einige Lemuren mit Bananen an. Die kleinen Affen gibt es nur auf Madagaskar und schon bald springen sie vorsichtig von einer Schulter zur nächsten. Dophaise blickt in fröhliche Gesichter und spaziert zurück zum Dorf. „Hier gibt es keinen Strom, gekocht wird auf Holzkohlefeuer“, erzählt er. Über die Besucher freuen sich die Bewohner sehr und bieten an kleinen Ständen bunte Bilder, Handwerk und Gewürze an. Alles wirkt aufgeräumt, überall hängen selbstgestickte Decken und bunte Strandtücher. Jeder noch so kleine Einkauf geht mit einer herzlichen Begegnung einher und so nehmen die Urlauber nicht nur Souvenirs, sondern auch unvergessliche Eindrücke mit zurück an Bord. Von der Reling aus winken sie Olivier und seiner Crew ein letztes Mal zu, dann nimmt die AIDAstella langsam Fahrt auf und gleitet aus der Bucht von Nosy Be hinaus auf das offene Meer.

Die Redaktion wurde von Aida Cruises zu der Reise eingeladen.