Ein Westfale macht die Currywurst in Nairobi zum erfolgreichen deutschen Import. Dafür musste der Auswanderer so manches Hindernis überwinden.
Der deutsche Kenia-Auswanderer Fabian Förster hat sein Lieblingsgericht, die Currywurst, nach Nairobi gebracht. Diese war den Einheimischen bis zum vergangenen Jahr völlig unbekannt.
Förster wollte nicht nur mitreisender Ehemann sein, während seine deutsch-amerikanische Frau in ihrem Geburtsland Kenia ihre Doktorarbeit schreibt. Der Westfale aus Lemgo kümmert sich remote um seine Marketingfirma in Deutschland, leidet also nicht unter Langeweile.
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Trotzdem machte er 2025 seine Currywurst-Passion zu einem weiteren beruflichen Standbein und eröffnete „Dieters Grill“ – ein kleines Imbissrestaurant im international geprägten Stadtteil Westlands.
Auswanderer Fabian Förster aus dem westfälischen Lemgo sitzt vor dem Logo und einem Foto seines Großvaters in „Dieters Grill“. Damit hat er in Kenia seinem verstorbenen Opa ein kulinarisches Denkmal gesetzt. In Kenia ist Currywurst weitestgehend unbekannt und exotisch. (zu dpa: „Currywurst in Nairobi: Junges Geschäft mit Erfolg“) Eva Krafczyk/dpa Opa Dieter dient als Vorlage für Imbissnamen
Namensgeber war der verstorbene Opa, den Förster sehr geliebt hatte. „Den hätte man mit der Currywurst hier auch sehr, sehr glücklich machen können“, meint Förster. Und ein klassischer deutscher Name wie Dieter passe auch zu seiner Bude. Die Familie jedenfalls sei mit der Namensgebung einverstanden und auch ein bisschen stolz gewesen.
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„Ich hatte schon, selbst als wir noch in Deutschland gelebt haben, davon geträumt, vielleicht mal so ein Imbiss aufzumachen“, erzählt er, während eine seiner vier Angestellten Würste auf dem Grill wendet. „Aber da ist natürlich der Markt ein ganz anderer.“
Das Logo von „Dieters Grill“. Damit hat der deutsche Auswanderer F. Förster in Kenia seinem verstorbenen Opa ein kulinarisches Denkmal gesetzt. In Kenia ist Currywurst weitestgehend unbekannt und exotisch. (zu dpa: «Currywurst in Nairobi: Junges Geschäft mit Erfolg») Eva Krafczyk/dpa Kenianer gehen eigentlich lieber ins Restaurant
Jeder Currywurst-Fan weiß: Ganz wichtig ist die Sauce. Das Rezept hat Förster aus der Heimat mitgebracht. „Ich habe gesagt, die Currysoße, die muss stimmen, bevor der Rest kommt.“ Der Rest war dann allerdings auch noch herausfordernd, denn die Wurst, die Förster anfangs von einem lokalen Partner orderte, entsprach nicht so ganz der heimischen Tradition.
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Seit der Eröffnung letztes Jahr hat sich vieles verändert: Inzwischen wird die Wurst selbst gemacht – ein befreundeter Metzger verriet sein Rezept. Seitdem schmeckt die Currywurst nach Heimat – doch nicht nur in „Dieters Grill“.
Was in Kenia deutlich schwieriger ist, ist das klassische Konzept der Imbissbude, wie es in Deutschland bekannt ist. Am Tresen stehen und auf der Hand eine Currywurst oder ein Schnitzelbrötchen essen, das ist in Nairobi eine eher unbekannte Esskultur. Wer es sich leisten kann, essen zu gehen, geht eher in ein Restaurant.
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So sieht eine Currywurst von „Dieters Grill“ in Naurobi aus. Eva Krafczyk/dpa Auswanderer liefert Currywürste nach Hause
Wichtiger als Laufkundschaft ist für den Westfalen deshalb die Essenslieferung nach Hause oder in Büros, Catering bei Veranstaltungen und neuerdings die Belieferung von Restaurants, Lodges und Safariunternehmen. „Das läuft gerade sehr gut an, weil wir tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal haben mit der Qualität. Und sowohl an der Küste als auch in Nanyuki gibt es jetzt Orte, wo man unsere Wurst kaufen kann.“
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Auch der Deutsch-Kenianer Arjun Malhotra machte die kulinarische Vorliebe zum Beruf. Seit 2023 betreibt er den Biergarten „Crafty Chameleon“ mit angeschlossener Craftbeer-Brauerei in der kenianischen Hauptstadt. „Ich habe lange als Hobby gebraut“, erzählt er.
Arjun Malhotra (l.) steht im Sudhaus seiner Craftbeer-Brauerei mit angeschlossenem Biergarten. Die Sehnsucht nach der Vielfalt deutschen Bieres hat den gebürtigen Dorstener in Kenia zum Brauer werden lassen. Eva Krafczyk/dpa
Denn als er als Jugendlicher in Kenia lebte, habe er die Vielfalt deutscher Biere in dem ostafrikanischen Land vermisst. Malhotra kommt aus Dorsten, seine Familie mütterlicherseits ist fest im Ruhrgebiet verankert, der Opa war Steiger.
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Nach dem Studium von VWL und Management habe er zunehmend mit der Idee einer kleinen Brauerei geliebäugelt, als er nach Kenia zurückgekehrt war, erzählt er. Praktika in verschiedenen Brauereien in den Niederlanden und in Südafrika erweiterten sein selbst erlerntes Brauwissen.
Das Malz kommt aus Bamberg
Schnell sei aber auch klar gewesen: Das Bier konnte nicht so günstig produziert werden wie Massenware. „Malz kommt aus Deutschland, die Hopfen je nach Bier aus Amerika, Deutschland oder Tschechien. Es ist dann halt teuer.“ Die Kombination des Ausschanks mit einem Restaurant habe sich nachträglich als optimale Lösung erwiesen. Das alte Wohnhaus der Familie mit seinem großen Garten zieht mittlerweile Kundschaft aus aller Welt an, wobei Kenianer die Mehrheit stellen.
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Arjun Malhotra steht an der Bar seines Biergartens „Crafty Chameleon“. Der gebürtige Dorstener hatte in Nairobi deutsches Bier vermisst und sein Hobby als Freizeit-Brauer zum Beruf gemacht. Gebraut wird nach deutschem Reinheitsgebot und mit dem Malz eines Bamberger Traditionsbetriebs. Eva Krafczyk/dpa
Die Rezepturen für seine fünf Biere – plus saisonalen Bieren – hat Malhotra selbst erarbeitet. Gebraut wird selbstverständlich nach deutschem Reinheitsgebot, das Malz stammt aus der fränkischen Biermetropole Bamberg. „Aber bei unseren Saisonalbieren gehen wir auch gerne mal aus dem Reinheitsgebot raus“, verrät Malhotra. So habe es vor ein paar Monaten während der Mangosaison ein Mango-Dragonfruit-IPA gegeben. „Das ist dann für die experimentierfreudigere Kundschaft.“ Und im Januar gab es sogar ein alkoholfreies IPA als Saisonalbier für den „Dry January“.
ANZEIGEBayrische Kunden als Weizenbier-Stresstest
Neben Expats und Kenianern, chinesischen Geschäftsleuten und Deutschen mit Bier-Heimweh waren schon zweimal bayrische Delegationen zu Besuch bei der deutsch-kenianischen Außenhandelskammer in Malhotras Biergarten. „Das war natürlich ein Stresstest, das sind die super-kritischen Weizenbiertrinker“, räumt er ein. „Als die gesagt haben, das schmeckt – das hat schon viel bedeutet.“