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Nach dem Tod von 38 Menschen vor der Küste Tobruks hat die libysche Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen ein kriminelles Netzwerk wegen Schleusung von Migranten eingeleitet. Die in einer Erklärung der Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichten Ermittlungsergebnisse zeigen, dass die Gruppe die Überfahrt irregulärer Migranten von der Ostküste Libyens ins nördliche Mittelmeer an Bord eines maroden und unsicheren Schiffes organisierte. Bei den Opfern handelt es sich um Staatsangehörige des Sudan, Ägyptens und Äthiopiens. Die von der Staatsanwaltschaft Tobruk durchgeführten Ermittlungen haben die mutmaßlichen Täter identifiziert und Teile der mit der Schleusung verbundenen Finanzströme rekonstruiert. Die Behörden beschlagnahmten zudem rund 300 libysche Dinar (umgerechnet etwa 40 Euro), die mutmaßlich aus den illegalen Aktivitäten stammen, und identifizierten unautorisierte Finanznetzwerke, die zur Abwicklung der Zahlungen genutzt wurden. Der zuständige Richter hat Haftbefehle gegen die Mitglieder der Gruppe erlassen und die Durchführung des Verfahrens zur Identifizierung der Opfer angeordnet.

Dieser Fall ereignet sich inmitten eines Anstiegs der Aktivitäten entlang der zentralen Mittelmeerroute. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden zwischen dem 19. und 25. April 788 Migranten abgefangen und nach Libyen zurückgeschickt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 181 in der Vorwoche. Seit Anfang 2026 hat die Gesamtzahl der abgefangenen und nach Nordafrika zurückgeschickten Personen 5.100 überschritten, während mindestens 812 Migranten auf derselben Route ums Leben kamen oder vermisst werden. Dies bestätigt die extreme Gefahr des Menschenhandels. Die IOM betont, dass der Anstieg der Opferzahlen Teil eines umfassenderen Trends ist, der durch widrige Wetterbedingungen, den zunehmenden Einsatz fragiler und überladener Schiffe sowie das Fehlen eines strukturierten Such- und Rettungssystems im zentralen Mittelmeer gekennzeichnet ist. „Heute scheint eine zusätzliche Grausamkeit hinzuzukommen: Überladene Boote mitten im Sturm aufs Meer zu schicken, ist an sich schon kriminell“, erklärte ein Sprecher der Organisation kürzlich gegenüber der „Agenzia Nova“ und hob hervor, wie Schleusernetzwerke Migranten immer größeren Risiken aussetzen. Derselbe Sprecher fügte hinzu: „Ohne Rettungsschiffe auf See, die sofort eingreifen können, ist es extrem schwierig, unversehrt davonzukommen.“ Er wies auf die mangelnden Such- und Rettungskapazitäten als einen der Faktoren hin, die zu der steigenden Zahl der Todesopfer beitragen.

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