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Packte auch selbst an: Helmut Hartmann (links) bei einem seiner Besuche in Kenia, wo er mit Einheimischen Wasserleitungen verlegte. © Privat/nh
Helmut Hartmann lief unzählige Marathons und sammelte Geld für Kenia, wo er Wasserleitungen baute und Schulkindern half. Nachruf auf einen ungewöhnlichen Menschen.
Kassel – Ohne das Laufen hätte Helmut Hartmann vermutlich nicht so vielen Menschen in Kenia geholfen. 2004 lernte der Marathonläufer aus Kassel beim Training in Großalmerode einen Massai kennen, der beim Missionswerk Frohe Botschaft zu Gast war. Wenig später startete Hartmann seine Mission. Der Afrikaner lud den Nordhessen in das Kimuka-Gebiet bei Nairobi ein. Dort erschrak Hartmann angesichts der Trinkwassersituation. „Die Menschen holen sich Wasser aus Tümpeln, in denen der Dreck der Tiere schwimmt“, sagte er 2014 der HNA. Nach seinem Besuch gründete er die Wasserhilfe Kenia.
Fortan reiste er mindestens zweimal im Jahr in das ostafrikanische Land, verlegte mit Einheimischen knapp 70 Kilometer Wasserleitungen und sammelte Spenden. Später kamen Schulgeld-Patenschaften dazu, mit denen 26 jungen Kenianern Bildung ermöglicht wurde. Seine ehemalige Partnerin Rita Gundrum-Süße sagte einmal: „Helmut würde es nie sagen, aber er ist dort hoch angesehen.“ Die lokale Verwaltung im Kajiado County verlieh ihm eine Urkunde. Am 20. Dezember vorigen Jahres ist Hartmann nach kurzer Krankheit mit 75 Jahren gestorben.
Unsere Zeitung porträtierte ihn einst nicht nur wegen seiner Hilfe für Kenia. 2003 erschien im Sportteil ein Text mit der Schlagzeile „Vernarrt in 42,195 Kilometer“. Der gelernte Industriekaufmann aus dem Fasanenhof war da gerade seinen 35. Marathon gelaufen. Begonnen mit dem Sport hatte der aus Sachsenhausen am Edersee stammende Hartmann einst beim Lauftreff in Korbach. Nach der Frühverrentung wurde das Laufen für den Vater dreier Kinder immer wichtiger. Er trainierte beim Lauftreff in Ihringshausen und bestritt mit Freunden Rennen in Rom, London und Reykjavík. Er war in der Welt zu Hause, reiste auch in ferne Länder und blieb trotzdem heimatverbunden. Oft zitierte er das Waldecker Lied, auf das sie im einstigen Fürstentum so stolz sind.
Der Glaube spielte für ihn eine wichtige Rolle. Über sein Engagement in Kenia sagte er: „Ich bin Christ, das ist für mich praktizierte Nächstenliebe. Es ist eine Freude zu sehen, wie mit kleinen Mitteln Freude erzeugt wird.“ Rita Gundrum-Süße erinnert sich: „Helmut war hilfsbereit und fröhlich und stets den Menschen zugewandt.“ Auch im Alter, als er in einer Wohngemeinschaft in Kirchditmold lebte, blieb er gern unter Menschen, etwa beim Lachyoga.
Nach dem 35. Marathon folgten noch viele weitere Wettkämpfe. Und als die 42 Kilometer zu lang wurden, rannte er auf kürzeren Strecken weiter. Helmut Hartmann war ein Lebensläufer, der Spuren hinterlassen hat. Der Verein „Wasserhilfe Kenia“ wurde nach seinem Tod aufgelöst. Aber nicht nur in Ostafrika werden sich viele Menschen noch lange an Helmut Hartmann erinnern. (Matthias Lohr)