Vor dem Hintergrund großer Spannungen mit der Übergangsregierung in Burkina Faso will Frankreich innerhalb von einem Monat seine Soldatinnen und Soldaten aus dem westafrikanischen Land
abziehen. „Wir haben offiziell die Kündigung des Abkommens erhalten“,
teilte das Außenministerium in Paris mit. Die vorgegebene
Frist von einem Monat werde Frankreich respektieren, sagte ein Ministeriumssprecher.
Der Abzug der Soldaten solle bis Ende Februar geschehen, hieß es aus
diplomatischen Kreisen in Paris. Das letzte Material solle bis April
außer Landes gebracht werden. Geplant ist eine Verlegung des Militärs ins benachbarte Niger, wo bereits 2.000 französische Soldatinnen und Soldaten
stationiert sind. Niger gilt als einer der letzten verbündeten Staaten
Frankreichs in der Region.
Frankreich hat derzeit etwa 400 Spezialkräften in Burkina Faso stationiert, um das Land im Kampf gegen dschihadistische Gruppen zu unterstützen. 2018 hatten beide Länder ein Abkommen über den Einsatz unterzeichnet. Vor einigen Tagen hatte die burkinische Übergangsregierung bereits die Aufkündigung des Abkommens bekannt gegeben. Frankreichs
Präsident Emmanuel Macron hatte darauf jedoch geantwortet, dass er auf
Klärungen des Übergangspräsidenten Ibrahim Traoré warte.
Im September 2022 kam es in Burkina Faso zu einem Militärputsch. Die Militärjunta, die seitdem an der Macht ist, hat sich in den vergangenen Monaten politisch an Russland angenähert, das mithilfe der Söldner der
Gruppe Wagner seinen Einfluss in Afrika ausbaut. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Burkina Faso und seiner ehemaligen Kolonialmacht Frankreich verschärft. Vergangene Woche waren Hunderte Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou auf die Straße gegangen und hatten Anti-Frankreich-Parolen skandiert. Im Dezember hatte die Militärjunta den Wechsel des französischen Botschafters
gefordert, da sie dem Diplomaten vorwarf, sich unangemessen zur
Sicherheitslage im Land geäußert zu haben. In Bezug auf die Kündigung des Militärabkommens hieß es am Montag vonseiten der burkinischen Regierung: „Wir kündigen lediglich das Abkommen über die Präsenz französischer
Soldaten in Burkina Faso, nicht die diplomatischen Beziehungen.“
© Lea Dohle
Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick
Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.
Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.
Im August 2022 hatte Frankreich bereits seinen Militäreinsatz im Nachbarland Mali nach mehr als neun Jahren beendet. Unter anderem auch deshalb, weil in Mali Stimmung gegen den Einsatz gemacht wurde. Auch in Mali ist eine Militärjunta an der Macht, die eng mit der Gruppe Wagner zusammenarbeitet.
Burkina Faso befindet sich seit 2015 in einer schweren Krise. Regelmäßig kommt es zu bewaffneten Überfällen verschiedener dschihadistischer Gruppen, die zum Teil mit den Terrororganisationen Al-Kaida
und „Islamischer Staat“ zusammenarbeiten. Die Extremisten überfallen in der Regel auf Motorrädern Dörfer. Tausende Menschen wurden bei diesen Angriffen getötet.