Innerhalb von nur vier Tagen erreichen das Gesundheitsministerium hunderte Reklamationen über die Versorgungsqualität im Königreich.
Rabat – Die Unzufriedenheit vieler Marokkaner mit dem staatlichen Gesundheitssystem hat nun eine offizielle digitale Adresse. Wie der Minister für Gesundheit und Sozialschutz, Amine Tehraoui, am Dienstag vor dem Oberhaus mitteilte, verzeichnete die neu eingeführte Plattform „Chikaya Santé“ bereits in den ersten vier Tagen nach ihrem Start 764 Beschwerden. Dieser sprunghafte Anstieg – zuvor wurden im Schnitt lediglich zehn Reklamationen pro Tag gemeldet – verdeutlicht den hohen Bedarf der Bevölkerung, Mängel und Kritikpunkte direkt an die Regierung zu adressieren.
Transparenz als Antwort auf systemische Defizite
Die Plattform soll laut Tehraoui als „modernes Interaktionsgerät“ fungieren, das eine transparente Überwachung und Bearbeitung der Bürgeranliegen innerhalb fester Fristen ermöglicht. Hinter dem System steht ein nationales Zentrum, das mithilfe digitaler Technologien sicherstellen soll, dass Kritik nicht länger ungehört verhallt. Der Minister betonte, dass der Schutz der Würde des Bürgers im Mittelpunkt der Reformen stehe, räumte damit jedoch indirekt ein, dass in der Vergangenheit genau hier erhebliche Defizite bestanden.
Massive Investitionen sollen Engpässe beseitigen
Um dem registrierten Unmut entgegenzuwirken, setzt das Ministerium auf eine umfassende Infrastrukturoffensive. Die bisherigen Maßnahmen laut Ministerium und Kennzahlen im Überblick:
Kapazitätserweiterung: Durch elf neue Einrichtungen wurden 1.777 zusätzliche Betten geschaffen. Bis Ende September 2026 ist die Bereitstellung von fast 2.900 weiteren Betten geplant.
Notfallversorgung: Ein seit Oktober 2025 geltendes Triage-System und die Mobilisierung von 531 zusätzlichen Fachkräften sollen die Wartezeiten in Notaufnahmen verkürzen.
Versorgungssicherheit: Die Medikamentenlieferungen an Krankenhäuser stiegen laut offiziellen Angaben um 26 % auf 4.360 Tonnen. Die Bearbeitungsrate dringender Anfragen konnte von 74 % auf 96 % gesteigert werden.
Neben der Hardware investiert Marokko nach eigenen Angaben auch in die Struktur des Notfallsystems (SAMU) und die Ausbildung von medizinisch-sozialen Assistenten, um die oft kritisierte Patientenaufnahme zu verbessern. Ob die Plattform „Chikaya Santé“ tatsächlich zu einer langfristigen Besserung führt oder lediglich den Unmut statistisch erfasst, wird die Bearbeitungsquote der kommenden Monate zeigen.